Erwartungen formen Menschen

Erwartungen formen Menschen

Menschen neigen dazu, sich entsprechend der Erwartungen anderer zu verhalten. Das ist die dritte Grundannahme, auf die ich in diesem Blog eingehen möchte. In der Psychologie spricht man von der „Selbst erfüllenden Prophezeiung“ und dem „Pygmalion-Effekt“. Zu beiden später mehr.

Untersuchung in einer Schulklasse

In einer Schule wurde ein Intelligenztest durchgeführt. Den Lehrern sagten die Versuchsleiter, dass dieser Test günstige Leistungsentwicklungen und besonders schnelles „intellektuelles Wachstum“ voraussagt. Danach wurde einigen Lehren das Ergebnis mitgeteilt. Ein Teil ihrer Schüler würden in der nächsten Zeit erhebliche Leistungssteigerungen zeigen. In Wirklichkeit wurde jeder fünfte Schüler nach dem Zufallsprinzip mit dem Etikett „Enorme Leistungssteigerung“ beschrieben.

Der Intelligenztest wurde nach vier Monaten und  nach einem Jahr wiederholt. Die Klassen, deren Lehrern die fiktiven Ergebnisse mitgeteilt worden waren, schnitten deutlich besser ab, als die Kontrollgruppen.

Aus meiner Sicht ein deutlicher Beweis dafür, wie Erwartungen wirken. Zu diesem „Praxistest“ des „Pygmalion-Effekt“ gab es einige ernst zu nehmende Gegenstimmen. Weitere „Teste“ erbrachten allerdings ähnliche Ergebnisse.

Erwartungen beeinflussen unsere Sicht

Erwartungen und die Folgen

Wen wir von Mitarbeitern oder einem Team erwarten, dass es Erfolg haben wird, wird die Wahrscheinlichkeit, dass der Erfolg eintritt erhöht. Dummerweise gilt für Misserfolg das Gleiche.

Ihre Erwartungen formen eine Art Brille. Wenn Sie Erfolg erwarten, richtet sich Ihr Blick darauf hin aus. Sie werden kleinste Fortschritte wahrnehmen und diese verbal oder nonverbal, meistens sogar auf beiden Wegen, zurückmelden. Ihre Rückmeldungen werden den Mitarbeiter und das Team motivieren, die Richtung beizubehalten und sich sogar noch mehr anstrengen. Das ist dann eine Form der „Selbsterfüllenden Prophezeiung“.

Wenn Sie Misserfolg erwarten, fällt Ihnen selbst der geringste Fehler auf. Auch diesen werden Sie rückmelden, was oftmals eine negative Spirale zur Folge hat. Wer bekommt schon gerne Fehler zurückgemeldet? Wir alle versuchen, Fehler möglichst zu vermeiden. Leider. Wenn es immer wieder zur Rückmeldung bezüglich Fehlern kommt, steigt unsere Angst welche zu begehen. Die Angst vor Fehlern ist die beste Möglichkeit, welche zu begehen.

Meine Erwartungen sind doch positiv

Von Leitungen höre ich immer wieder, dass ihre Erwartungen, an Mitarbeiter und Teams, doch positiv sind. Ihre Erwartung ist, dass es „glatt läuft“ und, dass Absprachen eingehalten werden. An dieser Stelle sei gesagt, dass es gute und richtige Erwartungen sind. Oftmals sind es aber die bewussten Erwartungen.

Wenn etwas „daneben geht“ zeigen sich die unbewussten Erwartungen in Sätzen oder Gedanken wie:

  • „Klar, schon wieder der Herr Meier.“
  • „Typisch für Frau Schmitt“
  • „Immer wieder dieses Team“

Da wir Menschen von Natur aus dazu neigen „Negatives“ stärker wahrzunehmen als „Positives“ hat diese Form der Erwartungen einen großen Einfluss. Hierbei ist es leider unwichtig, ob Ihnen die Erwartungen bewusst sind oder, ob Sie sie unbewusst mit sich herumtragen. Ich glaube sogar, dass die unbewussten Erwartungen nochmals einen größeren Einfluss haben.

Herr Sprenger (Mythos Motivation) hat in einer Befragung festgestellt, dass „Nicht-Zutrauen“ einer der Demotivationsgründe schlecht hin ist. Darüber belastet sie die Beziehung zwischen Leitung und Mitarbeiter enorm.

Der „Pygmalion-Effekt“

Der „Pygmalion-Effekt“ ist eine Sonderform der „Selbst erfüllenden Prophezeiung“. Er bezieht sich einzig und allein auf das zwischenmenschliche Verhalten. Der Effekt wurde von Rosenthal nachgewiesen und nach dem griechischen Gott Pygmalion benannt.

Vielleicht kennen Sie das Musical „My Fair Lady“ nach dem Bühnenstück von Bernhard Saw. Dieses zeigt den „Pygmalion-Effekt“ sehr deutlich.

Letztendlich sagt der „Pygmalion-Effekt“:

Indem wir eine bestimmte Erwartung an einen Menschen herantragen, machen wir ihn so!

(Vera F. Birkenbihl)

Erwartungen nutzen!

Keine Erwartungen ist auch keine Lösung!

Es ist wichtig, dass Sie Erwartungen an den Mitarbeiter und an das Team haben. Erwartungen sind Grundbausteine um Teams und Mitarbeiter zu fordern und zu fördern. Damit dieses gelingt und Sie nicht in den „Pygmalion-Effekt“ verfallen, sind drei Einstellungen beziehungsweise Aufgaben wichtig.

Selbstreflexion

Klar, wir sind alle schon mal wütend oder frustriert im Umgang mit Teams oder Mitarbeitern. Auch Sie haben Ihre Erwartungen und Bedürfnisse. Wenn diese nicht erfüllt werden, ist das manchmal richtig Bitter.

Damit sich solche Situationen nicht verhärten, ist es angebracht, über diese Situationen zu sprechen. Die Frage in dem Bereich ist: „Was ist mein Anteil an dieser Situation?“

In vielen Einrichtungen gibt es Leitungsrunden, die genau diesem Ziel untergeordnet sind. Hier geht es um eine Entlastung für Sie, als Leitung, darum sich selbst zu reflektieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Sollte es in Ihrer Einrichtung kein derartiges Gremium geben, wäre es vielleicht jetzt an der Zeit eines aufzubauen.

Eine Einzelsupervision beziehungsweise ein Coaching kann Sie ebenfalls gezielt in Ihrer Rolle als Leitung unterstützen. Da wir alle so denken, wie wir es gewohnt sind, braucht es manchmal Unterstützung von außen um uns neue Wege aufzuzeigen.

Mein „Coaching – Newsletter“ soll Sie, ab 2016, ebenfalls in der Selbstreflexion unterstützen.

Gezieltes suchen nach dem Anderen

Wie ich weiter oben schon geschrieben habe, sind Menschen eher auf eine negative Sichtweise ausgerichtet. Die Suche nach dem Positiven muss meist eingeübt werden.

Wenn Sie sich bei Gedanken wie, „Klar, die Frau Maier“, oder „Natürlich, Herr Schmitt“, wiederfinden, sollten Sie einen STOP einlegen. Suchen Sie gezielt nach Ausnahmen, in denen Herr Schmitt oder Frau Maier sich anders verhalten, als Sie es erwarten.

Ich würde Ihnen an dieser Stelle empfehlen, immer wieder nach den Stärken Ihrer Mitarbeiter Ausschau zu halten.  Die Idee von Dale Carnegie

Beobachte die Menschen genau! Wenn sie etwas Gutes richtig machen, sag es ihnen!

kann Ihnen hier eine brauchbare Richtschnur sein.

Feedback im Umgang mit Erwartungen

Feedbackkultur

Meines Erachtens ist eine gute Feedbackkultur das A & O eines funktionstüchtigen Teams. Daher ist für mich der richtige Umgang mit Feedback eines der wichtigsten Instrumente für Leitungen, unabhängig von ihrer Position.

Feedback gibt Ihnen die Möglichkeit Ihre Erwartungen zu formulieren und in Momenten, in denen Dinge „aus dem Ruder laufen“, unterstützend einzugreifen.

Weitergehende Literatur

Literatur

Führen, Fördern, Coachen – E. Haberleitner, E. Deistler, R. Ungvary

Birkenbihl on Management – Vera F. Birkenbihl

Mythos Motivation – R. K. Sprenger

Weiterlesen

Pygmalion-Effekt: Glauben Sie an sich?

Hier geht es zur Übersicht der Grundannahmen die, aus meiner Sicht hilfreich sind.

 

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