Eine Entscheidung treffen

4 Schritte zur guten Entscheidung

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Es geht um die „Entscheidung“

Wenn Sie eine Leitungsfunktion haben, werden Sie entweder alleine oder im Team Entscheidungen treffen. Die Methode, die ich Ihnen anbieten möchte, eignet sich für beide Varianten.

Wenn Sie die Entscheidungen im Team treffen möchten, seien Sie sich bitte klar darüber, ob das Team mitentscheiden kann! Bei manchen Entscheidungen wird das Team vielleicht nur Mitspracherecht haben. Die letztendliche Entscheidung liegt bei Ihnen oder Ihrem Vorgesetzten. Diese Unterscheidung sollten Sie sehr klar haben und auch dementsprechend kommunizieren.

Auch heiraten ist eine Entscheidung

Eine kleine Geschichte

Der amerikanische Staatsmann Benjamin Franklin wurde von einem jungen Mann um Hilfe gebeten. Dieser hatte das Problem, dass er zwischen zwei Frauen, von denen er eine heiraten wollte, nicht entscheiden konnte. So empfahl ihm Franklin, dass er jeweils auf einem Blatt die Vor- und Nachteile der Frauen notieren sollte. Der junge Mann sollte die Frau wählen, welche mehr Punkte auf der positiven Seite hatte. Als er herausgefunden hatte, welche Frau mehr positive Punkte hat, merkte er, dass er die andere Frau wollte. Diese heiratete er schlussendlich auch. Der Verstand hatte dem Gefühl auf die Sprünge geholfen.

Wenn Gefühl und Verstand sich widersprechen, kommt es zur Kraftprobe zwischen den beiden.

Und wie sieht es bei Ihnen aus?

Psychologen und Neurowissenschaftler sagen, dass wir täglich bis zu 100 Entscheidungen treffen. Welche Schuhe trage ich heute? Fahre ich mit dem Auto oder dem Fahrrad? … Wir werden von Möglichkeiten und Alternativen umringt. Diese vielen Möglichkeiten haben uns zwar freier, nicht aber glücklicher gemacht. In der Psychologie spricht man schon von der „Tyrannei der Wahl“. In dem Zusammenhang ist das „Bessere“ oftmals der Feind des „Guten“.

Viele Entscheidungen laufen fast automatisch ab. Hier sprechen wir auch von Intuition. Wie sieht es aber mit den großen Entscheidungen aus? Ziehe ich für den Job um? Soll ich den Mitarbeiter einstellen/ behalten? Wird das Team neu ausgerichtet? Soll ich diese Frau/ diesen Mann heiraten? Wie können wir solche Entscheidungen gut treffen?

Je komplexer eine Entscheidung ist, desto wahrscheinlicher wird es nicht die „Eine richtige Entscheidung“ geben. Hierbei sollten Sie bedenken, dass „nicht entscheiden“ das Risiko birgt, dass andere die Entscheidung treffen.

Bei allen Entscheidungen, auch die, die Sie mit dem gleich vorgesehenen System erstellen, geht es darum sich damit anzufreunden, nach dem besten Wissen, zum Zeitpunkt der Entscheidung, gehandelt zu haben. Entweder Sie werden Erfolg mit ihrer Entscheidung haben, oder Sie werden daraus lernen.

eine entscheidung ist eine wahl

Doch nun zu einem System

Wenn Entscheidungsprozesse systematisch ablaufen, wird Ihnen die Entscheidung einfacher fallen. Je öfter Sie den Prozess wiederholen umso wahrscheinlicher wird er in Ihren normalen Umgang mit Entscheidungen übergehen. Er wird mit jedem Gebrauch leichter, flüssiger und natürlicher verlaufen.

Der weitere Vorteil eines systematischen Entscheidungsprozesses liegt darin, dass er sich gut dokumentieren lässt. Ideen gehen so nicht verloren und bei Problemen können Änderungen meist schneller vonstattenstatten gehen.

Jetzt zum Prozess, den ich Ihnen vorschlagen möchte:

Der WRAP– Prozess wurde von den Brüdern Heaths entwickelt. Die Brüder untersuchten die Entscheidungen von Einzelpersonen und Unternehmen. Sie wollten herausfinden, wie sich Entscheidungen am Vorteilhaftesten treffen lassen. Der Prozess, der dabei entstand, führt Sie durch die vier Schritte zu einer guten Entscheidung.

entscheiden heißt wählen

W die Wahlmöglichkeiten

Der Punkt, an dem Sie bei einer Entscheidung „Entweder – Oder“ denken, sollten Sie vorsichtig werden lassen. Ein „Entweder –  Oder“ gibt es selten. Die bewusste Suche nach Alternativen kann sie aus dieser Denkfalle herausholen.

Soll ich den Mitarbeiter behalten oder ihm kündigen? Vielleicht können Sie die Probezeit verlängern, einen weiteren Zeitvertrag abschließen, ihn mit einer anderen Station / Gruppe teilen …. Bei Entscheidungen gilt „Entweder – Oder“ = mindestens eine „Alarmglocke“.

Suchen Sie bewusst nach Alternativen. Fragen Sie Bekannte und Kollegen, die eventuell emotional ungebundener sind. Gerade Menschen, die in einem anderen Bereich arbeiten, haben oft gute Ideen. Sollten Sie jemanden kennen, der eine ähnliche Entscheidung schon getroffen hat, wird Ihnen das sicherlich weiterhelfen.  Die meisten Menschen freuen sich, wenn man sie um Unterstützung bittet. Je mehr Alternativen Sie entdeckenden umso passgenauer wird Ihre Entscheidung ausfallen.

eine entscheidung auf realität überprüfen

R die Realitätsprüfung

Nachdem Sie unterschiedliche Wahlmöglichkeiten gefunden haben, kommt die Zeit der Analyse. Hier wird sich Ihr Bauchgefühl sicherlich melden. Sie werden Tendenzen „spüren“, der Ihre Intuition den Vorrang gibt. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Die sogenannte Selbstbestätigung hat einen starken Einfluss auf Ihre Entscheidung. Leider spielt sie sich oft unbewusst ab.

Menschen neigen dazu, Informationen und Interpretationen so zu verbiegen, dass sie zu ihrer Intuition passen. Wenn die nun zu treffende Entscheidung, auf vorhergehenden Entscheidungen aufbaut, werden Sie, wie bereits gesagt unbewusst, alles daransetzen, die vorhergehenden Entscheidungen zu rechtfertigen.

Ein Beispiel aus meiner Praxis:

Eine Einrichtung der Jugendhilfe hatte das Konzept für eine 5 – Tages Gruppe erstellt. Sie waren von dem Konzept begeistert. Bis zu 8 Kinder und Jugendliche sollten ein „zu Hause“ finden. Bald schon wurde ein Haus angemietet sowie ein Team aufgebaut. Das Projekt lief an. Die ersten zwei Kinder wurden noch innerhalb des ersten Monats aufgenommen. Nach drei Monaten waren es immer noch zwei Kinder. Das Konzept wurde nochmal überarbeitet und die Werbetrommel kräftig gerührt. Es passierte nichts. Mittlerweile war viel Geld, aber vor allen Dingen viel Zeit in das Projekt geflossen. Neue Entscheidungen wurden so getroffen, dass die vorher gegangenen als „richtig“ stehen bleiben konnten.

Das Konzept über Bord zu schmeißen war ein sehr schwieriges, aufreibendes Unterfangen. Die bisher investierte Zeit erschwerte das Umdenken. Übrigens konnte ein neues Konzept mit einer anderen Zielgruppe erarbeitet werden. Das Haus ist heute voll.

Seien Sie bitte vorsichtig, zu stark Ihrem Gefühl zu vertrauen. Wir lassen uns erstaunlich leicht von unbewussten Prozessen ablenken. Unsere Vorurteile und Ängste sind uns zwar nicht immer bewusst, aber sie haben einen Einfluss auf unsere Entscheidungen.

Suchen Sie bewusst nach allem, was gegen diese Entscheidung spricht, um zu vermeiden, dass Sie in diese Falle der Selbstbestätigung tappen.

Welche Widersprüche können Sie oder andere, sehen? Gibt es Beweise oder Tatsachen, die für eine andere Entscheidung sprechen? Gerade, wenn dies alles Ihren Vorlieben oder Ihrem Weltbild zuwiderlaufen, schauen Sie genau hin.  Denn gerade „große“ Entscheidungen sollten wir, soweit, als möglich, unvoreingenommen gegenüberstehen.

Wann möglich besprechen Sie Ihre Entscheidung bitte mit Kollegen, Bekannten oder Freunden. Fragen sie hierbei gezielt nach Ergänzungen beziehungsweise Schwierigkeiten, die ihnen nicht aufgefallen sind.

eine pause bevor sie entscheiden

A sorgt für den nötigen Abstand

Eine hohe Zahl von Studien bestätigt, dass Entscheidungen, die erst am nächsten Tag getroffen werden, die positiveren für den Entscheider sind.

Meine Oma hatte recht, wenn sie meinte: „Schlaf noch mal eine Nacht drüber, bevor du dich entscheidest.“ Das hat sich manches Mal gelohnt. Vor einigen, sicherlich nicht vor allen, Fehlentscheidungen hat es mich bewahrt.

Manchmal ist das nicht möglich und Entscheidungen müssen zeitnah getroffen werden. Sie sollten in jedem Fall eine Pause einlegen. Wenn möglich vollziehen Sie einen Ortswechsel oder gehen eine Runde spazieren. Schauen Sie sich dann die Entscheidung nochmals aus einer Metaperspektive an. Betrachten Sie die Entscheidung und ihre Einflüsse von außen. Wie wirkt sich die Entscheidung jetzt aus? Wie wird sie sich im Verlauf des Jahres auswirken? Wie werden wir in fünf, zehn Jahren zur heutigen Entscheidung stehen, oder darauf zurückblicken?

Was würden andere Organisationen in der gleichen Branche zu der Entscheidung sagen? Wie werden unsere Klienten dazu stehen? Was würde ich Kollegen oder Mitarbeitern vor einer ähnlichen Entscheidung raten? …

Passt die zu treffende Entscheidung zur persönlichen Ausrichtung beziehungsweise zur Ausrichtung des Teams oder der Organisation?  Entspricht sie der Persönlichkeit der Personen, die an der Ausführung beteiligt sein werden? Wird sich dadurch die Außenansicht und die Innenansicht verändern? Wie wirkt sie sich auf die derzeitigen Klienten aus?

P zur Problemvorschau

Sobald die Entscheidung gefallen ist, fängt die eigentliche Arbeit an. Jeder noch so ausgefeilte Plan funktioniert reibungslos, bis das Leben dazwischenfunkt. Wie im Beispiel mit der 5 Tage Gruppe tun sie gut daran, zu überlegen, welche Probleme in der Umsetzung auf Sie zukommen können.

Angenommen Sie sind ein bis zwei Jahre weiter. Die tolle Idee mit der gut durchdachten Entscheidung ist in einer Katastrophe geendet. Wie kam es dazu? Welche Schritte sind „schief gelaufen“? Welche Anzeichen für den Fehlschlag haben Sie überhört? Welche Fallstricke nicht gesehen? Auch wenn dies ein unangenehmes Gedankenspiel ist, gehen Sie es gedanklich durch. Sprechen Sie darüber oder, besser, schreiben Sie es auf.

Wenn Sie das getan haben, planen Sie Punkte oder Zeiten ein, an dem sie ihre Entscheidung überprüfen und möglicher Weise auch noch gegensteuern können.

Nochmals im Überblick

  • Die „Eine“ richtige Entscheidung wird es meist nicht geben.
  • Suchen Sie nach möglichst vielen Wahlmöglichkeiten für eine Entscheidung.
  • Unterziehen Sie die Wahlmöglichkeiten einer Realitätsprüfung und denken Sie an die Selbstbestätigung.
  • Bevor Sie eine endgültige Entscheidung treffen, machen Sie eine Pause.
  • Malen Sie sich die Katastrophe aus und überlegen, wie Sie diese verhindern können.

Weiterlesen

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Entscheidungen treffen: zwei effektive Methoden

Entscheidungen treffen: Diese 6 Methoden machen es leichter

 

Viel Spaß und Erfolg bei der Umsetzung Ihrer Entscheidung. 

Für Fragen, Anregungen und Anmerkungen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Hier geht es zur Übersicht der Methoden für Leitungen.
 

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