Gezielt Fragen stellen

Gezielt Fragen stellen

Während ich im letzten Artikel „Wie Sie die richtigen Fragen stellen“ auf die Grundlagen des Meta-Modells eingegangen bin, möchte ich folgend genauer auf Sprache eingehen. Es geht darum, wie Sie gezielt Fragen stellen, um mehr Informationen zu erhalten.

Gezielt Fragen stellen und der Sinn dahinter

Wenn Sie gezielt Fragen stellen, werden Sie ebenso akkurate Informationen sammeln. Sie können Ihre Mitarbeiter unterstützen. Gezielt Fragen stellen lenkt die Aufmerksamkeit auf einzelne Bereiche. Sowohl die Ihre als auch die Ihres Mitarbeiters. Es ist Ihnen hierdurch möglich (Vor-) Annahmen in Frage zu stellen und Wahlmöglichkeiten zu schaffen. Letzen Enden können Sie durch das exakte stellen von Fragen Strategien und Konzepte entwickeln.

Jetzt geht es darum, wie aus der Tiefenstruktur eine Oberflächenstruktur die Sprache „entsteht“.

Gezielt Fragen stellen von der Tiefenstruktur

Die Tiefenstruktur

Die Tiefenstruktur beinhaltet alles, was wir über eine Erfahrung wissen. Sie umfasst sowohl das bewusste, als auch das unbewusste Wissen. Wir gehen von einer Erfahrung aus, die wir über unsere Sinne empfunden haben. Denn nur durch sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken können wir die Welt wahrnehmen.

Im Akt der Wahrnehmung können Sie schon gezielt Fragen stellen. Fragen an sich selbst. Was genau sehe, höre, fühle, rieche und schmecke ich. Diese Fragen sind eine Hilfestellung, um Ihre Wahrnehmung zu erweitern. Eine erweiterte Wahrnehmung würde Ihnen helfen, andere in deren Wahrnehmung zu unterstützen.

Nehmen wir als Beispiel den Urlaub einer vierköpfigen Familie am Meer. Bewusst nehmen Sie vielleicht den Sonnenuntergang, das Rauschen der Wellen, die angenehme Temperatur des Wassers, den Geruch der Gräser und den Geschmack des Essens wahr. Die etwas entfernt liegende Mülldeponie wird vielleicht nicht bewusst wahrgenommen. Ihr Unterbewusstsein wird sie eventuell jedoch wahrnehmen. Da gibt es die Möwen, die über der Deponie kreisen. Zeitweise dringt das leise Geräusch der Maschinen an ihr Ohr. Je nachdem, wie der Wind steht, wird die Luft anders riechen und schmecken. All das wird bewusst nicht wahrgenommen. Es schwebt im Hintergrund.

Gezielt Fragen stellen zur Oberflächenstruktur

Der Weg an die Oberfläche

Wenn sie alle Eindrücke, die Sie jede Sekunde haben, bewusst wahrnehmen würden, würde das Ihr Gehirn überlasten. Sie können nicht anders, Sie müssen tilgen.

Ein Krankenpfleger auf der Intensivstation würde wahrscheinlich wahnsinnig werden, wenn er jedes Piepen und Surren der Geräte immerzu wahrnimmt. In dem beispiel zeigt sich die Genialität unseres Unbewussten. Sobald ein Gerät ein abweichendes Geräusch, in einem Getümmel von Geräuschen erzeugt, wird es von einem erfahrenen Krankenpfleger sofort registriert. Gezielt Fragen stellen kann in einem solchen Bereich, für neue Mitarbeiter äußerst gewinnbringend sein.

Auch im Urlaub unserer angenommenen Familie wird es Schwierigkeiten gegeben haben. Wenn die Zeit in ihrer Gesamtheit schön war, werden abweichende Situationen getilgt oder verzerrt. Diese ist übrigens oftmals der Fall, wenn Situationen von unseren Erwartungen abweichen. Leider auch im negativen Bereich.

Wenn beispielsweise ein Mitarbeiter glaubt, dass Sie ihm nicht gut gesonnen sind, wird er positive Aussagen in seine Richtung selten wahrnehmen. Gezielt Fragen stellen, kann in einem solchen Fall die Zusammenarbeit erleichtern. 

Dann kommt noch die Verallgemeinerung beziehungsweise die Generalisierung. Auf den Urlaub bezogen kann es sein, dass die Familie immer wieder nach Spanien fährt. In Spanien ist die Zeit halt am schönsten. Wenn der Krankenpfleger das Glück hatte, in einem guten Team zu landen, wird er vielleicht alles, was auf der Intensivstation passiert, als Bereicherung wahrnehmen. Auch er wird zum Generalisieren neigen.

In der Regel wird Ihre Erfahrung durch alle drei Filter laufen. Tilgung, Verzerrung und Generalisierung sind ein wichtiger Teil unseres Verarbeitungsprozesses. Erst wenn diese drei Filter durchlaufen sind, kommt Ihre Erfahrung an die Oberfläche. Sie wird als Sprache formuliert. Gezielt Fragen stellen kann den Prozess ein wenig umkehren und Ihnen wichtige Informationen bescheren.

Die Oberfläche, unsere Sprache

Wenn die Erfahrung dann benannt ist, können solche Sätze entstehen: „Es war ein schöner Urlaub!“, oder „Es war ein angenehmer Dienst.“ Während wir, außer bei engen Freunden, zum Urlaub kaum gezielt Fragen stellen, kann es beim Dienst unterstützend sein. Hier können Sie Informationen erhalten, mit deren Hilfe Sie Ihren Mitarbeiter und Ihr Team weiterentwickeln können.

Gezielt Fragen stellen ein Beispiel

Schauen wir uns die Fragen zum Dienst mal an:

  • Was war an dem Dienst angenehm?
  • Wer ist es, für den der Dienst angenehm war? (Diese Frage wirkt ein wenig konstruiert. Ich werde an anderer Stelle noch genauer darauf eingehen.) Sie kann Ihnen Informationen darüber geben, ob er für alle angenehm war. Wer war im Dienst zugegen?
  • Wann hat ihr Dienst stattgefunden? (Es gibt vielleicht einen Unterschied zwischen Früh-, Spät- und Nachtdienst. Dies kann von Person zu Person sehr unterschiedlich sein.)
  • Wo genau haben Sie gearbeitet, dass sie es als angenehm empfanden?
  • Wie haben sie gearbeitet? Wie sind sie mit Schwierigkeiten umgegangen?

Gezielt Fragen stellen durch offene Fragewörter

In der deutschen Sprache gibt es fünf Fragewörter, die das „gezielt Fragen stellen“ erleichtern. Diese Fragewörter sind: „Was?, Wer?, Wann?, Wo?, Wie?“ Eventuell kennen sie die Fragen noch aus der „Rettungskette“ beim Erste-Hilfe-Kurs.

Ein weiteres Fragewort „Warum?“ sollten sie sehr sparsam, wenn überhaupt, gebrauchen.

Ich werde im Folgendem von „Handlung“ schreiben. In diesem Zusammenhang ist eine Aussage eine mündlich durchgeführte Handlung. Sie können beide Begriffe synonym verwenden.

Warum?

Die Antwort auf ein „Warum?“ ist meist ein „weil …“ gefolgt von einer historischen und theoretischen Erklärung. Aus einer „Warum?“ Frage erhalten Sie äußerst selten ein spezifisches Detail. Sie geraten vielmehr in den Bereich von Rechtfertigungen für ein Handeln. Das wiederum kann schnell zu verhärteten Fronten führen. „Warum?“, sucht nach einer Bedeutung, nach Werten und Ursachen in der Vergangenheit. Es entsteht schnell ein Vorwurfscharakter.

Seien Sie sehr vorsichtig im Umgang mit dem Fragewort „Warum?“!

Was?

„Was?“, ist die Frage nach Informationen und Zielen. „Was wollen Sie mit der Handlung erreichen?“

Wer?

Bei „Wer?“ stehen sie Personen im Vordergrund. Hierbei kann es sowohl um die beteiligten Personen als auch um die ausführende Person einer Handlung gehen.

Wann?

Das „Wann?“ orientiert sich in der Zeit. Zeitbezogene Informationen wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, spielen eine Rolle. „Wann?“ ist ebenso die Frage nach einem Auslöser für eine bestimmte Handlung.

Wo?

Das „Wo?“ fragt nach dem Ort. Diese umfasst den Ort, an welchem die Handlung ausgeführt wurde oder an welchem sie startete. Genauso fragt es nach dem Ursprungsort der Handlung. Von wo aus hat die Handlung ihren Verlauf genommen?

Wie?

Die Frage „Wie?“ konzentriert sich auf Prozesse. Sie untersucht diese Prozesse, macht sie sichtbar und erkundigt sich nach den Strategien hinter der Handlung. Darüber hinaus fragt sie nach Qualität und Quantität.

Weiterlesen

NLP das Workbook – Joseph O´Connor

Links

Nur offene Fragen ermöglichen neue Erkenntnisse

 

Möchten Sie keinen Artikel mehr verpassen? Wollen Sie zusätzlich den Selbstcoachingbrief erhalten? Dann tragen Sie sich doch einfach in den Newsletter ein!

Unser Newsletter informiert Sie über Themen der sozialen Arbeit im Insbesonderen über Themen von Leitungsfunktionen in der sozialen Arbeit. Informationen zu den Inhalten, der Protokollierung Ihrer Anmeldung, dem Versand über den US-Anbieter MailChimp, der statistischen Auswertung sowie Ihren Abbestellmöglichkeiten, erhalten Sie am Ende unserer Datenschutzerklärung.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.