Konstruktive Gespräche in problematischen Situationen

Konstruktive Gespräche einfacher führen

In diesem Artikel geht es darum, wie Sie konstruktive Gespräche in schwierigen Situationen führen können. Das Ziel eines solchen Dialoges ist es, von einem Problem, über ein Ziel zu einer Strategie zu gelangen. Hierbei sollen die Ressourcen, sowohl die vorhandenen wie auch die benötigten, mit einbezogen werden.

Ob es hierbei um Mitarbeiter oder Klienten geht, ist nebensächlich. Das System ist in beiden Fällen das gleiche. Für diesen Artikel greife ich auf das Herdplattenmodell von Martina Schmidt-Tanger zurück.

Konstruktive Gespräche mit dem Herdplatten-Modell

Die Idee der Herdplatten

Vielleicht kennen Sie folgende Situationen: „Ein Mitarbeiter hat seit Wochen eine Schwierigkeit, kann sie aber nicht auflösen. Ein Klient kann ein klares Ziel benennen, kommt jedoch keinen Schritt weiter.“

Beide „kochen“ auf der entsprechenden Herdplatte. Es wird dementsprechend schon ziemlich heiß dort. Ein Ausbrennen ist in beiden Fällen eine Möglichkeit. Konstruktive Gespräche wollen genau das verhindern.

Dann gibt es noch die Eventualität, dass beispielsweise ein Problem oder Ziel nur lauwarm ist. Wenn das Problem nicht wirklich heiß ist, wird es keine Veränderung geben. Ist das Ziel zu kühl, wird sich niemand darauf hinbewegen.

Konstruktive Gespräche nutzen die Chance, einzelne „Platten“ zu erhitzen, um so die Wahrscheinlichkeit eines Wandels zu verbessern. Insgesamt also eine gute Metapher, die Sie in Ihrer Handhabung unterstützen kann.

Voraussetzung für konstruktive Gespräche

Bevor Sie in konstruktive Gespräche einsteigen, sorgen Sie bitte dafür, dass Sie einen guten Kontakt zu Ihrem Gegenüber aufbauen. In einem Abhängigkeitsverhältnis ist es oftmals schwierig, auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Hier ist es besonders wichtig, wie Sie Ihr Amt einnehmen. Eine offene, wertschätzende und professionelle Haltung wird Sie hierbei unterstützen. Halten Sie sich, so gut Sie können, mit Bewertungen zurück.

Herdplatten Modell Übersicht

Übersicht Herdplattenmodell

Wie Sie in der Skizze sehen, gibt es vier Herdplatten: Das Problem, das Ziel, die Ressourcen und die Strategie. Das konstruktive Gespräch würde im idealtypischen Fall genau diesen Weg nehmen. Leider ist der Verlauf in den seltensten Fällen idealtypisch.

Viele Menschen wollen möglichst schnell von einem Problem weg. Sie entwickeln ohne Umwege eine Strategie. Wenn weder das Ziel noch die Ressourcen klar sind, dann wird es jedoch schwierig, die Strategie auch umzusetzen.

Ich habe in meinen Coachings auch immer wieder Menschen getroffen, die Strategien entwickelt hatten. Sie behielten diese, ohne das es hierfür einen Grund (ein Problem) gab bei. Das kann ebenfalls zu größeren Erschwernissen führen.

Das Ding mit dem Problem

In der Überschrift habe ich „problematisch“ geschrieben. Sind Probleme nicht nur Herausforderungen? Ja und Nein gleichermaßen. Ich glaube, dass es viel Sinn macht, wenn Sie für sich das Wort „Problem“ durch „Herausforderung“ ersetzen. Worte schaffen eine Wirklichkeit.

Ich finde es ebenfalls gut, wenn Sie Mitarbeiter und Klienten in der Umformulierung unterstützen. Manchmal kann die Aussage „Probleme sind Herausforderungen“ jedoch Schaden anrichten. Ihr Gegenüber fühlt sich bei einer solchen oder ähnlichen, Aussage nicht gesehen.

Wenn es für Ihr Gegenüber ein Problem ist, lassen Sie es durchaus erst einmal so stehen. Zur Herausforderung wird es von alleine, wenn Sie bei der Strategie ankommen.

Herdplatten-Modell Problemplatte

Die Problem-Platte

Wenn Ihnen Informationen fehlen, ist es wichtig, dass Sie zuerst auf dieser „Platte“ bleiben. Haken Sie genau nach. Was glaubt Ihr Gesprächspartner über das Problem? Wie sieht er sich im Zusammenhang mit dem Problem? Welche Rolle schreibt er sich und anderen im Zusammenhang mit dem Problem zu? Wie stört ihn das Problem? …

Wenn Mitarbeiter oder Klienten das Problem kleinreden, oder wenn es von anderen an Sie herangetragen wurde, sollten sie ebenfalls auf dieser Stelle verharren. Versuchen Sie gemeinsam, das Problem und die Zusammenhänge zu erkennen. Konstruktive Gespräche erkenne sie an der Klarheit der einzeln Punkte, so auch der Problemdefinition.

Ziele, Ziele, Ziele

Für wie wichtig ich das Thema Ziele halte, ist Ihnen bestimmt schon aufgefallen. Ich möchte hier gar nicht näher darauf eingehen. Schauen Sie sich, wenn Sie diese noch nicht kennen, meine Artikel zum Thema an. (SMART-Modell; SCORE-Modell; Vom Wunsch zum Ziel)

Herdplatten-Modell Zielplatte

Die Ziel-Platte

Hier geht es darum, ein Ziel zu konstruieren, welches motiviert. An fehlender Motivation scheitern die meisten Ziele. Sie können selbst noch so motiviert sein und ein Ziel als Erkenntnis des Universums anpreisen, das reicht nicht. Erst wenn Ihr gegenüber an das Ziel glaubt, wird es funktionieren.

Auf dieser Platte haben wir eine Schwierigkeit. Viele Menschen fangen zu früh an, an ihre fehlenden Fertigkeiten (Ressourcen) zu denken. Oder sie Versuchen hier schon klar zu haben, wie die Zielrichtung (Strategie) aussehen kann. Auf dieser Platte ist es Ihre Aufgabe, immer wieder auf das Ziel zurückzukommen.

Hierbei hilft es mir meist, mit Karteikarten zu arbeiten. Auf diese Karteikarten schreibe ich die Einwände, damit sie nicht vergessen werden. An geeigneter Stelle greife ich auf die Karten zurück und bringe Sie wieder ein. Oftmals haben sich die Einwände dann schon erledigt.

Ressourcenreiche Umgebung

Gerade wenn Menschen in einem Problem feststecken, sind sie sich ihrer Ressourcen meist nicht bewusst. Teilweise streiten sie diese sogar ab. Dass Sie zu früh auf diese „Platte“ gewechselt haben, werden Sie an den Widerständen bei der Ressourcenerkundung erkennen.

Wir leben in einer Zeit und Umgebung, die geradezu voll von Möglichkeiten ist. Manchmal erkennt man das Meer vor lauter Wellen nicht. Es kann für Sie hilfreich sein, eine etwas außenstehende Position einzunehmen. Behalten Sie den Überblick, auch das zeichnet konstruktive Gespräche aus.

Herdplatten-Modell Ressourcenplatte

Die Ressourcen-Platte

Hier geht es um die Ressourcen auf verschiedenen Ebenen. Zuerst die der eigenen Person. Gab es bereits ähnliche Situationen, welche ihr gegenüber erfolgreich gemeistert hat? Wie (genau und konkret) ist er dabei vorgegangen?

Dann gibt es die personengebundene Umgebung. Gibt es Personen, die Ihrem gegenüber beistehen oder ihn sogar unterstützen könnten? Gibt es direkte Möglichkeiten der Hilfe durch Dritte?

Zu erlernende Ressourcen. Vielleicht muss beispielsweise noch eine Sprache oder ein Computerprogramm beherrscht werden, um weiterzukommen. Wie könnte sich Ihr gegenüber gezielt benötigte Ressourcen aneignen?

Letztendlich auch materielle Ressourcen. Werden Gelder oder Materialien benötigt? Woher könnten Sie kommen? Wer muss befragt werden? Welche Alternativen könnte es geben?

Strategisch denken will gelernt sein

Strategisches Denken ist niemanden in den Schoß gefallen. Es gibt Menschen, die sich sehr früh dafür interessiert haben. Gelernt wurde es jedoch von jedem. Eine Strategie scheitert häufig daran, dass die einzelnen Schritte nicht klar sind. Die Menschen verhaspeln sich. Sie fallen auf die Problem- oder Ressourcen-Platte zurück.

Bei diesem Schritt macht es sehr viel Sinn, die Strategie zu visualisieren. Am einfachsten gelingt das mit einer stichpunktartigen Darstellung auf einem Flipchart. Sie können die Strategie auch als Bodenanker auslegen. (Auf das Thema Bodenanker werde ich noch genauer eingehen.)

Herdplatten-Modell Strategieplatte

Die Strategie-Platte

Hier gehen Sie noch einmal mit Ihrem Gegenüber gedanklich auf die Ziel-Platte zurück. Was soll erreicht werden? Mit welchen Mitteln soll es erreicht werden? Hier kommt die Ressourcen-Platte zum Zuge. Was wären die einfachsten ersten Schritte? Nun sind wir bei der Strategie.

Nach meiner Erfahrung macht es Sinn, nach den ersten benannten Schritten eine Pause einzulegen. Natürlich erst, nachdem sie genau benannt und terminiert wurden. Diese Pause darf auch mehrere Tage dauern.

Jetzt geht es darum, die konkreten Meilensteine bis zum Ziel zu beschreiben. Es ist sehr hilfreich, wenn es für die Zielerreichung bereits Vorbilder gibt. Überlegen Sie, wie Sie solche Vorbilder mit einbeziehen können.

In diesem Schritt dürfen Sie auch gerne etwas kreativ werden. Bei mir bekamen durchaus schon Biene Maya und James Bond die Rolle eines Vorbildes. Genauso passen andere Mitarbeiter, Klienten oder auch Sie in die Rolle eines Vorbildes.

Hier geht es zur Methodenübersicht.

 

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2 comments on “Konstruktive Gespräche einfacher führen

  1. Hallo Peter,

    super Artikel und eine tolle, einfache Methode, die du vorstellst. Meiner Erfahrung nach funktioniert der Prozess besser, wenn man wirklich “sortenrein” bleibt. Also erst auf Platte eins zu Ende kochen.

    Und an der Stelle, als du das Flipchart erwähntest, war ich hin und weg 🙂

    Viele SinnSTIFTende Grüße,
    David

    1. Hallo David,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich finde den Ablauf über die verschiedenen Platten ebenfalls sehr gelungen. Obwohl das Format sehr einfach ist, ist es sehr wirkungsvoll.
      Beim Flipchart habe ich übrigens direkt an dich denken müssen.
      Viele Grüße zurück
      Peter

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