5 psychologische Grundbedürfnisse II

5 psychologische Grundbedürfnisse II

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Im vorangegangenen Artikel habe ich die psychologischen Grundbedürfnisse nach Lustgewinn und Unlustvermeidung, Bindung und Selbstwerterhöhung dargestellt. Nun geht es um die noch verblieben zwei Bedürfnisse.

  • Das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
  • Das Bedürfnis nach Stimmigkeit (Konsistenz)

Auch diesmal werde ich Ihnen unmittelbar nach der Darstellung des jeweiligen Bedürfnisses aufzeigen, was Sie konkret unternehmen können. Es geht darum, diese Bedürfnisse möglichst zu befriedigen.

Abschließen möchte ich den Artikel mit ein paar Fragen, die direkt an Sie gerichtet sind.

• Das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle

Das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle

Die Vermeidung von unangenehmen Überraschungen existiert so lange, wie es Menschen gibt. Wir wollen vorbereitet sein. Dafür brauchen wir eine Idee, wo es in unserem Leben, in unserer Arbeit hingeht.

In diesen Bereich fällt ebenfalls die Selbstbestimmtheit. Wen Sie selbstbestimmt durch das Leben gehen möchten, sollten Ihnen die Rahmenbedingungen klar sein. Sie sollten zum Beispiel wissen, welche Aufgaben Sie als Leitung zu erfüllen haben und welche nicht in Ihren Aufgabenbereich fallen.

Wenn wir Orientierung und Kontrolle haben, fühlen wir uns sicher. Wir können unsere eigenen Werte leben und sind im Stande auf die Wertvorstellungen von anderen einzugehen. Fehlt die Orientierung, durch mangelnde Kommunikation wird ein Miteinander schwierig.

In organisationsbedingten Umbruchsituationen werden Mitarbeiter sehr schnell zu Einzelkämpfern, die nur noch mit ihrer persönlichen Situation beschäftigt sind. Eine Teamarbeit ist kaum möglich.

Menschen, die Schicksalsschläge erleiden, fehlen oftmals genau die beiden Punkte der Orientierung und Kontrolle. Trennungssituationen vom Partner, der Herkunftsfamilie, Kündigung oder eine Krankheit können in dem Gefühl von Kontrollverlust und Orientierungslosigkeit münden.

Ein solcher Verlust mündet dann häufig in einer depressiven Verstimmung. Diese kann sich über Monate, teilweise Jahre hinziehen. Eine Orientierung von außen ist meist eine Erleichterung für die betreffenden Personen sein.

Was Sie konkret unternehmen können

Sie sollten sich über Ihre Aufgaben und Verantwortungen im Klaren sein. Im besten Falle gibt es eine Stellenbeschreibung, die Ihre Aufgaben darstellt. Sollte es eine solche Beschreibung nicht geben, würde ich Ihnen raten, sich selber eine zu gestalten und mit Ihrem direkten Vorgesetzten zu besprechen.

Gleiches gilt für Ihre Mitarbeiter. Auch hier kann eine Stellenbeschreibung mehr als hilfreich sein. Darüber hinaus kann Sie der Entwurf eines Teamkonzeptes unterstützen. Bei all diesen Punkten beachten Sie bitte, dass sie die Arbeitsbedingungen im sozialen Bereich schnell verändern. Stellenbeschreibungen und Teamkonzepte sollten daher mindestens einmal im Jahr überprüft und gegeben falls angepasst werden.

Veränderungen in Organisationen führen häufig zu Unruhe bei den Mitarbeitern. Ich plädiere sehr klar für eine offene Kommunikation, die die Veränderungen begleitet. Fehlt dieser Austausch, entstehen schnell Gerüchte, die sich über den „Flur Funk“ verbreiten. Solchen Gerüchten ist leider nur schwer beizukommen.

Jede Offenheit hat allerdings auch ihre Grenzen. Diese Grenzen liegen im rechtlichen Bereich. Daher sollten Sie mit Ihrem Vorgesetzten Rücksprache halten, wann welche Themen an die Mitarbeiter weitergegeben werden können, beziehungsweise sogar dürfen.

Sie werden sicherlich häufiger mit Klienten zusammenarbeiten, die durch ihre Lebensumstände zeitweise in die Orientierungslosigkeit abgleiten. Durch gezielte Orientierung von außen können Sie diesem Abgleiten entgegenwirken. Eine deutliche Struktur des Tages und der Zusammenarbeit sind nach meiner Erfahrung sehr hilfreich.

Geben Sie Ihren Klienten immer wieder Rückmeldungen zu Aufgaben und Herausforderungen, die diese gemeistert haben. Sobald Menschen sich in einem Bereich des Kontrollverlustes empfinden, nehmen sie Erfolge, wenn überhaupt, nur rudimentär war. Ihre Rückmeldung kann den Weg in die Eigenverantwortung unterstützen.

• Das Bedürfnis nach Stimmigkeit (Konsistenz)

Das Bedürfnis nach Stimmigkeit (Konsistenz)

Sicherlich kennen Sie Situationen, in denen es im Team oder in der Arbeit mit Klienten rund läuft. Die Zusammenarbeit macht Freude und führt zu positiven Ergebnissen. Wenn Sie nach dem Grund für diese positive Stimmung gefragt werden, können Sie vielleicht sagen: „Die Chemie stimmt.“ In solchen Momenten wird ihr Bedürfnis nach Stimmigkeit erfüllt.

Sobald sich etwas für uns als unstimmig, unecht, anfühlt, entsteht ein Unwohlsein. Je nach unserer Veranlagung ziehen wir uns zurück, lassen es geschehen oder rebellieren. Über einen längeren Zeitraum kann niemand diesen Zustand aushalten. Er wird dann in Krankheit oder Kündigung enden.

Abhängig davon, wie stark eine Unstimmigkeit ist, oder wie sie uns betrifft, keimt ein Gefühl der Ungerechtigkeit auf. Letzteres endet oftmals in Wut. Der in dieser Wut liegende Veränderungswunsch wird immer deutlicher. Wenn er dann nicht von Ihnen als Leitung gesteuert wird, bricht er an anderer Stelle hervor. Am schnellsten wird der Verlust von Stimmigkeit im Boykottieren der Leitung beziehungsweise der Organisation sichtbar.

Was Sie konkret unternehmen können

Sagen Sie was Sie tun und tun Sie, was Sie sagen! Bedenken Sie dabei, dass niemand perfekt ist. Wenn Sie eine Aussage nicht einhalten können oder diese vergessen haben, benennen Sie dieses. Ihre Ehrlichkeit wird die Unstimmigkeit abfedern.

Achten Sie ebenfalls bei Ihren Mitarbeitern und Klienten auf die Stimmigkeit zwischen Aussage und Handlung. Weisen Sie gegeben falls auf Unstimmigkeiten hin und besprechen Sie eine alternative Herangehensweise.

Viele Organisationen haben in ihrer Eigendarstellung Werte, die sie im Umgang mit den Klienten in den Vordergrund stellen. Achten Sie darauf, dass diese Werte gelebt werden. Sicherlich im Umgang mit den Klienten und genauso im Umgang mit den Mitarbeitern oder untereinander.

Abschließende Gedanken

Menschen, deren psychologischen Grundbedürfnisse erfüllt sind, verfügen über eine enorme Präsenz. Daher sollte Sie darauf achten, dass Ihre befriedigt sind. Neben Ihrem Körper benötigt auch Ihre Seele Nahrung!

Achten Sie vor allem bei sich selbst auf die Befriedigung dieser fünf Grundbedürfnisse. In diesem Bereich zeigt sich, wie wichtig eine ausgewogene Lebensbilanz ist. Wenn in einem Bereich die Bedürfnisse nicht aufgefangen werden können, ist es wichtig, sie in einem andern zu erfüllen.

Neben einem noch so angenehmen beruflichen Bereich sollten Sie ihren privaten Raum nicht vernachlässigen. Das Gleiche gilt natürlich ebenso umgekehrt, es ist nach meiner Erfahrung im sozialen Bereich jedoch eher die Ausnahme.

Achten Sie in den Wechseln vom beruflichen zum privaten Feld auf gute Übergänge. Starten Sie Ihre Arbeit am besten mit einem Ritual und schließen sie gut ab, bevor sie in den privaten Bereich gehen.

Machen Sie sich ein Bild und handeln Sie!

Fragen zum Abschluss

Welche Ihrer psychologischen Grundbedürfnisse sind gerade befriedigt? Woran erkennen Sie das? Wie können Sie die Wahrscheinlichkeit, dass es so bleibt, erhöhen?

Welche Ihrer Grundbedürfnisse zeigen gerade einen Mangel auf? Was können Sie tun, um das zu ändern? Können Sie Bedingungen schaffen, die eine Veränderung herbeiführen?

Wenn Ihnen der Artikel gefallen oder sogar weitergeholfen hat, teilen Sie ihn doch bitte mit anderen.

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Neuropsychotherapie – Klaus Grawe

Hier kommen Sie zur Übersicht Teamarbeit.

 

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