Die neurologischen Ebenen

Die neurologischen Ebenen

In der Arbeit mit Menschen geht es vermehrt darum ein Auge auf die Entfaltung derselben zu haben. Ob es sich um die Entwicklung einzelner oder eines Teams handelt, beide Aufgaben sind für Sie als Leitung wichtig. Die neurologischen Ebenen können Sie bei der Entwicklungssteuerung unterstützen. Seien Sie sich hierbei der Verantwortung, die aus Ihrem Amt entspringt, bewusst.

Bei meinen Artikeln zum Thema Rapport hatte ich die neurologischen Ebenen bereits genutzt. Da ich finde, dass es sich um ein sehr gutes „Werkzeug“ handelt, möchte sie genauer aufgreifen.

Nachdem ich kurz auf die Entstehungsgeschichte eingegangen bin, werde ich die einzelnen Ebenen detailliert beschreiben. Um den Artikel nicht zu überfrachten, werde ich im Nächsten auf die Einsatzmöglichkeiten eingehen.

Etwas Geschichte

Die neurologischen Ebenen gehen auf das Multitalent Gregory Bateson zurück. Bateson war Anthropologe, Sozialwissenschaftler, Kybernetiker, Philosoph und Biologe. Das Besondere an ihm war, dass er diese Bereiche nicht getrennt bearbeitete, sondern ihre gegenseitige Beeinflussung nutzbar machte.

So entwickelte Gregory Bateson die Grundlage für eine systemische Sichtweise in der Wirtschaft und der Psychologie. Seine Gedanken legten die Grundlage für Therapie und Teamarbeit. Robert Dilts griff viele von Batesons Ideen auf und baute sie weiter aus. Ein Ergebnis dieser Entwicklung sind die neurologischen Ebenen.

Neurologischen Ebenen – Übersicht

Die neurologischen Ebenen im Einzelnen

Je weiter die Ebene im oberen Bereich der „Pyramide“ liegt, umso komplexer ist die Auswirkung. Bei Veränderungsprozessen müssen dann auch die unteren Ebenen mit bedacht werden. Auch die Lösung eines Problems ist ein Veränderungsprozess.

Umgebung

Die Umgebung beschreibt das Wo und Wann. Also den Ort, die Zeit und auch beteiligte Personen. Bei einer Teambesprechung ist klar wo, wann und mit wem sie stattfindet. Damit setzt die Umgebung auch Grenzen der Zugehörigkeit.

In der Sprache erkennen wir, auf welcher Ebene sich unser Gegenüber gedanklich befindet. „In der neuen Wohngruppe fühle ich mich zuhause.“ „Die Teamsitzungen sind sehr ergebnisorientiert.“ Auch die Aussage: „Sie war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“, bezieht sich auf die Umgebungsebene.

Neurologischen Ebenen – Verhalten

Verhalten

Die Verhaltensebene bezieht sich auf das „Was“. Es geht darum, was Sie oder ihre Mitarbeiter tun, oder eben gerade nicht. Sie umfasst die Handlungen aber auch die Gedanken, die zu ihnen führen. Hier zeigt sich die Verknüpfung der Ebenen untereinander.

Manches Verhalten lässt sich nur schwer verändern, weil es mit anderen Ebenen verbunden ist. Die Beschreibung der eigenen Persönlichkeit mit „ich bin ein Rebell“, hat Auswirkungen auf das Verhalten.

„Für das Verfassen eines Berichtes brauche ich zwei Stunden.“, ist ein Beispiel für die Spiegelung der Verhaltensebene in der Sprache.

Fähigkeiten

Fähigkeiten sind gebündeltes Können in einem bestimmten Bereich. Ob jemand gut kochen kann wird sich nicht an der Zubereitung eines einzelnen Gerichtes erkennen lassen. „Zuhören können“ schließt beispielsweise „Aktives Zuhören“, „Geduld“, „Ruhe“ und eine gewisse „Präsenz“ mit ein.

Die Fähigkeiten die eine Person besitzt zeigen sich durch ihr Handeln auf der Verhaltensebene. Umgekehrt lassen sich die Fähigkeiten nicht durch die Rückschlüsse aus dem Verhalten erkennen. Die Fähigkeiten sind das Potential, welches einem Menschen zur Verfügung steht.

Im Grunde besitzt jeder Mensch und jedes Team mehr Fähigkeiten als die, sie konkret zeigen. Viele Menschen und Teams sind sich ihrer Fähigkeiten nicht bewusst, da diese in Bereichen liegen, in denen Sie bisher nicht gefordert wurden.

Überzeugungen und Werte

Auf dieser Ebene geht es um das Warum. Unsere Überzeugungen bestimmen unser Handeln. Hierbei geht es um Überzeugen, auf deren Hintergrund wir handeln. Diese müssen nicht zwangsläufig mit den Überzeugungen zusammenhängen, die wir äußern. Einige Autoren verwenden statt dem Begriff Überzeugungen auch Einstellungen.

Der Gedanke, wie eine Leitung zu sein hat und wie ein Team funktioniert, sind Beispiele für Überzeugungen. Die Bedeutung unserer Handlungen, ja sogar der Sinn unseres Lebens leitet sich aus den Überzeugungen ab.

Auch Werte gehören zu diesen Überzeugungen. In Teams und Organisationen treffen Sie Übereinkünfte, welche Werte wie gelebt werden. Sie sind Teil Ihrer Kultur. Werte bilden einen starken Rahmen. Das Einhalten von Gesprächsregeln im Team ist ein Beispiel für diesen Rahmen.

Neben den Werten die durch die Gemeinschaft vorgegeben und im besten Fall abgesprochen sind, gibt es die persönlichen Werte. Hierbei können Sie auf zwei Probleme stoßen. Zum einen gibt es vorgegebene Werte (von oben) die nicht gelebt werden. Hierbei kann es zum Vertrauensbruch kommen.

Zusätzlich kommt es oftmals zu Konflikten zwischen den Werten einer Gruppe und eines Individuums. Beachte Sie auch, dass Werte nicht stabil sind. Sie verändern sich. Im persönlichen Bereich kann Sicherheit für Sie die höchste Stelle ihrer Werte einnehmen. Wenn Sie Vater oder Mutter werden, wird dieser Wert noch immer eine hohe Position einnehmen. Der Wert „Familie“ wird ihn wahrscheinlich überholen.

In der Sprache kommen Überzeugungen und Werte oftmals durch Wichtigkeiten zu Worte. „Mein Sohn ist das wichtigste auf dieser Welt.“ „Im Team ist vor allen Dingen der Zusammenhalt wichtig.“

Neurologischen Ebenen – Identität

Identität

Hier geht es um den Menschen an sich “Wer”. Er ist ein Individuum und sollte niemals „nur“ als Mitglied einer Gruppe, beispielsweise eines Teams angesehen werden. Neben seinen vielen Rollen hat jeder Mensch personenbezogene Werte und Einstellungen. Beide haben eine enorme Auswirkung auf sein Handeln.

Viele Grundgedanken auf der Identitätsebene haben kulturelle Hintergründe. Als kulturelle Beispiele: „Mädchen sind nicht gut in Mathematik.“ „Männer sind aggressiv.“ Zu einem großen Teil sind sie durch den Einfluss Erwachsener während der Kindheit entstanden. Sprachlich erkennen Sie die Ebene durch Sätze, die mit „ich bin“ anfangen.

Die Auswirkungen von „Ich bin ungeschickt.“, oder „Ich bin ein Rebell.“, können Sie sich sicher vorstellen.

Neurologischen Ebenen – Zugehörigkeit

Zugehörigkeit

Autonomie und Zughörigkeit spiegeln sich in jedem Menschen wieder. Beides ist wichtig. Ein Verlust von Zugehörigkeit hat genauso schwerwiegende Folgen, wie der Verlust von Autonomie. Sich zu einer Gruppe zugehörig zu fühlen kann Menschen beflügeln. Ihr Team kann so eine Gruppe sein.

Eine gemeinsame (Gruppen) Kultur kann das „Wir-“ und „Zugehörigkeitsgefühl“ deutlich steigern. Eine solche Kultur können Sie auf den vorangegangenen Ebenen erstellen. Sie und die Mitarbeiter können sich als Teil von etwas Größerem erleben. Etwas, was über die eigene Identität hinausgeht.

Sprachlich lässt sich das in einer Organisation daran erkennen, wann und wie Mitarbeiter „Wir“ sagen, wenn sie von der Organisation oder dem Team sprechen.

Überblick – neurologischen Ebenen

Neurologischen Ebenen – Übersicht

Weiterlesen

NLP das Workbook – J. O´Connor

Change, Raum für Veränderung M. Schmidt-Tanger

Hier geht es zur Methodenübersicht.

 

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