Grundlagen der Wahrnehmungspositionen

Grundlagen der Wahrnehmungspositionen

Ähnlich wie die logischen Ebenen sind auch die Wahrnehmungspositionen eine universell einsetzbare Methode. In erster Linie geht es darum, schwierige Gespräche vorzubereiten und durchzuführen. Sie stellen eine Art von Probehandeln dar.

Durch eine Gesprächsvorbereitung mittels der Wahrnehmungspositionen werden Sie in einem Gespräch sicherer auftreten und präsenter sein können. Um einen solchen Ablauf wird es allerdings erst im nächsten Artikel gehen.

In einem weiteren Artikel möchte ich Ihnen aufzeigen, wie Sie Übertragungen und Gegenübertragungen nach Gesprächen aufzulösen können. Dafür benötigen Sie das grundlegende Verständnis dir Methode. Für mich ist dieser zweite Bereich wesentlich in meiner Arbeit geworden. Doch dazu folgt noch ein Artikel.

Am Ende des Artikels finden Sie eine kurze Darstellung, wie Sie die verschiedenen Wahrnehmungspositionen jetzt schon einsetzen können.

Die unterschiedlichen Sichtweisen

Bereits als Kinder lernen wir, dass nicht jeder unsere Sichtweise der Welt teilt. Manchmal ist die Welt ein einfaches Gespräch. Ein andermal ein grundlegender Diskurs über die Arbeit oder unsere Werte. Wir erleben immer wieder, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt, obwohl unsere (uns) so eindeutig erscheint.

Um eine Situation, ein Problem, Marketing oder eine Darstellung besser zu verstehen, sollten wir sie aus verschiedenen Positionen heraus betrachten. Unsere eigene Sichtweise vermittelt uns nur einen sehr eingeschränkten Blick auf einen ganz bestimmten Ausschnitt.

Ziel der Wahrnehmungspositionen ist es, unser Verständnis zu erweitern und somit einer „Gesamtwirklichkeit“ näher zu kommen. Im Internet grassiert gerade eine Geschichte die zu mindestens zwei Wahrnehmungspositionen verdeutlicht.

Ein Professor zeigt während einer Vorlesung seinen Studenten ein Buch und sagt, das Buch ist rot. Die Studenten widersprechen. Sie sehen ein schwarzes Buch. Der Professor bleibt bei seiner Behauptung und die Diskussion wird heftiger. 

Vielleicht ahnen Sie es schon. Die Seite des Buches, das zum Professor weist, hat einen roten Umschlag und die zu den Studenten einen schwarzen. Die Quintessenz ist also, niemals die Ansicht einer Person als abwegig darstellen, ohne eine Situation aus ihrer Sicht angeschaut zu haben.

In diesem Beispiel haben wir schon zwei Wahrnehmungspositionen. Die eigene und die des Gegenübers. Die Geschichte ließe sich hier noch durch eine weitere der Wahrnehmungspositionen komplettieren. Die der Beziehung zwischen Studenten und Professor.

Die drei Wahrnehmungspositionen

Die drei Wahrnehmungspositionen

Nun möchte ich auf die drei Wahrnehmungspositionen im Einzelnen eingehen. Die vierte Position (Meta) benötigen wir erst in einem Modell, das ich Ihnen im nächsten Artikel erkläre. Sie können diese erst einmal außer Acht lssen.

Die erste Position (Pos. 1)

Auf der Position geht es um Ihre eigene Wahrnehmung. Sie beachten die Situation aus Ihrem ureigenen Blickwinkel. Sie nehmen sie wahr, mit all Ihren Sinnen. Zu einem großen Teil werden Sie die Situation auch innerlich bewerten. Ein solche Bewertung ist ein nützlicher Prozess, der meist schnell und unbewusst abläuft.

Wenn wir jede Situation von Grund auf neu organisieren müssten, wäre das für uns sehr anstrengend. Genauso wie eine Bewertung für uns nützlich ist, kann sie im Umgang mit anderen schwierig werden. Hier setzen die Wahrnehmungspositionen an. Dazu im Folgenden mehr. Zurück zur ersten Position.

Wenn Sie Menschen mit Ihrem Handeln unterstützen wollen, brauchen Sie eine starke erste Position. Dieses gilt im Besonderen, wenn Sie eine Leitungsfunktion übernehmen. Sie sollten sich selbst, Einstellungen und Werte kennen. Hierdurch können Sie eine Vorbildfunktion für andere sein und sie ermutigen, es Ihnen gleich zu tun.

Die zweite Position (Pos. 2)

In der zweiten Position gehen Sie in die Sichtweise eines anderen auf eine bestimmte Situation oder ein Problem. Der Andere ist hier ein Synonym. Es kann sich sowohl um eine konkrete Person, wie auch um eine bestimmte Gruppe handeln. Ein Beispiel für Gruppen wäre das Team, die Organisation, die Kunden oder Klienten.

Wenn Sie die Sichtweise des anderen verstehen, wird Ihnen das manches erleichtern. Zum einen ist das die Grundlage für Empathie. Zum anderen können Sie dieses Verständnis nutzen, um in einen guten Kontakt zu gelangen.

Sie können bei der zweiten Position, innerhalb der Wahrnehmungspositionen, eine Unterscheidung treffen. Es gibt eine intellektuelle und eine emotionale Sichtweise auf jede Situation. In der Intellektuellen geht es um die Denk- und Herangehensweise zum Beispiel bei Problemlösungen oder Zielen.

Bei der Emotionalen um die Gefühle, die mit einer Situation verbunden sind. Im Grunde nutze ich immer beide. Aus meiner Sicht gibt es keine Handlung ohne Gefühle. Je nachdem, wie stark ich oder mein Gegenüber gefühlsmäßig in einer Situation verstrickt sind, macht eine Aufspaltung Sinn.

Dinge auf einer emotionalen Ebene zu klären ist meist schwerer als ein Klärungsversuch auf einer sachlichen Ebene. Anderseits wird eine sachliche Klarstellung der Situation sich ebenfalls auf die mit der Situation verbundenen Gefühle auswirken.

Daher gehe ich häufig zuerst in die Intellektuelle, dann in die emotionale zweite Position der Wahrnehmungspositionen. Hierdurch fällt es auch mir einfacher, den gefühlsmäßigen Anteil werde zu über- noch zu unterbewerten.

Wohlgemerkt, in dieser zweiten der Wahrnehmungspositionen geht es um ein Verständnis des Anderen. Das bedeutet nicht, dass Sie mit dem Gegenüber einer Meinung sein müssen. Sie müssen auch nicht seine Vorstellungen von der Welt teilen. Mir hilft es hier, nach der positiven Absicht zu suchen.

Die dritte Position (Kam.)

Die dritte der Wahrnehmungspositionen bietet einen möglichst objektiven Blick auf die Beziehung zwischen Ihnen und dem (den) Anderen. Aus diesem Grund bezeichne ich diese Position auch gerne als Kameraposition.

Aus ihr heraus lässt sich eine rein beschreibende Darstellung der Beziehungen zwischen den beiden anderen Wahrnehmungspositionen am einfachsten bewerkstelligen. Was für ein Verhältnis besteht zwischen den beiden? Wie stellt sich dieses Verhältnis verbal und körpersprachlich dar?

Sie können auch die Beziehung zwischen den beiden Standpunkten erkennen. Oft wird es Ihnen in dieser Situation einfacher fallen, Gemeinsamkeiten zu erkennen. Diese können Sie dann für ein Gespräch oder ein Konzept nutzen.

Mir hilft es manchmal, mir einfach nur vorzustellen, wie ein Dritter, unbeteiligter aus der Ferne unsere Beziehung zueinander empfinden würde.

Umsetzung in der Praxis

Für die Praxis

Auch wenn es sich in diesem Artikel vermehrt um ein theoretisches Verständnis handelt, können Sie einen praktischen Nutzen daraus ziehen.

Bedenken Sie bei Gesprächen daran, dass es immer mindestens zwei Sichtweisen auf ein Thema gibt. Sollten Sie vor einem schwierigen Gespräch oder eine Verhandlung stehen, überlegen Sie sich, welche Sichtweise Ihr Gegenüber haben könnte.

Nutzen Sie Gespräche mit Kollegen, Ihrem Supervisor oder Coach sich eine möglichst neutrale Rückmeldung geben zu lassen. Beschreiben Sie die Situation und fragen gezielt nach Ihrer Wirkung und anderen Sichtweisen auf das Geschehen.

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Hier geht es zur Methodenübersicht in diesem Blog.

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