Gesprächsregeln für Gruppen

Gesprächsregeln für Gruppen

Gesprächsregeln für Gruppen bilden den Rahmen für einen gelungenen Austausch. Die Form, in der wir miteinander umgehen, wirkt sich prägend auf die Offenheit in der Gruppe und damit auf die Ergebnisse aus.

Aus dem Grund sollte jede Gruppe für sich Gesprächsregeln formulieren und festhalten. Ich würde Ihnen empfehlen, die Gesprächsregeln auf einem Flipchart oder Ähnlichem zu verfassen. Dieses Flipchart können Sie bei Gruppengesprächen aufhängen. Wenn es zu „schwierigen“ Situationen kommt, kann der Moderator auf die Gesprächsregeln für die Gruppen hinweisen.

Um Ihnen ein paar Grundgedanken an die Hand zu geben, greife ich gleich auf die „Spielregeln“ der „Themenzentrierten Interaktion (TZI)“ zurück. Anschließend gebe ich Ihnen noch die Vorschläge von Prof. Dr. Meixner an die Hand.

Ich möchte nochmal auf die Wichtigkeit des „miteinander festlegen“ hinweisen. Gerade bei solchen Themen ist es geboten, die Gruppe mit einzubeziehen. Wenn alle sich mit einbezogen fühlen, ist es später leichter, auf die Gesprächsregeln für Gruppen hinzuweisen, wenn es schwierig wird.

Gesprächsregeln für Gruppen = Spielregeln

Spielregeln der Themenzentrierten Interaktion

Die Gesprächsregeln für Gruppen aus der TZI sind für mich zu allgemein verfasst. Ich sehe ihn ihnen gute Grundannahmen, die jeder Moderator von Gruppen kennen sollte. Sie können gut als Grundlage für die Entwicklung eigener Gruppenregeln dienen.

Sprich per ich und nicht per man!

Viele Menschen sprechen per „man“. „Man sollte endlich das Büro aufräumen.“ „Ich finde, man müsste sich mehr engagieren“ … Dieses „man“ ist eine Form der sprachlichen Tilgung. Wenn Menschen in „man“ Aussagen bleiben, beziehen sie ihr „Ich“, also ihre Person nicht mit ein.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Satz: „Man macht das halt so!“ Hier steht das „man“ für jede/jeden. Die Aussage: „Ich mach das halt so!“ nimmt vollends Bezug auf die eigene Person. Achten Sie in Gesprächen mal darauf, wie oft die eigene Person durch solche Sätze ausgeblendet wird. Besonders gut ist es natürlich, wenn Sie bei sich darauf achten.

Gesprächsregeln für Gruppen = Aussagen statt Fragen

Mach persönliche Aussagen, statt Fragen zu stellen.

Bei dieser Aussage geht es nicht um Verständnisfragen, sondern um Fragen wie: „Sollten wir die Sache nicht sachlich angehen?“ Selbst Verständnisfragen werden gerne genutzt, inhaltliche, persönliche Rückmeldung zu geben. Leider versteckt, eben hinter dieser Frage.

Auch hier wird die eigene Person und der eigene Standpunkt verwaschen. Fragen zu stellen ist manchmal der Versuch weniger verletzend zu sein. Da es dem Gegenüber allerdings meist auffällt, wirken solche Fragen schnell „Schulmeisterlich“.

Vermeide es, andere zu interpretieren, oder ihnen Ratschläge zu geben.

„Auch Ratschläge sind Schläge.“ War einer der ersten Sätze, die ich in meiner pädagogischen Ausbildung aufgenommen habe. Nicht jeder Ratschlag ist unhöflich gemeint, oft wirkt er allerdings so.

Manchmal höre ich in diesem Zusammenhang auch den Satz: „Ich habe doch nur ein Feedback gegeben!“ Nette Verpackung. Auch hier gilt für mich, dass Feedback nicht ungebeten erteilt wird. Als Leitung ist es Ihre Aufgabe Feedback zu geben. Das sollten sie gut Rahmen. „Ich möchte ihnen zu Xy ein Feedback geben.“ Diese Form der Rückmeldung sollte jedoch nicht in der Gruppe stattfinden.

Wir Menschen sind so veranlagt, dass wir alles, was um uns herum geschieht, interpretieren. Das in Bezug auf unsere eigene Person. Statt zu interpretieren, sollten Sie klärende Rückfragen stellen und die Gruppenmitglieder ebenfalls dazu auffordern. „Habe ich Sie richtig verstanden, sie meinen, dass ….“

Gesprächsregeln für Gruppen, Ich Botschaft

Sende Ich-Botschaften statt Du-Botschaften.

Das ist auch für mich zeitweise eine Herausforderung. Gerade, wenn ich wütend bin oder mich nicht verstanden fühle. Wenn ich in solchen Situationen über mich spreche, lässt das den anderen näher an mich heran. Gebe ich ihm die Schuld, ziehe ich mich damit aus der Schusslinie.

Du-Botschaften führen oftmals zu Rechtfertigungen und zeitgleich zu verhärteten Fronten. Besonders in Konfliktsituationen können Ich-Botschaften die Frontenbildung vermeiden oder abbauen.

Ganz vermieden werden sollten Aussagen, die auf die Identität einer Person abzielen. „Sie sind .. destruktiv, aggressiv, demotivierend.“ Aussagen zu der Identität einer Person können dazu führen, dass eine Person diese Identität annimmt und weiter behält.

Sprich direkt zu anderen anwesenden Gruppenmitgliedern.

Es ist ein beliebtes Spiel über andere in der dritten Person zu sprechen. „Herr Maier meint auch ….“ Die andere Person sollte immer direkt angesprochen werden. „Frau Müller, wenn ich sich richtig verstanden habe, sind sie auch der Meinung ….“

Seitengespräche haben Vorrang und sind oft wichtig.

Wer kennt den Satz der Lehrerin „Max, hier spielt die Musik!“ nicht? In der Schule wurden Seitengespräche als Störung empfunden und möglichst schnell unterbunden.

Seitengespräche dienen oftmals der Situationsklärung der eigenen Person. Der Moderator sollte in Gruppengesprächen dazu auffordern, die Seitengespräche offen und hörbar zu führen. Aus diesen Gesprächen können sich wichtige Ideen und Impulse für die gesamte Gruppe entwickeln.

Es soll nur einer auf einmal sprechen

Wenn ich mit Familien aus dem südeuropäischen Raum Kontakt habe, bin ich immer wieder erstaunt, wie die Kommunikation abläuft. Alle reden kreuz und quer durcheinander. Damit man sich gegenseitig versteht, muss besonders Laut gesprochen werden. Das hat was sehr Lebendiges. Letztendlich weiß ich dann nur etwas zu meinem jeweiligen Gesprächspartner. Den Rest habe ich nicht mitbekommen.

Für mich ist dieses eine sehr wichtige Gesprächsregel für Gruppen. Es ist eine Form der geübten Wertschätzung und erlaubt auch, eher zurückhaltenden Gruppenmitgliedern sich einzubringen.

Beachte die Körpersignale bei dir und bei anderen!

Bestimmt kennen Sie das: Jemand sagt in einer Teambesprechung etwas und es gibt Teilnehmer, die anfangen, unruhig auf den Stühlen hin und her zu rutschen.

Wir fangen schnell an, diese Körpersprache zu interpretieren. Wenn wir selbst unsicher sind, könnten wir dieses Signal als Abwertung verstehen. Dabei könnte genau das Gegenteil der Fall sein.

Wenn wir unsere Körpersignale und die der andren ernst nehmen, wird sich das Gespräch weitaus lebendiger gestalten.

Sei selektiv authentisch!

Fast in jeder Gruppe gibt es Teilnehmer, die zu allem etwas zu sagen haben. Dadurch gehen ruhigere Teilnehmer schneller unter. Selektiv authentisch bedeutet in diesem Zusammenhang, das die Teilnehmer nicht alles sagen, was ihnen einfällt, aber das, was sie sagen, sollte echt sein.

Die TZI Gruppenregeln für Gruppen zusammengefasst

  • Sprich per ich und nicht per man!
  • Mach persönliche Aussagen, statt Fragen zu stellen.
  • Vermeide es, andere zu interpretieren, oder ihnen Ratschläge zu geben.
  • Sende Ich-Botschaften statt Du-Botschaften.
  • Sprich direkt zu anderen anwesenden Gruppenmitgliedern.
  • Seitengespräche haben Vorrang und sind oft wichtig.
  • Es soll nur einer auf einmal sprechen
  • Sei selektiv authentisch!

Leitlinien der Zusammenarbeit

Wie schon geschrieben möchte ich Ihnen hier noch die Ideen von Herrn Prof. Dr. Meixner darstellen. Seine Ideen für die Gesprächsregeln in Gruppen beinhalten, aus meiner Sicht, die Grundannahmen der TZI. Für mich sind sie deutlich praktischer.

  • Wir wollen ein Höchstmaß an erträglicher Offenheit praktizieren.
  • Wir wollen zuhören.
  • Wir wollen gemeinsam, voneinander lernen.
  • Wir wollen einander nicht verletzen.
  • Wir wollen versuchen, mit Kritik konstruktiv umzugehen.
  • Wir wollen aus Fehlern lernen.
  • Wir wollen alles verhindern, was die Person verletzt.
  • Wir vermeiden Monologe und setzen auf Dialoge.
  • Wir finden und formulieren gemeinsam Ergebnisse.
  • Wir nehmen den Gesprächspartner ernst und verzichten auf Bagatellisieren, Intellektualisieren und verbale Ringkämpfe.
  • Wir ermuntern uns zur Offenheit und setzen auf gemeinsames Mitdenken und Mitgestalten.

Weitergehende Literatur

Literatur

Wie die Gruppe laufen lernt – B. Langmaack

TZI – Die Kunst, sich selbst und eine Gruppe zu leiten – C. Löhmer, R. Standhardt

Hier finden Sie eine Übersicht zum Thema Team.

 

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