5 psychologischen Grundbedürfnisse

5 psychologischen Grundbedürfnisse

In den folgenden zwei Artikeln möchte ich Ihnen die psychologischen Grundbedürfnisse, die Sie kennen sollten, vorstellen. Diese fünf Grundbedürfnisse hat der Psychologieprofessor Klaus Grawe herausgestellt. Nach Ansicht von Professor Grawe führt eine dauerhafte Nichtbefriedigung dieser Bedürfnisse zur Schädigung der psychischen Gesundheit.

Die psychologischen Grundbedürfnisse

Auf diese psychologischen Grundbedürfnisse sollten Sie sowohl bei sich, Ihren Mitarbeitern und Klienten achten. Die Fünf Grundbedürfnisse sind:

  • Das Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung
  • Das Bedürfnis nach Bindung
  • Das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung
  • Das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle
  • Das Bedürfnis nach Stimmigkeit (Konsistenz)

Die Beachtung der psychologischen Grundbedürfnisse bei Ihren Mitarbeitern wird den Zusammenhalt stärken. Bei Ihren Klienten können Sie damit deren persönliche Stabilität erhöhen. Sie selber werden stabiler und belastbarer sein, wenn sie auf die Erfüllung dieser Bedürfnisse bei sich achten.

Ich werde bei jedem Einzelnen der psychologischen Grundbedürfnisse mögliche Vorgehensweisen aufzeigen. Mir geht es wieder darum, dass Sie eine Achtsamkeit für diese psychologischen Grundbedürfnisse entwickeln. Lassen Sie diese Bitte auf sich wirken und bringen sie „nur“ von Zeit zu Zeit an.

psychologischen Grundbedürfnisse Lust und Unlust

Das Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung

Dieses ist das Einflussreichste der fünf psychologischen Grundbedürfnisse. Wir alle machen gerne Dinge, die uns Freude bereiten. Arbeiten, in denen wir Zeit und Raum vergessen sowie die, die unsere Stärken ansprechen, gehen uns einfach von der Hand. Zudem erhöhen sie unser Selbstwertgefühl.

Hingegen schieben wir Arbeiten, die uns unangenehm sind vor uns her. Bei mir ist es beispielsweise der gesamte Organisationsbereich von Abrechnung, Kassen- und Fahrtenbuch. Sicherlich kennen Sie solche Arbeiten bei sich selber.

Das Problem bei einem solchen Aufschieben ist allerdings, dass die Unlust immer größer wird. Irgendwann haben wir den Eindruck, dass wir vor einem Berg stehen, den wir nicht mehr bewältigen können. Dann wird es richtig schwierig.

In diesen Bereich fällt das Problem mit dem Stress. Laut der Arbeitspsychologie tragen Menschen, die ständig an ihrem Limit arbeiten, starke psychologische Schäden davon. Dieses gilt ebenso für eine ständige Unterforderung. Letztere fällt leider erst sehr spät auf. Solche psychischen Probleme wirken sich schnell auf die körperliche Gesundheit aus. Krankheitsfälle häufen sich.

Was Sie konkret unternehmen können

Wir Menschen gehen oft davon aus, das andere die Welt genauso sehen, wie wir. Das führt dazu, dass wir glauben, andere finden diese oder jene Aufgabe genauso unangenehm, wie wir. Das stimmt nicht immer. 

Ich habe es oft erlebt, dass mir persönlich unangenehme Aufgaben von Kollegen oder Mitarbeitern gerne übernommen wurden. Fragen Sie nach! Klären Sie innerhalb des Teams, wer welche Aufgabe übernimmt und welche Rolle ausfüllt. Achten Sie darauf gegeben Falls Aufgaben neu zu verteilen.

Viele Zeitmanagementtrainer sagen, dass man die Aufgabe, die einem am schwersten fällt, zu Tagesbeginn erledigen sollte. Probieren Sie es aus! Oftmals stellt sich danach eine große Erleichterung ein. Diese Erleichterung wirkt sich auf unser Lustzentrum aus.

Ansonsten „feiern“ Sie das erledigen der Aufgabe. Gönnen Sie sich danach etwas Gutes. Belohnen Sie sich. Bei Ihren Mitarbeitern und Klienten kann diese Belohnung auch eine ehrliche Anerkennung Ihrerseits sein.

psychologischen Grundbedürfnisse Bindung

Das Bedürfnis nach Bindung

Auf das Thema Bindung bin ich bereits in den Artikeln über den Rapport eingegangen. Hier unter dem Begriff Zugehörigkeit. Da ich es für immens wichtig halte, werde ich es dennoch etwas ausführlicher darstellen.

Bindung ist für Säuglinge und Kleinkinder überlebenswichtig. Ohne die Bindung zu einer Bezugsperson sterben sie oder sie tagen schwere, irreparable Schäden davon. Später lässt sich fehlende Bindung scheinbar gedanklich kompensieren. Dieses „scheinbar“ ist ein Trugschluss.

Fehlende Bindung wirkt sich immens auf unser Wohlbefinden und unsere geistige, wie körperliche Gesundheit aus. Vereinsamte Menschen sind öfter krank und sterben früher. Bindung ist genauso wichtig, wie essen und trinken. Das gezielte Aufbauen von Bindungen kann diesem Verfall entgegenwirken.

Auch die gemeinsame Arbeit im Team oder in einer Organisation kann das Bedürfnis nach Bindung stillen. Ich finde sogar, dass es das Ziel eines Teams beziehungsweise einer Organisation sein sollte.

Wesentliche Merkmale von Bindung sind: Das Gemeinsame verfolgen von Zielen. Das teilen von Erfolgen und Niederlagen. Die Möglichkeit offen nach Rat zu fragen. Sich auszutauschen. Sie sehen, dass Sie diese Merkmale gut in Ihrem Team umsetzen können.

Was Sie konkret unternehmen können

In allen Beziehungen hakt es mal. Es gibt Streit und Zank. Hier ist es wichtig, verschiedene Beziehungen zu gestalten. Schaffen Sie (Zeit-) Räume, in denen Sie in Kontakt sind. Gehen Sie Theaterspielen, tanzen, singen, kegeln … Egal was. Sorgen Sie gut für sich selbst! Bauen Sie Beziehungen auf.

Es kann manchmal ausschlaggebend sein, dass Sie erst gar nicht nach Hause fahren. Nach meiner Erfahrung haben Sofas eine eigene, planetare Anziehungskraft. Sobald Sie sitzen, kleben Sie fest.

Schaffen Sie stabile Beziehungen in Ihrem Team. Sorgen sie für eine klare und offene Atmosphäre. Stellen sie nach einem kritischen Feedback schnellstmöglich wieder eine Bindung her, indem Sie Gemeinsamkeiten benennen.

Unterstützen Sie Ihre Klienten Beziehungen aufzubauen. Gemeinsame Aktionen, Gruppen, Vereine können sehr hilfreich sein. Oftmals reicht es schon Gemeinsamkeiten zwischen Klienten gezielt in den Vordergrund zu rücken.

psychologischen Grundbedürfnisse Selbstwerterhöhung

Das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung

Hier betreten wir den Bereich der Wertschätzung. In jedem von uns liegt der Wunsch, etwas Besonderes zu sein. Wir wollen gesehen und gemocht werden. Auch wenn wir es besser wissen, wäre uns es doch am liebsten, wenn uns jeder mag.

In diesem Bedürfnis liegt auch ein großes Problem. Menschen die in diesem Bereich unterversorgt sind schreien „nun hab mich doch lieb“, regelrecht heraus. Sie tun (fast) alles um gemocht zu werden. Damit überfordern sie ihr Umfeld schnell. Aus diesem Bereich heraus entsteht „Harmoniesucht“.

Es gilt, zwei Unterscheidungen zu treffen. Einmal geht es um die Rückmeldung und Wertschätzung der geleisteten Arbeit. Wenn Rückmeldungen zu möglichen Verbesserungen und ehrlich gemeinte Feedbacks zu einer gut gemachten Arbeit sich ausgleichen, wird sich das positiv auf den Selbstwert auswirken.

Zum Zweiten geht es um Rückmeldungen, die den Menschen als eigenständige Persönlichkeit anerkennen. Also unabhängig von seinen Leistungen. Ein aufrichtiges Kompliment wirkt wärmend wie ein Sonnenstrahl.

Was Sie konkret unternehmen können

Bedanken Sie sich, wenn sie ein Kompliment bekommen. Reden Sie es nicht klein. Für mich war das am Anfang eine starke Herausforderung. Genießen Sie es.

Umgeben Sie sich mit Menschen, die Ihnen guttun. Vor allem im privaten Bereich. Auf der Arbeit können Sie sich die Kollegen und Mitarbeiter nicht immer aussuchen, im Privatleben schon.

Machen Sie Ihre Ergebnisse und die Arbeit dahinter deutlich. Trauen Sie sich ruhig nach einem positiven Feedback zu fragen. Behalten sie gleichzeitig ihre persönlichen Grenzen im Auge.

Beobachten Sie Ihre Mitarbeiter. Wenn diese etwas gut machen, geben Sie Ihnen eine dementsprechende Rückmeldung. Vor allem, wenn das Ergebnis über den eigentlichen Arbeitsauftrag hinausgehen.

Nutzen Sie Gelegenheiten zum persönlichen Gespräch jenseits der Arbeitsebene. Auch hier sollten Sie mit positiven Rückmeldungen nicht geizen. Zeigen Sie Anerkennung und Wertschätzung auch bei Themen wie Kleidung oder Familie.

Gleiches gilt für Ihre Klienten. Geben Sie auch hier immer wieder positive Rückmeldungen. Diese können dann auch ein guter Punkt sein, von dem sich die gemeinsame Arbeit weiterentwickelt.

Gerade bei positiven Rückmeldungen ist es wichtig, dass Sie diese ehrlich meinen. Aufgesetzte Aussagen wirken genauso, aufgesetzt. Wenn Ihnen nichts einfällt, was sie lobend erwähnen können, schauen Sie sich in Ruhe nochmal um. Sollte Ihnen noch immer nichts Positives auffallen, lassen Sie es lieber.

Hier geht es weiter.

Weiterlesen

Neuropsychotherapie – Klaus Grawe

Hier kommen Sie zur Übersicht Teamarbeit.
 

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