Das haben wir immer schon so gemacht! - Generalisierung

Das haben wir immer schon so gemacht!

„Das haben wir immer schon so gemacht!“ und „Das haben wir noch nie gemacht!“ sind sehr gute Beispiele für das Thema Generalisierung. Genau um dieses Thema soll es nun gehen. Sollten Sie meine Artikel zum Einstieg in das Meta-Modell und zur Struktur der Sprache noch nicht gelesen haben, würde ich Ihnen empfehlen, es jetzt zu tun.

Das Meta-Modell verfolgt hauptsächlich vier Ziele. Es geht darum, Informationen zu sammeln und Bedeutungen zu klären. Beispielsweise hat der Begriff „Herausforderung“ für Sie sicherlich eine andere Bedeutung, als für mich. Es unterstützt Sie weiterhin, selbstauferlegte Einschränkungen bei Ihren Mitarbeitern und Kunden zu erkennen. Letztendlich hilft es Ihnen, Ihren Mitarbeiter und Ihren Kunden Wahlmöglichkeiten zu schaffen.

Fach- und Fremdwörter

Ich werde in diesem Artikel und in den darauf Folgenden, Fachbegriffe verwenden. Die Begrifflichkeiten können Sie gerne überlesen. Sie dienen ausschließlich als Hintergrundinformation. Mir sind die Fragen, die sich aus der Generalisierung ergeben wichtiger.

Generalisierungen sind wichtig

Generalisierung ist wichtig

In Ihrem alltäglichen Leben hat Generalisierung eine wichtige Aufgabe. Wenn Sie nicht generalisieren würden, wäre das viel zu zeitaufwendig. Sie müssten verschiedene, alltäglich Abläufe ständig hinterfragen und auf mögliche Ausnahmen hin überprüfen.

So würden Sie beispielsweise vor jeder Tür stehen bleiben, um zu überlegen, ob sich diese Tür genauso öffnen lässt wie andere Türen. Auf der Arbeit würde die Neuaufnahme von Klienten sehr zweitaufwendig werden, da Sie die geltenden Prozesse jedes Mal hinterfragen würden.

Ausnahmen bestätigen die Regel

„Das haben wir immer schon so gemacht.“, kann durchaus sinnvoll sein. Unter Umständen gibt es Vorgaben von innerhalb oder außerhalb des Systems geben, die das Vorgehen so vorschreiben.

Auch hier gilt es, wie bei allen Fragen, die von einem Interesse Ihrerseits ausgehen, wertfrei zu bleiben.

Durch das Hinterfragen einer Generalisierung steigt bei Ihnen und Ihren Mitarbeitern, beziehungsweise Klienten, die Bereitschaft Ausnahmen zuzulassen. Das führt wiederum dazu, realistischer sein und arbeiten zu können.

Bevor Sie mit den Fragen beginnen

Wenn Sie durch Fragen Informationen erhalten wollen, können diese als aufdringlich empfunden werden. In unserer Gesellschaft werden Aussagen oftmals nur in Auseinandersetzungen hinterfragt. Daher kann ein gezieltes Nachfragen eine Erinnerung an Konfliktsituationen auslösen. Um dieses zu vermeiden, sollten Sie Ihr Interesse deutlich zur Sprache bringen.

  • „Ich möchte Ihnen gerne ein paar Fragen stellen, um die Situation besser zu verstehen.“
  • „Ich würde gerne wissen …“
  • „Ich bin neugierig …“
  • „Ich habe nicht genau verstanden, meinen Sie …“

Generalisierungen - Männer sind Schweine

Formen der Generalisierung

Universalquantoren

Wörter wie „alle“, „keine“, „jeder“, „immer“, „nie“ sind Anzeichen für die sogenannten Universalquantoren. Sie können explizit vorkommen oder sich in der Oberflächenstruktur verstecken.

Beispiele: „Männer sind Schweine“, oder „Krankenschwestern, Erzieher, Sozialarbeiterinnen … haben einen Helferkomplex.“ In solchen Sätzen wird das Wort „alle“ nicht direkt benannt, kann jedoch bei gleichem Sinn eingesetzt werden. Gerade solche Sätze sind gefährlich. Sie haben das Potential zu „Selbsterfüllenden Prophezeiung“ zu werden.

Reaktionen und Fragen

  • Wiederholen Sie den Universalquantor als Frage: „Alle Männer?“; „Alle Sozialpädagogen?“
  • Übertreiben Sie: „Sie sagen, dass jeder einzelne Mann, dem Sie jemals in Ihrem Leben begegnet sind, ein absolut vollkommenes und totales Schwein war?“
  • Gegenbeispiel: „Haben Sie jemals eine Altenpflegerin getroffen, die keinen Helferkomplex hatte?“ oder „Können Sie sich an ein Beispiel erinnern, in dem ein Sozialpädagoge, den Sie kannten, keinen Helferkomplex hatte?“
  • „Welcher Mann genau, hat sich wie ein Schwein verhalten?“ Oft ergibt sich eine Aussage vor dem Hintergrund eines konkreten Erlebnisses. Durch diese Frage stellen Sie die konkrete Situation schon ein wenig als Ausnahme dar.

Modaloperatoren der Möglichkeit

In unserer Gesellschaft und auf der Arbeit gibt es Verhaltensregeln, von denen wir glauben, sie nicht überschreiten zu dürfen. Ich spreche hier nicht von gelten Regeln und Gesetzen. Aussagen wie „Ich darf nicht“ oder „Ich kann nicht“ setzen Grenzen. Sie orientieren sich dabei oft an unausgesprochenen Regeln. Zeitweise sogar an unausgesprochenen, vermuteten Regeln.

Auf der einen Seite gibt es Naturgesetzte und geltende Ordnungen, welche Grenzen setzen. Auf der anderen Seite gibt es auch Grenzen, die durch die Glaubenssätze eine Person gesetzt werden. Die Modaloperatoren der Möglichkeit, als Generalisierung, zeigen diese oftmals auf.

„Ich kann nicht …“ versetzt die aussagende Person zeitweise in einen Zustand der Inkompetenz. Versänderung scheint unmöglich. Daher ist die Person zu im Moment der Aussage Veränderungsmöglichkeiten oft nicht zugänglich.

Der Gestalttherapeut Fitz Perls sagte zu seinen Klienten: „Sagen Sie nicht, ich kann nicht; Sagen Sie ich will nicht.“ Auch von meinen Eltern hörte ich oft: „Ich kann nicht, heißt ich will nicht.“ Das ist schon ziemlich hart, auch wenn es oftmals stimmt. Dieses Vorgehen kann den Kontakt zu Ihrem Gegenüber deutlich verschlechtern. Daher zeige ich Ihnen gleich ein anderes auf.

Modaloperatoren der Notwendigkeit

Die Modaloperatoren der Notwendigkeit beziehen sich meist auf Bedürfnisse. Sie sind erkennbar an Wörtern wie „sollte“, „muss“ oder „darf nicht“. Hier geht es ebenso um die Konsequenzen. Ob diese real oder nur in den Vorstellungen der aussagenden Person vorhanden sind, spielt hierbei keine Rolle.

Es geht also darum, die Gründe hinter der Aussage zu hinterfragen. „Was würde passieren, wenn Sie es täten /nicht täten?“ Sobald die Vorannahmen hinter der Aussage ausgesprochen sind, fällt es den Personen oft einfacher, diese realistisch zu überprüfen. Da Modaloperatoren Grenzen beinhalten, führt ein Hinterfragen der Aussagen auch zur Erweiterung der Wahlmöglichkeiten.

Generalisierungen und sollte

„Sollte“ und „Sollte nicht“ erscheinen oft als moralische Wertungen. „Solange wie Sie schon bei uns sind, sollten Sie das Vorgehen beherrschen.

Sobald es um Fähigkeiten geht, ist es für alle Seiten gewinnbringender über diese zu sprechen. Was kann eine Person und was kann Sie noch nicht. Was eine Person können sollte, ist immer eine Interpretation. Darüber hinaus wirkt ein „sollte“ schnell als Tadel.

Modaloperatoren Übersicht

Möglichkeit: „können“, „nicht können“, „dürfen“, „nicht dürfen“, „möglich“, „unmöglich“ etc.

Notwendigkeit: „müssen“, „muss“, „sollte“, „sollte nicht“, „erforderlich“, „notwendig“ etc.

Reaktionen und Fragen

  • „Was würde passieren, wenn Sie es könnten?“ Durch diese Frage neigt die Person dazu, gedanklich in zukünftige Möglichkeiten zu gehen.
  • „Wie würde es sein, wenn Sie könnten?“ Diese Frage führt in einen zukünftigen Zustand.
  • „Was hindert Sie?“ Führt den Blick auf die vergangenen und gegenwärtigen Hindernisse. Hierdurch können diese gezielt angegangen werden.

Hier finden Sie die Übersicht zu den Methoden.

 

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