Die Arbeit beenden

Die Arbeit beenden

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Eine Geschichte

Aus meiner Ausbildung zum Gestalttherapeuten ist mir eine Geschichte lebhaft in Erinnerung geblieben. Diese möchte ich Ihnen jetzt kurz erzählen:

Ein Psychiater hatte im gleichen Haus seine Wohnung und seine Praxis. Die Wohnung lag im dritten Stock und seine Praxis im Ersten. Seine Frau war gleichzeitig seine Sekretärin.

Jeden Morgen in der Woche gab er seiner Frau einen Abschiedskuss, nahm Mantel, Hut und verließ die Wohnung. Danach schlenderte er einmal um den Block. In der Praxis angekommen begrüßte er seine Sekretärin mit Nachnahmen und Handschlag.

Abends, nach getaner Arbeit, verabschiedete er sich, wiederum mit Handschlag und Nachnahmen von seiner Sekretären. Ging um den Block in seine Wohnung. Dort zog er den Mantel aus, hängte den Hut an den Haken und gab seiner Frau einen Wilkommenskuss.

Das ist eine Geschichte, die Ihnen im ersten Moment vielleicht sonderbar vorkommt. Aus meiner Sicht hat der Psychiater für sich jedoch einen Weg gefunden, Arbeit und Privatleben zu trennen. Er konnte somit seine Arbeit beenden. Dieser Psychiater hat sein Vorgehen sogar ritualisiert. Nichts unterstützt uns besser als positive Rituale. Und wie ist das bei Ihnen? Wie gut können Sie die Arbeit beenden und ihre Freizeit genießen? Welche Rituale haben Sie um den Arbeitsalltag abzuschließen?

Arbeit beenden durch Rituale

Rituale helfen

Unser Gehirn ist sehr faul. Wenn es sich einmal an etwas gewöhnt hat, behält es das Bekannte bei. Das ist zwar nicht immer schön, wir können es allerdings für uns nutzen. Wenn wir unsere Übergänge zwischen Arbeit, Freizeit und wieder Arbeit ritualisieren, können wir sie besser trennen. Nichts ist für Sie und Ihre Beziehungen anstrengender, als in Gedanken immer wieder bei der Arbeit zu sein. Die Arbeit beenden ist nicht nur entlastend für Sie, sondern auch für Ihre Umgebung.

Wenn es Ihnen gelingt, für sich gute Übergänge zu finden, werden Sie mehr Entspannung erfahren. Sie werden gelassener und energiereicher auf der Arbeit erscheinen. Schwirigkeiten werfen sie nicht mehr so schnell aus der Bahn. In Ihrer Freizeit werden ihre Freunde, Partner und die Familie Sie präsenter erleben.

Einfach die Arbeit beenden

Wenn es doch nur so leicht wäre! In der sozialen Arbeit sind wir oft mit menschlichen Schicksalen konfrontiert. Mit manchen können wir umgehen, andere begleiten uns.

Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ich in einigen Situationen fassungslos und tief erschüttert war. Solche Situationen haben mich verfolgt. Leider auch nach der Arbeit. Die gut gemeinten Ratschläge von Kollegen: „Du darfst das nicht so nah an dich heranlassen“ oder „Daran wirst du dich gewöhnen“, empfand ich wenig hilfreich. Abstumpfen wollte ich nicht, abschließen, bis zum nächsten Arbeitstag, schon.

Hinzu kommen die vielen Aufgaben, die uns in unserer Arbeit begleiten. Rücksprachen mit den Kollegen und Vorgesetzten, Kassenbuch, Dokumentation, Aufnahmebögen …. Meist sind es so viele Aufgaben, dass wir am Ende eines Arbeitstages noch genügend offen Punkte auf unserer Liste haben.

Auch diese offen Punkte nehmen wir in unsere Freizeit mit. In der Psychologie ist dieser Vorgang unter dem Begriff Zeigarnik-Effekt bekannt. Unser Gehirn ist so strukturiert, dass es uns immer wieder an „noch zu erledigendes“ erinnert. Das mit Vorliebe dann, wenn wir zur Ruhe kommen.

Doch nun ein paar Ideen, wie Sie Ihre Arbeit beenden und die Freizeit mehr genießen können.

Arbeit beenden durch schreiben

Das Notizbuch

Die Arbeit beenden, bedeutet einen Abschluss zu finden. Ich empfehle Ihnen, sich am Ende ihres Arbeitstages fünfzehn Minuten Zeit zu nehmen, um diesen abzuschließen. Überlegen Sie noch einmal kurz, welche wichtigen Ereignisse dieser Tag gebracht hat und schreiben sie diese auf.

Ich weiß, dass die Meisten von Ihnen Tagesberichte schreiben müssen. Und jetzt wieder schreiben? Ja! Machen sie die Notizen für sich und nicht für Außenstehende. Für Sie kann etwas Bedeutung gehabt haben, was in Tagesberichten nicht auftaucht.

Ich würde Ihnen raten, handschriftlich zu arbeiten. Es gibt viele Studien, welche die motorische Leistung beim Schreiben und die positive Auswirkung auf unsere Gedanken darlegen. Handschriftliches Arbeiten ist direkter.

Wenn Sie diese Empfehlung umsetzen möchten, holen Sie sich ein Buch und einen Stift. Achten Sie darauf, dass Sie beides gerne in die Hand nehmen. Das wird Ihnen den Vorgang erleichtern.

Danach machen sich noch kurz Notizen, welche offen Punkte es am nächsten Arbeitstag zu erledigen gibt. Hiermit umgehen Sie den oben genannten Zeigarnik-Effekt ein wenig. Da Sie sich die offenen Punkte aufgeschrieben haben, kann unser Gehirn davon ausgehen, dass Sie diese nicht vergessen.

Von der Seele schreiben

Da wir jetzt schon beim Schreiben sind, noch ein wenig weiter. Ich habe viele Kollegen erlebt, denen es hilft, sie gerade schwierige Situationen von der Seele zu schreiben. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass es nicht meine Methode ist. Probieren Sie sie bitte trotzdem für sich aus.

Hier können sie auch kreativ sein. Je kreativer Sie Arbeiten umso besser. Schreiben sie ein Gedicht, komponieren Sie ein Lied zu der Situation. Malen Sie ein Bild. Gestalten Sie eine Mind-Map …. Die einzige Grenze, die Sie setzen, ist Ihre Eigene.

Arbeit beenden durch Kontakt

Kontakt mit anderen

Die Arbeit beenden, kann durch den Austausch, des Erlebten, mit anderen gut gelingen. Beachten Sie hierbei bitte den Datenschutz um sich nicht ungewollt in eine schwierige Situation zu begeben. Begrenzen Sie bitte die Zeit und treffen hierzu eine klare Absprache.

Ich habe mich mit vier Kollegen zusammengetan. Wir haben das Zeitfenster auf 20 Minuten begrenzt. Wenn einer von uns Gesprächsbedarf hat, kann er jemanden aus der Gruppe anrufen und sich entlasten. Bei vier Personen ist eigentlich immer einer zu erreichen.

Wenn die Arbeit beenden schwierig wird

Setzen Sie Unterbrecher! Gerade, wenn Sie etwas persönlich mitgenommen hat, machen Sie etwas ganz Anderes, bevor Sie in den privaten Bereich wechseln.

Treiben Sie Sport. Gehen Sie spazieren oder sogar schwimmen. Mir hilft oft auch eine Dusche. Ich würde hier jedoch eine körperliche Betätigung immer vorziehen. Körperliche Bewegung baut Stresshormone ab.

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Berufsbekleidung

Eine Freundin von mir ist Bankkauffrau. Für sie ist es ganz natürlich sich nach der Arbeit umzuziehen, bevor sie sich privat mit jemand trifft. Das möchte ich Ihnen an dieser Stelle auch vorschlagen. Wenn Sie Ihre Arbeit beenden, wechseln Sie die Kleidung! Unterscheiden Sie zwischen Berufsbekleidung und der Kleidung im privaten Bereich.

Bei mir persönlich gab es einen schleichenden Wechsel. Wenn ich mir neue Sachen gekauft habe waren diese ausschließlich für den privaten Bereich gedacht. Wenn ich mir dann wieder etwas kaufte wanderten die „alten“ Sachen entsprechen in den beruflichen Bereich. Aus dem beruflichen Bereich wurde dann entsorgt. Die einzige Ausnahme bilden hier Jacken und Schuhe. Beide blieben in ihrem jeweiligen Bereich.

Manchmal ist ein Kleidungswechsel nicht möglich. Dann verändern Sie etwas. Eine zweite Jacke oder ein Paar andere Schuhe können Sie sicherlich irgendwo unterbringen. Ein Parfüm kann hier auch gute  Dienste leisten. Wichtig ist, dass Sie einen Unterschied machen.

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Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen zukünftig ein besserer Übergang zwischen den Bereichen Arbeit und Freizeit gelingt.

Für Fragen und Anregungen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
 

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