Diagnostik und Probleme lösen

Diagnostik und Probleme lösen

Die neurologischen Ebenen sind für mich so etwas wie die Eierlegenendewollmilchsau. Ob Probleme lösen, Diagnostik oder Planung. Bei mir fängt der Weg meist mit den Ebenen an. Deswegen möchte ich Ihnen im Artikel zwei Anwendungsmöglichkeiten aufzeigen. Auf das Thema Planung und Mitarbeitergespräch werde ich im nächsten Artikel eingehen.

Leider kann ich in diesem Artikel die Möglichkeiten nur anreißen. Ich hoffe, Sie inspirieren zu können, Ihre eigenen Themen mit den Ebenen anzugehen. Da ich hier nicht mehr konkret auf die neurologischen Ebenen sollten Sie den vorhergehenden Artikel kennen.

Probleme lösen - Diagnostik

Diagnostik

Wenn Sie Probleme lösen möchten, ist es sinnvoll einen möglichst guten Ansatzpunkt zu finden. Je klarer Ihnen ist, auf welcher Ebene das Problem liegt, umso zielgenauer können Sie es angehen. Ich möchte Ihnen ein Beispiel aus der Jugendhilfe aufzeigen.

Ein Jugendlicher geht schon längere Zeit unregelmäßig zur Schule.

Umgebung

Ist ihm klar, wann er wo sein muss? Gibt es Punkte in den Rahmenbedingungen der Schule, mit denen er nicht klarkommt? Gibt es Probleme in der Gruppe der Schüler oder aus der Gruppe der Lehrer? (Beispielsweise, die Kleidung betreffend) …

Verhaltensebene

Wird er morgens wach beziehungsweise geweckt? Hat er genug Schlaf? Kann er mit anderen Menschen grundsätzlich umgehen? Ist er körperlich in der Lage den Weg zur Schule zurückzulegen? Kann er sitzen? Kann er zuhören? Kann er sich einbringen? …

Fähigkeiten

Findet er den Weg zur Schule? Ist er über- oder unterfordert? Hat er die Grundlagen von Schrift und Mathematik erfahren? Kann er sich selbst, im vorgegebenen Rahmen, organisieren? …

Überzeugungen/Werte 

Welche Überzeugungen hat der Jugendliche über sich und über die Schule? Welche Werte sind ihm grundsätzlich wichtig? Schließen sich die persönlichen Werte und die der Schule gegenseitig aus? Werden seine Werte in der Schule geachtet? Achtet er die Werte anderer?

Identität

Welche Identität gibt sich der Jugendliche? Beispielsweise „Ich bin dumm.“ … ,dann macht ein Schulbesuch, auch nicht wirklich sinn. Oder „Ich bin ein Rebell.“ Mit der Schulverweigerung zeige ich meine Rebellion. …

Zugehörigkeit

Welcher Gruppe gehört der Jugendliche an? Welcher möchte er angehören? Zu welcher Gruppe möchte der Jugendliche in keinem Fall gehören? …

Manchmal haben Sie aus den Gesprächen mit den Klienten oder Mitarbeitern bereits ein Gefühl, auf welcher Ebene das Problem liegt. Ein andermal werden Sie die Problemebene in einem Gespräch gemeinsam herausarbeiten. Ein paar passende Fragen dazu stelle ich Ihnen weiter unten vor.

Probleme lösen

Probleme lösen

Zeitweise lassen sich die Probleme lösen, indem sie auf der Problemebene bleiben. Nach meiner persönlichen Erfahrung ist es oftmals hilfreich, die Ebene zu wechseln, wenn Sie Probleme lösen wollen. Auch hierzu ein Beispiel.

Ein Mann nimmt seine Medikamente nicht.

Umgebung

Ist es klar wann, wo und wieviel Medikamente er einnehmen muss? Wenn nicht muss dieses auf der Ebene nochmals geklärt werden. Hier kann es auch Sinn machen, auf die Verhaltens- oder die Fähigkeitenebene zu gehen.

Manche Menschen geben nicht gerne zu, dass sie das „Wie“ nicht kennen. Wie müssen die Mediante eingenommen werden? Mit Wasser, zerkaut, gespritzt … Auf der Ebene der Fähigkeiten könnte eine Unterstützung hilfreich sein. Zu der Ebene der Fähigkeiten gehören auch die Ressourcen. Welche Ressourcen braucht der Mann um seine Medikamente einnehmen zu können?

Ich musste vor ein paar Wochen Antibiotika nehmen. Ungefähr alle acht Stunden sollte ich eine Tablette zu mir nehmen. Hätte ich die Weckfunktion an meinem Handy nicht genutzt, wären die Tabletten in Vergessenheit geraten.

Verhalten

Der Mann kann die Tabletten nicht selbstständig einnehmen. Auf dieser Ebene könnte mit einer personellen Unterstützung, eine Pflegerin hilft, gearbeitet werden. Vorher würde ich empfehlen sowohl die Umgebungs- als auch die Fähigkeitenebene nochmals abzuklopfen. Die Klarheit, wann, wo und wieviel Medikamente eingenommen werden müssen. Ein Medikamentendöschen könnte bereits Abhilfe schaffen.

Fähigkeiten

Der Mann kann sich die Midikamente nicht selber geben. Hier können Organisation von Raum und Zeit unterstützend sein. Fähigkeiten können über ein gezieltes Verhaltenstraining angeeignet werden. Beispielsweise bei Diabetes: Sich selber eine Spritze geben zu können.

Überzeugungen/Werte 

Der Mann ist der Überzeugung, dass er keine Medikamente braucht, oder dass sie ihm nicht halfen. Seine Gesundheit ist ihm nicht wichtig. In diesem Bereich können Gespräche auf der Ebene der Identität oder der Zugehörigkeit zielführend sein. Ein Aufzeigen, dass die Medikamente seine Rolle als Vater, Opa, Onkel … stärken. Den Zusammenhang mit seiner Familie oder anderen Zugehörigkeit darstellen.

Identität

Ich bin dumm, zu dumm um Medikamente einzunehmen. Ich bin es nicht wert weiterzuleben. Diesmal kann wiederum ein Sprung auf die Ebene der Fähigkeiten unterstützen. Er hat in seinem Leben bestimmt etwas gelernt, sonst würde er nicht mehr leben. Die Zugehörigkeit kann ebenfalls ein recht guter Einstieg sein und das Problem lösen.

Zugehörigkeit

Das ist sicherlich die schwierigste Ebene, wenn Sie Probleme lösen möchten. Eine fehlende oder „falsche“ Zugehörigkeit hat enorme Auswirkungen. Nach meiner Erfahrung ist es hilfreich, von unten „Umgebung“ nach oben „Identität“ alle Ebenen behutsam durchzugehen.

Fragen zu den Ebenen

Umwelt 

An welchem Ort, zu welcher Zeit befinden Sie sich? Welche Auswirkungen hat das? Welchen Einfluss haben die Bedingungen des Ortes, der Ort selber und die Zeit auf Sie?

Verhalten

Was wird konkret getan? Welches Verhalten ist von außen erkennbar? Gibt es einen Unterschied zwischen dem gewünschten Verhalten und dem nach außen sichtbaren?

Fähigkeiten

Welche Fähigkeiten hat der Einzelne? Welche Fähigkeiten besitzt das Team? Gibt es Fähigkeiten, die bisher ungenutzt sind? Wie könnten sie nutzbar gemacht werden? Wo liegen unsere Stärken, wo unsere Schwächen? Gilt es etwas zu lernen? Wie können wir etwas Bestimmtes am besten machen?

Überzeugungen/Werte 

Was wird über die Welt und ihre Spielregeln gedacht? Was denkt die betreffende Person über sich selber? Warum wird etwas auf eine bestimmte Art erledigt? Was sollte man tun, was muss man tun und was sollte man nicht tun? Wie muss man denken, um so zu handeln? Was ist wichtig? Wie wird das, was wichtig ist kommuniziert? Was, von dem was wichtig ist wird gelebt? Was „steht nur auf dem Papier“?

Identität

Wer bin ich? Welches Bild haben die Personen von sich selber? Was sage ich über mich selber? Wie wird eine Person gesehen? Wie glaubt die Person, gesehen zu werden? Wer möchte die Person sein?

Zugehörigkeit

Mit wem bilde ich eine Gemeinschaft? Wer gehört dazu? Wer bleibt außen vor? Wo gehöre ich hin? Zu welchem Kreis möchte ich gehören? Zu welchem nicht?

Weiterlesen

Change, Raum für Veränderung – M. Schmidt-Tanger

NLP das WorkBook – J. O´Connor

Hier geht es zur Methodenübersicht.

 

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