Meine Wurzeln liegen in der Gestalttherapie

Gestalttherapie, was ist das?

Aus meiner Sicht ist die Gestalttherapie viel schwieriger zu beschreiben, als jede andere mir bekannte Form der Therapie. Lore (später Laura) Pearls, eine der Mitbegründerinnen der Gestalttherapie hat es so ausgedrückt: „Es gibt so viele Arten der Gestalttherapie, wie es Gestalttherapeuten gibt.“ Aus diesem Grund geht es gleich um meine persönlich Sicht auf die Gestalttherapie. Diese Sicht ist sicherlich nicht zu verallgemeinern. Ich möchte Ihnen hier die Gelegenheit bieten, meinen Gedankengängen zu folgen. Eine gute allgemeine Übersicht zum Thema Gestalttherapie finden SIe auf Wikipedia. Doch nun zu mir.

Die Gestalttherapie und ihr Menschenbild

In seinem Buch „Gestalttherapie als kreativer Prozess“ beschrieb es Dr. Joseph Zinker sinngemäß so: Nimm einen Menschen an, wie er ist. Bei einem Sonnenaufgang würdest du ja auch nicht sagen: „Er ist ja ganz nett. An der Stelle über den Felsen hätte ich gerne noch etwas mehr Orange und das Meer könnte ein wenig roter sein.“ Du genießt ihn, wie er ist.

Für mich ist das ein sehr schönes Menschenbild. Menschen so anzunehmen, wie sie sind. Jeder für sich genommen ist wunderbar. Natürlich ist das für mich auch manchmal eine Herausforderung. Aber wie heißt es so schön: „Man wächst an seinen Herausforderungen.“ Das heißt im übrigen nicht, dass man seine eigenen Grenzen fallen lässt. Im Gegenteil, die Gestalttherapie lädt dazu ein, bei sich zu sein. Grenzen setzen ist hierfür eine Mitbedingung.

Veränderungen und Gestalttherapie

Wenn wir Menschen annehmen, wie sie sind, wie geschieht dann Veränderung? Ich persönlich glaube, dass „Annehmen“ der erste Schritt zur Veränderung ist. Veränderung in der Gestalttherapie bedeutet, zu werden, wer man ist. (A.R. Beisser)

Wir alle haben in unserem Leben verschiedene Rollen intus. Wir sind Partner, Mitarbeiter, Freund…

Manchmal verwechseln wir diese Rollen mit unserem wahren Selbst. Ziel der Gestalttherapie ist es, uns immer mehr unserem wahren Selbst zu nähern. Es geht darum, nicht so zu sein, wie die anderen uns haben wollen. Wir sollten hier zwischen den Erwartungen anderer sowie den eigenen Wünschen und Bedürfnissen unterscheiden. Das kann auch bedeuten, dass wir uns den Erwartungen der anderen anpassen. Diese Anpassung geschieht dann bewusst, aus einem eigenen Wunsch und Antrieb heraus. Das Individuum steht, mit allen Vor- und Nachteilen dieses Ansatzes, im Mittelpunkt der Gestalttherapie. Authentizität ist, wie bereits dargestellt,  ihr Ziel.

Gestalttherapie ist Kontakt

Nach J.S. Simkin ist Gestalttherapie lernen, in Beziehungen. Aus diesem Grund ist der Kontakt zwischen Klient und Therapeut der wichtigste Bereich in der Gestalttherapie. In Gruppentherapien, für die Gestalttherapie bekannt ist, kommt der Kontakt zur Gruppe und deren Mitgliedern hinzu. Die guten Erfahrungen in der Gruppentherapie spiegeln sich auch in der Organisationsberatung wieder. In vielen Formen dieser Beratung lassen sich Ansätze der Gestalttherapie erkennen.

Der Kontaktgedanke der Gestalttherapie geht über den zwischenmenschlichen Kontakt hinaus. Für mich persönlich umfasst er alle Kontakte, die wir haben. Er umfasst jedes Lebewesen.

Und nochmal weiter! Es geht um unseren persönlichen Kontakt beispielsweise zu unserer Arbeit oder zum Essen. Warum fallen uns verschiedene Arbeiten schwer? Wie können wir das ändern, wenn wir es wollen? Wie gestalten wir den Austausch im Team? Warum essen wir Lebensmittel, die uns nicht gut tun?…

In diesem Zusammenhang ist der Respekt vor der Selbstorganisation des Menschen wichtig. Hierzu gehört das achten der jeweiligen Wirklichkeit, Persönlichkeit und Würde jeder Person. All das legt die Grundsteine zu lebenslangem Wachstum.

Gestalttherapie und Handeln

Die Gestalttherapie bleibt nicht beim Gespräch alleine. Der gesamte Mensch mit Körper, Geist und Seele wird einbezogen. So wird such das (Probe)Handeln einen festen Bestandteil in der Gestalttherapie haben. Die Kluft zwischen Denken, Sein und Handeln wird überbrückt.

Da es in der Gestalttherapie auch um eine kreative Anpassung oder den kreativen Umgang mit Situationen geht, kommen, unter anderem, künstlerische Elemente zum Einsatz.

Gestalttherapie und Achtsamkeit

In der Gestalttherapie geht es um das Leben im „Hier und Jetzt“. Achtsamkeit, ein Begriff der derzeit in vieler Munde ist (845.000 Treffer bei Google), ist seit jeher Bestandteil der Gestalttherapie. In ihrem Ansatz wird er mit Awareness oder Gewahrsein beschrieben. Awareness geht, aus meiner Sicht ein Stück weit über Achtsamkeit hinaus.

Fritz Perls, die Hauptfigur der „Gestaltbegründer“ sagt zum Leben im „Hier und Jetzt“: „Ob du dich erinnerst, oder vorwegnimmst, du tust es jetzt. Die Vergangenheit ist nicht mehr. Die Zukunft ist noch nicht.“

Nochmal zu mir

Gestalttherapie lässt für mich viel Raum. Raum, der gemeinsam gestaltet werden kann. Da sich alle Beteiligten einbringen, geht jeder mit neuen, erweiternden Erfahrungen seiner Wege. Für mich ist Gestalttherapie das Teilen der Freude am Leben in seiner Gesamtheit.

Natürlich gibt es auch unangenehme Gefühle und Situationen. Diese werden ebenfalls willkommen geheißen und wirken bereichernd. Denn auch sie gehören zu einem erfahrungsreichen Leben einfach dazu.

Alles in allem ist der Ansatz der Gestalttherapie für mich zu einer Lebenseinstellung geworden.

 

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