5 Sinne, die Brücke zum Gegenüber sehen

5 Sinne, die Brücke zum Gegenüber

Unsere 5 Sinne sind das Tor zur Welt. Über sie nehmen wir die Umgebung wahr. Sie sind aber noch weitaus mehr. Sie spiegeln sich in der Sprache. Vor allem in den Verben, die wir gebrauchen. Aus diesem Grund ist es hilfreich, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Währen ich Sie im letzten Artikel gebeten habe, auf den Verlust von Rapport zu achten, geht es diesmal darum ihn aufzubauen. Die 5 Sinne spielen eine wichtige Rolle, um in einen guten Kontakt zu gelangen. Bevor ich jedoch genauer darauf eingehe, möchte ich Ihnen einen kleinen Test vorschlagen.

Ein kleiner Test

Ich möchte, dass Sie sich kurz die Zeit nehmen, um sich folgende Szenen vorzustellen. Dann beantworten Sie die Frage bitte ganz spontan.

Stellen Sie sich bitte vor, dass Sie in sich in einer großen Werkhalle befinden. Plötzlich bricht in einer Ecke ein Feuer aus. Was tun Sie?

Überlegen Sie bitte kurz, wieviel Türen Ihre Wohnung beziehungsweise Ihr Haus hat. Wie zählen Sie diese?

Unsere 5 Sinne hören

Unsere 5 Sinne

Da ich im Folgenden die Fachbegriffe gebrauchen werde, möchte ich Sie Ihnen hier kurz zusammenfassen. Unsere 5 Sinne sind: sehen – visuell; hören – auditiv; fühlen – kinästhetisch; riechen – olfaktorisch; schmecken – gustatorisch

Ist doch klar, was ich tue

Wir Menschen meinen, dass Andere die Welt genauso wahrnehmen wie wir. Glauben Sie mir, das trifft äußerst selten zu! Die Übung mit dem Feuer führe ich öfters in Trainings durch. Alle sind der Meinung, dass es doch ganz klar ist, was man in einer solchen Situation unternimmt.

Ein eher visuell geprägter Mensch wird nach einem Ausgang oder dem Feuerlöscher suchen. Menschen, die stärker auditiv geprägt sind, rufen wahrscheinlich zuerst „Feuer“ oder suchen nach einem Alarmknopf. Beide sind jedoch oftmals der irrigen Ansicht, dass man genauso und nicht anders vorgeht.

Der „Test“ spiegelt eine Extremsituation wieder. Gerade solche Extremsituationen fördern, dass wir in unsere üblichen Schemata gehen. Sicherlich gibt es in Ihrer Arbeit von Zeit zu Zeit extrem aufreibende Situationen. Hoffentlich kein Feuer. Es wird für Sie von Vorteil sein, wenn sie mit den Beteiligten auf gleicher Ebene kommunizieren können. Darauf gehe ich gleich näher ein. Doch zurück zum Test.

5 Sinne dominieren unsere Weltsicht

Wenn Sie bei den Türen Ihrer Wohnung in einer Art Blitzdurchlauf an ihnen „vorbeigeflogen“ sind, haben Sie Ihren visuellen Sinn benutzt. Menschen, die das Schließgeräusch der Tür wahrnehmen, nutzten auditiven Sinn. Kinästhetisch orientierte Menschen erinnerten sich beispielsweise an die Unterschiedlichkeit der Türgriffe.

Wie in der Situation des „Feuers“ gibt es kein richtig und kein falsch. Es gibt unterschiedliche Wahrnehmungen der Wirklichkeit, aus dem wir unsere Landkarten formen. Nach diesen Landkarten handeln und kommunizieren wir. Wenn es Ihnen gelingt, sich auf die Kommunikation Ihres Gegenübers einzulassen, wird sich ein Rapport einfacher einstellen.

Wie in allen anderen Bereichen der Kommunikation ist es hilfreich, wenn Sie Ihre eigenen Vorlieben kennen. Der kleine Test, den Sie eben hoffentlich kurz durchgeführt haben, gibt Ihnen einen ersten Ansatz.

Da es sich um zwei kurze Abschnitte handelt, würde ich Ihnen empfehlen, einfach mal auf Ihre Gespräche und Gedanken zu achten. Aus welchem der 5 Sinne entspringen die meisten Wörter, die Sie verwenden? Um Ihnen diese Übung zu erleichtern, schauen wir uns die 5 Sinne nun genauer an.

Unsere 5 Sinne fühlen

Die 5 Sinne im Einzelnen

Ich möchte Ihnen jetzt die 5 Sinne und mit ihnen zusammenhängende Verben und Redewendungen näher vorstellen. Beachten Sie dabei, das Sie wahrscheinlich Vokabeln aus allen Bereichen verwenden. Bei den meisten Menschen werden jedoch ein bis zwei der 5 Sinne bevorzugt genutzt.

Ziel dieser Aufzählung ist es, dass Sie zum einen Ihre eigenen Vorlieben erkennen. Anschließend achten Sie bitte bei anderen auf deren Präferenzen. Im dritten Schritt versuchen Sie mehr in dem Sinneskanal zu kommunizieren, in dem Ihr Gegenüber sich befindet.

Visuell

Vielleicht sind Ihnen die folgenden Redewendungen bereits bekannt. Ich möchte Sie einladen, sie unter einem neuen Blickwinkel zu betrachten:

Die Sache ist doch klar. Die Zusammenhänge kann man deutlich erkennen. Ich möchte mir einen Überblick verschaffen.

Weitere Verben aus dem visuellen Bereich: transparent, erleuchten, kurzsichtig, bildhübsch, zeigen, einsehen, vorstellen ….

Auditiv

Auch hier erst mal ein paar Redewendungen:

An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich betonen …. Ich bin ganz Ohr. Das kennen Sie doch nur vom Hörensagen. Na der stellt sich aber taub.

Weitere Verben: Harmonie, Unterton, gehört werden, anklingen, lauschen, schweigen ….

Kinästhetisch

Redewendungen: Dem Kollegen unter die Arme greifen. Den Chef wie ein rohes Ei behandeln. Die Situation stellt alles auf den Kopf.

Weitere Verben: berühren, festhalten, einfühlsam, begreifen, hart, Dabeisein ….

Unsere 5 Sinne riechen

Olfaktorisch und Gustatorisch

Diese beiden Sinne sind in unserer Gesellschaft meist recht unterentwickelt. Sie spielen in der Kommunikation eher selten eine Rolle. Dennoch benutzen wir natürlich Redewendungen aus diesen Bereichen.

Redewendungen: Der hat einen guten Geschmack. Ich habe die Nase endgültig voll. Den Braten habe ich gleich gerochen. Der musste eine bittere Pille schlucken. 

Weitere Verben: würzig, stinkt, köstlich, genießen, schal, duftig ….

Nutzen für die Praxis

Achten Sie darauf, welche der 5 Sinne Sie bevorzugt nutzen. Aus welchem Bereich stammen die meisten Verben, die Sie gebrauchen? Wenn Sie Ihre Vorlieben erkannt haben, achten Sie bei anderen Menschen darauf. Hierzu eigenen sich Talkshows im Fernsehen herausragend.

Wenn Sie Ihre Kommunikation nachhaltig verbessern und ausbauen möchten, suchen Sie nach alternativen Formulierungen. Sagten oder dachten Sie vielleicht: „Die Sache liegt doch auf der Hand“ (kinästhetisch) Suchen sie nach Vergleichen in einem anderen Sinn: „Es ist klar, wie die Sache verlaufen sollte.“ (visuell) oder „Klingt so, als würde die Sache funktionieren.“ (auditiv)

Versuchen Sie in Gesprächen zunehmend im Sinneskanal ihres Gegenübers zu kommunizieren.

Unsere 5 Sinne schmecken

Zusatz Blickkontakt

Viele Menschen finden es regelrecht verletzend, wenn ihr Gesprächspartner keinen Blickkontakt hält oder ihm sogar ausweicht. Die Vorstellung eines Blickkontaktes ist jedoch etwas gesellschaftlich Antrainiertes.

Gerade, wenn es um tiefgreifende Gespräche geht, werden stärker auditiv oder kinästhetisch veranlagte Menschen ihn nicht aufrechterhalten können. Das ist nicht böse gemeint und hat schon gar nichts mit Missachtung zu tun. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Auditiv orientierte Menschen werden leicht an Ihnen vorbeischauen. Somit ist ihr Ohr genau in Ihre Richtung gewandt. Das tun Sie, um Ihnen die volle Aufmerksamkeit schenken zu können. Sie wollen kein Wort verpassen, das Ihrem Mund entfährt.

Bei kinästhetisch orientierten Menschen kann es so wirken, als würde sie durch Sie hindurchschauen. Oder sie schauen nach unten. Ihnen geht es darum, das Gehörte mit ihren Gefühlen übereinzubringen. Bei Kindern treffen Sie dieses Vorgehen übrigens sehr häufig an.

Hier geht es zur Methodenübersicht.

 

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