Framing – den Gesprächsrahmen gestalten

Framing – den Gesprächsrahmen gestalten

Gesprächsrahmen gestalten hört sich nach einer künstlerischen Tätigkeit an. Ist es irgendwie auch. Es geht um alle Begegnungen, die Sie mit Menschen, egal auf welcher Ebene haben. Sie sollten für jede Situation einen deutlichen Gesprächsrahmen gestalten. Doch lassen Sie mich das Thema Gesprächsrahmen gestalten an einem Beispiel erklären.

Der Tanzkurs

Nehmen wir mal an, Sie wollen einen Tanzkurs besuchen. Es ist ihr Erster. Eventuell hat Sie ein Freund oder eine Freundin überredet. In anderen Fällen haben Sie die Ausschreibung in einer Broschüre gelesen.

Bevor Sie beim Kurs vorbeigehen, werden Sie bereits etwas über den Rahmen wissen wollen. Ist der Kurs für Anfänger oder Fortgeschrittene? Zweiten werden Sie beim ersten Tanzkurs sicherlich nicht nutzen. Um welche Tänze geht es? Standard, Lateinamerikanisch, Jazzdance oder nur um einen ganz bestimmten Tanz? Wann und wo findet das Ganze statt? Damit ist Ihnen schon einmal der grobe Rahmen bewusst.

Wenn Sie am ersten Abend auf einen erfahrenen Tanzlehrer treffen, wird dieser nochmals den Rahmen gestalten. Er stellt sich kurz vor und erklärt Inhalt und Ablauf des Kurses. Danach bittet er die Teilnehmer, sich kurz vorzustellen und fragt nach Vorerfahrungen. Wenn er sehr erfahren ist, wird er auch noch etwas zum Umgang miteinander sagen.

Je klarer dieser Rahmen gestaltet ist, umso einfacher werden Sie sich auf das, um was es geht, dass tanzen lernen, einlassen können. Sollte ich in Ihnen jetzt die Lust auf einen Tanzkurs gefördert haben, würde mich das sehr freuen.

Doch zurück zum Thema. Bevor ich auf das „Was“ und „Wie“ beim Gesprächsrahmen gestalten eingehe, möchte ich kurz auf die Hintergründe eingehen.

Gesprächsrahmen gestalten, die Hintergründe

Gesprächsrahmen gestalten, die Hintergründe

Wir sind alle ständig in irgendwelchen Situationen unterwegs. Beruflich und privat. Beruflich wird der Rahmen schon dadurch gestaltet, dass wir in einer bestimmten Organisation arbeiten. Wir kennen unser Aufgabengebiet sowie Beginn und Ende unserer Arbeitszeit. Wir wissen auf welche Menschen wir Treffen und meist, welche Rolle Sie einnehmen.

Hier zeigt sich bereits die wichtige Funktion eines Rahmens ab: „Was geht hier vor? Was ist meine Aufgabe und wer sind die Anderen?“ Rahmen geben eine Orientierung und damit Sicherheit. In Ihnen können wir uns gut bewegen. Manchmal ist es auch gut, aus Ihnen herauszufallen. Das auszuweiten würde an dieser Stelle jedoch zu weit führen.

Die Rahmen, in denen wir uns oft bewegen, werden alltäglich. Sie sind uns so gut bekannt, dass wir keinen Gedanken mehr daran verschwenden. Wir laufen auf Automatik. Schwierig wird es dann, wenn wir in einen neuen Rahmen kommen. Mitarbeitergespräche, Teamsitzungen und auch Klientengespräche sind solche neuen Situationen. Einen Gesprächsrahmen gestalten ist hier ungemein wichtig.

Je besser und klarer Sie einen Gesprächsrahmen gestalten umso einfacher werden sich die Personen, die in diesen Rahmen gehören, auf den Inhalt einlassen können. Hierbei ist es wichtig, darauf zu achten, dass Rahmen sich verändern. Rahmen im sozialen Miteinander sind Prozesse, die immer wieder neu ausgehandelt werden müssen.

In einem Team können sich beispielsweise Aufgaben oder Rollenverteilungen verändern. In einem Klientengespräch kommen neue Themen hinzu. Ein Mitarbeiter steigt in seiner Position auf. Die Anforderungen von außen wandeln sich. All das hat Einfluss auf den Rahmen, den Sie gestalten und verändert ihn gleichsam.

Gesprächsrahmen gestalten, praktisch

Jetzt möchte ich Ihnen aufzeigen, wie Sie einen ersten Gesprächsrahmen gestalten können. Ich schreibe Ihnen die Vorgehensweise so auf, wie ich dieses als sinnvoll erlebt habe. In diesem Zusammenhang empfehle ich Ihnen sich auch die Logischen Ebenen anzusehen. Auch Sie stellen einen Rahmen dar. Doch nun zum Vorgehen.

Das Schriftliche

Ob es sich um Teamsitzungen, Klienten-, Kunden- oder Mitarbeitergespräche handelt. Es ist immer gut, wenn die Teilnehmer etwas Schriftliches in der Hand halten. Für Klienten und Kunden kann es Ihr Konzept oder eine Vorstellung Ihrer Person sein.

Bei Mitarbeitergesprächen oder Teamsitzungen empfiehlt es sich, Inhalte und Ablauf im Vorfeld weiterzugeben. Das kann über eine E-Mail, einen Aushang oder einen Ordner, den jeder einsehen kann, geschehen. Ich selber ziehe eine „persönliche Einladung“, meist über Mail vor.

Die räumliche Dimension

Die räumliche Dimension

Natürlich muss den Gesprächsteilnehmern klar sein, wann und wo man sich trifft. Dennoch geht die räumliche Dimension noch darüber hinaus. Auch der Raum kann als Rahmen an sich gesehen werden. Hier hat die Gestaltung einen Einfluss. Sitzt man hintereinander oder im Kreis. Sind Flipchart oder Whiteboard vorhanden. ….

Im Klienten-, Kunden- oder Mitarbeitergespräch hat es einen Einfluss, ob man am Tisch sitzt. Für einige Gespräche verwende ich zum Beispiel einen „Stuhlkreis“ ohne Tische. So kann ich den ganzen Menschen sehen. Wenn ich den Eindruck habe, dass die betreffende Person unsicher ist, verwende ich beim ersten Gespräch einen Raum mit Tischen.

Kurzer Exkurs zur aufsuchenden Arbeit mit Klienten

In diesem Bereich ist die räumliche Rahmung sehr wichtig. Gespräche finden in Räumlichkeiten statt, in denen der Klient sich normalerweise mit anderen Tätigkeiten beschäftigt. Meist ist es der Esstisch, an den wir uns zusammensetzen. Hier rahme ich dann die Situation neu.

Ich erkläre dem Klienten, dass dies sicherlich sein Essplatz ist. Für die Zeit unserer Gespräche ist es allerdings ein Besprechungstisch. An dem, für die Dauer unseres Austausches, die Regeln für gemeinsame Gespräche gelten. Dazu gleich später mehr. Am Ende des Gespräches löse ich die Rahmung auf in dem ich beispielsweise, sage: „So nun haben sie Ihren Esstisch bis zum nächsten Gespräch zurück.“

Im Fall eines ambulanten, ersten Settings, kommt diese Rahmung an Platz drei, meines Vorgehens. Bei jedem weiteren Gespräch mache ich den Rahmen zu Beginn noch einmal bewusst.

Wer sind Sie

Bei jedem ersten Kontakt stellen Sie sich und Ihre Funktion, Ihr Amt, dar. Die Frage, die die Menschen bewegt ist, neben Ihrem Namen, warum Sie in diesem Bereich zuständig sind. Überlegen Sie sich bitte im Vorfeld eine kurze Beschreibung Ihrer Person und des Amtes, welches Sie gerade einnehmen.

Im Umgang mit Klienten und Kunden ist es nach meiner Erfahrung sinnvoll, die Vorstellung zu wiederholen. Manche Dinge sind in Vergessenheit geraten. Für andere waren Klienten vielleicht zu aufgeregt.

Wer sind die anderen

In neuen Situationen ist es gut, wenn sich alle Personen kurz nochmal vorstellen. Dies vor allem, wenn eine neue Person zur Runde dazu kommt, oder sich Aufgaben verändert haben.

Im Umgang mit Klienten würde ich hier ebenfalls empfehlen, diese Vorstellung nochmals vorzunehmen und zu vertiefen.

Wie gehen wir miteinander um

Was ist hier möglich? Welche Erwartungen gibt es? Was soll hier geschehen? Was geht mit Ihnen? Was ist nicht erwünscht? Sind die zentralen Fragen in diesem Bereich. In Teamsitzungen sollten die Gesprächsregeln klar sein. Wenn sie formuliert sind, können Sie diese unproblematisch auf Mitarbeitergespräche übertragen.

Im Umgang mit Klienten sollten solche Gesprächsregeln ebenfalls klar benannt und im besten Fall auch schriftlich fixiert sein. Bei Kundengesprächen würde ich diesem Thema nicht viel Aufmerksamkeit schenken. Hier gibt der Kunde den Rahmen vor. Dieser muss aber gegeben Falls durch Sie ergänzt werden.

Um was geht es

Im Idealfall sind alle Personen im Vorfeld darüber informiert worden, was Sinn und Inhalt des gemeinsamen Gespräches ist. Da das Leben manchmal seine eigenen Pläne hat, ist es dienlich, Sinn und Inhalte vorzustellen und nach Veränderungen oder Ergänzungen zu fragen.

Abschließend

Je klarer Sie einen Gesprächsrahmen gestalten umso einfacher lassen sich Gespräche führen. Nach meiner Erfahrung werden diese Gespräche auf eine tiefere Ebene gehen und offener Geführt werden. Nutzen Sie den Rahmen um Vertrauen in Ihre Person zu schaffen.

Zur Methodenübersicht in diesem Blog geht es hier.

 

Möchten Sie keinen Artikel mehr verpassen? Wollen Sie zusätzlich den Selbstcoachingbrief erhalten? Dann tragen Sie sich doch einfach in den Newsletter ein!



Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.