Die innere Stimme und die Freiheit in der Arbeit

Um was geht es?

In diesem Artikel soll es um Ihre Motivation gehen. Mir erscheint ein Blick auf Sie selbst und das „hören“ auf ihre innere Stimme besonders gewinnbringend.

Arbeit mit und für Menschen soll Spaß machen. Damit die Arbeit Freude bereitet, braucht Sie Raum zur freien Gestaltung. Des Öfteren haben wir den Eindruck, dass wir keinen Gestaltungsspielraum besitzen, da die Forderungen, die von außen an uns herangetragen werden, umfangreich sind. Ich glaube jedoch, dass wir alle und damit auch Sie viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten haben, als uns bewusst ist.

Ich bin auch der Meinung, dass Menschen, die frei und selbstbestimmt Arbeiten, bessere Arbeit leisten, als solche, die sich selbst oder durch äußere Einflüsse in ein Korsett zwängen. Daher erachte ich die beiden Artikel zu diesem Thema als wesentlich.

Während es in diesem Artikel um meine grundlegenden Gedanken zum Thema „Freiheitliches Arbeiten“ geht, wird es im nächsten Artikel um die praktische Umsetzung gehen.

Was ist die innere stimme

Was ist die innere Stimme?

Keine bange, es wird nicht esoterisch. Die innere Stimme ist für mich, in diesem Zusammenhang, ein Synonym für Ihr Bewusstsein über sich selbst. In der sozialen Arbeit gibt es so viele Stimmen und Forderungen von außen, dass wir unsere innere Stimme oft überhören und uns aus dem Blick verlieren.

Eigentlich müssten Sie sich Zeit für Ihre Klienten nehmen, bald steht aber eine Qualitätsüberprüfung an und Sie gehen an die Akten. Die Station ist unterbesetzt, die Klienten müssen versorgt werden also wieder eine Nachtschicht mehr. Das sind nur ein paar Situationen, die jeder, so oder so ähnlich, in der sozialen Arbeit kennt.

Wenn Sie immer wieder in diesem Trubel stecken und sich selbst vergessen, wird Ihre Motivation auf Dauer nachlassen. Das wäre schade, denn Sie haben sich nicht nur einen sehr faszinierenden Beruf ausgesucht, sondern einen äußerst relevanten. Daher möchte ich Sie ein wenig anregen, mehr auf Ihre innere Stimme zu hören. Ihre innere Stimme kann Ihnen eine Art Rettungsring sein, die Sie selbst im schlimmsten Sturm über Wasser hält.

Frei und selbstbestimmt arbeiten

Selbstbestimmt zu arbeiten heißt nicht, frei von Verantwortung zu sein. Vielmehr geht es darum, auch und gerade in Ihrer Arbeit die eigene Verantwortung zu erkennen und diese bewusst zu übernehmen. Dafür ist es erforderlich, dass die Arbeit mit Ihren Wertvorstellungen und Wünschen (Anliegen) harmoniert.

Sind Sie sich darüber bewusst, was ihre Wünsche an Ihre Arbeit sind? Welche Wertvorstellungen haben Sie in Bezug auf Ihre Arbeit? Wie sollte ihre Arbeit inhaltlich aussehen, wie auf der Handlungsebene? Welche grundsätzlichen Werte sind für Ihre Arbeit von Bedeutung?

Von Zeit zu Zeit sollten Sie sich über die Antworten zu diesen Fragen Gedanken machen. Spätestens, wenn ihre Motivation nachlässt, werden sie keine gute Arbeit mehr leisten können. Das fände ich persönlich schade für Sie, denn, wie gesagt, ich halte die Arbeit mit Menschen für einen wunderbaren Beruf.

innere Stimmme zwischen Anpassung und Freiheit

Der Spagat zwischen Freiheit und Anpassung

Kinder sind in diesem Zusammenhang ein guter Spiegel. Wer von uns hat das noch nicht gehört: „Ich kann das schon ganz alleine!“ (Schuhe anziehen, Jacke zumachen, das Brötchen schmieren …) oder „Ich will das alleine machen.“

Auf der anderen Seite brauchen Kinder die Unterstützung durch Erwachsene, wenn etwas schief gelaufen ist. Mamma oder Papa sollen schnell auf das Knie pusten, auf das das Kind gerade gefallen ist oder es in den Arm nehmen, wenn es Angst hat.

Die äußerliche Form, heute brauchen wir niemanden, der auf unser Knie pustet, auch wenn das vielleicht manchmal schön wäre, hat sich verändert. Inhaltlich ist indes alles beim Alten geblieben. Wir benötigen den Kontakt zu anderen Menschen, um uns als wertvoll zu erleben.

Wenn Menschen sich in Gruppen zusammenfinden, entstehen Regeln, die den Umgang miteinander erleichtern sollen. Leider hat das auch Nebenwirkungen.

Die Freiheit, Dinge alleine umzusetzen oder zu gestalten kollidiert mit den Forderungen der Umwelt, sich an vorgegeben Normen und Werte anzupassen.

Zurück zur Arbeitswelt

Der Druck und die „erzieherischen Maßnahmen“ des Umfeldes können, im Arbeitsbereich dazu führen, dass wir uns zu sehr anpassen. Diese Überanpassung führt eventuell dazu, dass unsere Lebendigkeit und unser Freiheitsdrang verloren gehen. Damit besteht die Gefahr, dass wir uns selbst verlieren.

Das mag eine Zeit lang gut gehen. Schließlich hat es auch Vorteile, sich anzupassen. Denn in dem Moment, in dem wir uns anpassen, gehören wir dazu. Wir fallen nicht auf und es gibt wenig oder gar keinen Streit. Die Gefahr, der Überanpassung, ist besonders groß, wenn wir zu einem sehr an Harmonie ausgerichteten Lebensstiel neigen.

innere Stimme zwischen rebell und Ausstieg

Was folgen kann

An irgendeinem Punkt kann auch der Mensch, auch der, mit einem äußerst hohen Harmoniebedürfnis, sich selbst nicht länger verleugnen. Das führt überwiegend zu zwei Strategien. Entweder er steigt aus dem System aus oder er wird zum Rebellen.

Wenn er aussteigt, ist das „Spiel“ vorerst vorbei. Die Wahrscheinlichkeit, dass es ihm in der nächsten Anstellung ähnlich ergehen wird, ist sehr hoch.

Wird er zum Rebellen, kann er sich so mancher Sympathien sicher sein. Hier spreche ich aus Erfahrung. Diesen Weg bin ich leider viel zu oft gegangen.  Offensichtliche Rebellen haben,  zum Teil, den Charme von verwegenen Piraten. Das Problem hierbei ist, dass eine Rebellion dem Rebellen selten die ihm erhoffte Freiheit bringt.

Die Alternative

Wenn Sie wirkliche Freiheit erlangen möchten, sollten Sie auf Ihre innere Stimme, die eigene Lebendigkeit und die dahinterstehenden Werte hören, beziehungsweise schauen. Die Schwierigkeit liegt darin, dass das Umfeld so mächtig wirkt und unsere innere Stimme so leise ist.

Selbstbestimmt und in Freiheit zu arbeiten, bedeutet der inneren Stimme mehr Gehör zu verschaffen. Der Vorteil, an dieser Ausrichtung ist, dass wir unsere innere Stimme immer dabei haben. Wenn Sie auf Ihre innere Stimme hören, beginnen Sie nicht nur darüber nachzudenken, was Sie tun, sondern auch warum.

Das Vorgehen

Ich halte zwar sehr viel davon, Freizeit und Arbeit zu trennen, wie Sie vielleicht in meinem Artikel „Die Arbeit beenden“ erkannt haben. „Auf die innere Stimme hören“, bildet für mich eine Ausnahme, welche die Regel bestätigt.

Nach meiner Erfahrung gibt es in der sozialen Arbeit wenig bis keine Zeiten, in denen wir zur Ruhe kommen können. Aus dem Grund, nutze ich die Zeit vor der Arbeit, um mir über meine „innere Stimme“ klar zu werden.

Es gibt mehrere Abschnitte, die ich hier für mich eingeplant habe. Einmal im Jahr nehme ich mir gründlich Zeit, um über meine Arbeit nachzudenken. Von der Grundplanung her sind es vier Stunden. Meist benötige ich nur zwei bis drei. Da ich es aber hasse, mich selbst unter Druck zu setzen, lasse ich mir lieber etwas Freiraum. Als ich noch in der Jugendhilfe gearbeitet habe, war das Anfang Februar. Im Januar ging es noch um die Nacharbeiten und die Erholung vom Dezember. Seit ich selbstständig arbeite, habe ich diese Planung auf den ersten Sonntag im Januar vorverschoben.

Welchen Zeitpunkt Sie wählen, hängt von Ihnen ab. Ich würde Ihnen jedoch empfehlen, sich am Kalenderjahr zu orientieren.

Danach nehme ich den ersten Sonntag im Monat, um zu schauen, ob die Arbeit noch mit meinen Werten und Bedürfnissen übereinstimmt, oder wo es bedeutsam wäre, Veränderungen herbeizuführen. Hierfür plane ich 60 Minuten ein. Wann immer möglich nutze ich zwischendurch kurz 15 Minuten, meist bei einem Kaffee, um gedanklich die derzeitige Situation durchzuspielen.

Auf das genaue Vorgehen gehe ich im nächsten Artikel ein.

Fazit

Sie sollten zwischendurch bewusst auf ihre „innere Stimme hören“. Achten Sie darauf, dass die in Ihrer Lebendigkeit bleiben. Das wird Ihnen am Beten gelingen, wenn Sie ihren Werten treu sind. Hier können sie Ihre „innere Stimme“ als Leitstahl nutzen.

Weiterlesen

Werte, die Grundbausteine deines Lebens

5 Gründe, auf Deine innere Stimme zu hören

5 wichtige Regeln für mehr Zufriedenheit im Job

Eine Blogparade zum Thema Freiheit

 

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