Empathie und die Entscheidung anderer

Empathie und die Entscheidung anderer

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Empathie ist ein wesentliches Handwerkszeug in der Leitung von Menschen. Da die Empathie, vor allem in den ersten Lebensjahren überlebenswichtig für uns ist, hat jeder Mensch sie in seinen Genen verankert.

Vor dem Hintergrund der persönlichen Erfahrungen kann die Empathie verloren gehen. Sie kann genauso gut auf dem gleichen Stand bleiben oder sogar ausgebaut werden. Für Sie als Leitung halte ich es für wichtig, ihre Empathie auszubauen.

Gleichsam ist es hilfreich ein Fundament zu errichten, von dem aus Sie agieren können, ohne von Ihrer Empathie überrannt zu werden. Von diesem Ansatzpunkt aus können Sie auf einer sachlichen Ebene handeln.

Ich möchte Ihnen gleich eine weitere Grundannahme vorstellen. Die Grundannahme benötigt sowohl Ihre Empathie und trainiert sie gleicher Maßen.

Empathie und Entscheidungen

Die Grundannahme

Jeder Mensch entscheidet in jedem Augenblick bestmöglich für sich.“ Lassen sie dich den Satz bitte noch einmal durch den Kopf gehen. „Jeder Mensch entscheidet in jedem Augenblick bestmöglich für sich.“ Diese Grundannahme kennt keine Ausnahme.

Vielleicht kennen Sie die Grundannahme: „Hinter jedem Verhalten liegt eine positive Absicht.“ Die bestmögliche Entscheidung bezieht die positive Absicht mit ein, geht allerdings noch ein wenig weiter in Richtung Handeln.

Die Grundannahme schließt den Mitarbeiter ein, der jeden Zeitpunkt nutzt, um andere schlecht zu machen. Er umfasst auch den Klienten der von seiner Frau körperlich und seelisch misshandelt wird und jedes Mal zu ihr zurückkehrt.

Wo Empathie einfach fällt, wo nicht

Es fällt den Menschen oft einfach dann empathisch zu sein, wenn es um Glück oder Unglück geht. Hier beziehen wir die Ereignisse oft auf uns. Wie würden wir dieses Glück beziehungsweise Unglück empfinden? In solche Gegebenheiten können wir uns schnell versetzen. Hierbei spielen die Spiegelneuronen eine wichtige Rolle. (Siehe Literatur)

Schwierig wird es für uns dann, wenn Handlungen außerhalb unserer Persönlichkeit liegen, oder ihr sogar widersprechen. Der Schläger in der U-Bahn wird uns genauso abstoßen wie die Mutter, die ihre toten Babys in einem Koffer aufbewahrt,

Hier empathisch zu sein, kommt Ihnen vielleicht gar nicht in den Sinn. Zumal es glücklicherweise eher seltene Extremsituationen sind. Wie sieht es aber bei Mitarbeitern und Klienten aus, die ständig dasselbe Verhaltensmuster aufzeigen und letztendlich sich selber Schaden zufügen?

Oder dem oben genannten Mitarbeiter, der nicht nur sich, sondern auch anderen, ja sogar der ganzen Abteilung einen Schaden anrichtet. Hier sollen Sie empathisch sein? Ich würde vorerst vorschlagen: Ja!

Empathie und Schaden

Ich sehe den angerichteten Schaden doch

Meine Mutter hat stehst gesagt, dass nicht einfacher ist, als anderer Leute Kinder zu erziehen. Heute weiß ich, dass das nicht stimmt, aber das ist eine andere Geschichte. Lassen Sie mich diese Idee etwas weiter ausführen.

Ein Mann fährt mit der Straßenbahn ins Stadtzentrum. Vier Stationen, bevor er aussteigen muss, steigt ein Mann, um die 40, mit seinen drei Söhnen ein. Noch nicht richtig in der Bahn schubsen sich die jungen gegenseitig. Sie kreischen, schreien und toben durch den Zug. Der Vater blickt stur geradeaus und interessiert sich nicht die Bohne dafür, was seine Söhne so treiben.

Nach zwei Stationen wird es dem ersten Mann zu dumm. Er geht zum Vater rüber und spricht ihn an. „Entschuldigen Sie bitte ihre Söhne stören alle Fahrgäste, könnten Sie dafür sorgen, dass Sie sich hinsetzten?“ „Oh, es tut mir leid. Wir waren gerade im Krankenhaus und haben erfahren, dass die Mutter gestorben ist. Ich weiß noch gar nicht, wie wir damit umgehen sollen.“

Für mich ist die Frage, die Ihnen weiterhelfen kann: „Wie muss man denken, um so zu handeln?“ In diesem Zusammenhang ist Reden ebenfalls eine Form des Handelns.

Empathie entwickeln

Gehen wir noch einmal zurück zu den beiden gerade beschriebenen Beispielen. Aus der Beobachterposition kennen Sie nur einen Teil der Wahrheit. Ihre Wahrgenommene. Wenn Sie sich in der obigen Geschichte etwas in den Vater hineinversetzt hätten, wäre Ihnen vielleicht mehr aufgefallen.

Wie muss der Vater denken, um seine Kinder so gewähren zu lassen? Im Versuch dieser Ergründung wäre Ihnen vielleicht der starre Blick des Mannes aufgefallen. Eventuell hätten sie registriert, dass die Familie beim Krankenhaus eingestiegen ist. Je nachdem, wie gut es Ihnen gelingt, sich in andere hineinzuversetzen, wäre Ihnen die innere Unruhe der Kinder aufgefallen. Wie hätten Sie den Vater dann ansprechen können?  

Zurück zum Mitarbeiter. Was könnte ihn antreiben, so zu handeln? Was hat er persönlich davon? Welchen Gewinn erzielt er daraus? („Jeder Mensch entscheidet in jedem Augenblick bestmöglich für sich.“) Wie muss er denken um sich so zu verhalten?

Verstehen heißt nicht Akzeptieren

Wenn Sie sich bemühen, andere Menschen zu verstehen, bedeutet das nicht, dass Sie ihr Verhalten gutheißen. Das die Kinder in der Straßenbahn randalieren hilft keinem weiter. Eine fehlende Rückmeldung würde vielleicht sogar dazu führen, dass der Vater später noch zusätzliche Probleme hat.

Den Mitarbeiter gewähren zu lassen würde negative Auswirkungen auf das gesamte Team haben. Hier ist ein deutliches und zeitnahes Gespräch angesagt.

Empathie und Interesse

Was haben Sie von Empathie

Wenn Sie sich die Frage stellen: „Wie muss man denken, um so zu handeln?“, ergeben sich natürlich Ihre Sichtweisen auf Ihr Gegenüber. Die können Sie allerdings sehr gut für einen Gesprächseinstieg nutzen.

Zeigen Sie sich an den Grundlagen, die zu einem bestimmten Gebaren führen, interessiert. Gleichen Sie die Aussagen ihres Gegenübers mit Ihren Gedankengängen ab. Das funktioniert übrigens besonders gut, wenn es um ein positives Verhalten geht, dass Sie fördern möchten.

Zeitweise kann Sie auch der Gedanke: „Welcher Gewinn ergibt sich für den Betreffenden aus seiner Haltung heraus?“ einen guten Ansatzpunkt liefern.

Wenn Sie die Verhaltensweisen ihres Gesprächspartners nachvollziehen können, wird eine gemeinsame Lenkung der Handlungsweise einfacher. Bei positiven Handlungen überlegen Sie beide, wie sie noch weiter gesteigert werden könnte.

Bei negativem Verhalten ist es Ihnen möglich, Alternativen erarbeiten. Je mehr sie die Handlungen nachempfinden können umso leichter werden Sie Ersatzhandlungen finden können. Am besten sind hierbei Verhaltensweisen, die das Bedürfnis hinter der Handlung befriedigen und in Ihrer Auswirkung förderlich sind.

Setzen Sie bitte in jedem Fall ein weiteres Gespräch an um die Fortschritte zu besprechen. Auch damit zeigen Sie Interesse an Ihrem Gegenüber.

Umsetzung in der Praxis

Umsetzung in der Praxis

„Jeder Mensch entscheidet in jedem Augenblick bestmöglich für sich.“

Was führt zu dem Verhalten? Wie muss man denken, um sich so zu verhalten? Welcher Gewinn wird durch das Verhalten erreicht?

Gehen Sie ins Gespräch, bleiben Sie erst bei Ihrer Wahrnehmung. Flechten Sie dann nach und nach Ihre Gedanken zu den Hintergründen ein. Wenn Ihr gegenüber bei einem Punkt einsteigt, bauen Sie diesen weiter aus.

Literatur

Warum ich fühle was du fühlst – J. Bauer

EQ. Emotionale Intelligenz – D. Goleman

Empathie in der Personalführung – T. J. Schmid

Hier geht es zur Übersicht der Grundannahmen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn meine Texte Sie in Ihrer Funktion unterstützen könnten. Für eine Rückmeldung wäre ich Ihnen sehr dankbar.

 

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2 comments on “Empathie und die Entscheidung anderer

  1. Sehr geehrter Herr Wiesejahn,
    vielen Dank für Ihren Newsletter und die interessanten Artikel. Ich arbeite in einer betreuten Wohnanlage und werde in Zukunft Personalverantwortung für eine kleine Arbeitsgruppe übernehmen. Wir müssen uns neu organisieren und ich lese Ihre Artikel mit großem Interesse. Einige Anregungen habe ich bereits für mich aufgenommen und in die Planung einbezogen.

    Viele Grüße
    Anke Hahn

    1. Schönen guten Tag,
      Frau Hahn.
      Ich danke für Ihren Kommentar und freue mich sehr, dass Ihnen der Blog weiterhelfen kann. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Team alles Gute für die Neuorganisation.
      Viele Grüße zurück
      Peter Wiesejahn

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