Soziale Arbeit – Nehmen Sie Ihr Amt ein.

Nehmen Sie Ihr Amt ein!

Ein sicheres Auftreten und einen grundlegenden Selbstschutz erreichen Sie am einfachsten, wenn Sie ihr Amt, Ihre Rolle, gezielt einnehmen. In meinem Artikel „Die Arbeit beenden“ bin ich bereits auf die Wichtigkeit der Rollenübernahme eingegangen. Gerade für die soziale Arbeit ich den Nutzen dieser Rolle nochmals gezielt aufzeigen.

Amt, Rolle und soziale Arbeit

Eigentlich könnte man in diesem Fall Amt und Rolle Synonym ansehen. Zur Verstärkung Ihres Nutzens, für die soziale Arbeit, halte ich die Vorstellung eines Amtes für Gewinnbringender. Die Idee des Amtes stammt aus meiner NLP-Ausbildung.

Nehmen Sie für die Metapher des Amtes beispielsweise einen Richter. Ein Richter ist ein ganz normaler Mensch mit allen Punkten, die einen Menschen auszeichnen. Mit angenehmen und weniger angenehmen Anteilen. Sobald er seine Robe anzieht, ist er in seinem Amt. Aus diesem Amt heraus handelt er. Er verurteilt oder spricht frei. Hier wirkt er nicht als der Mensch, der er ist, sondern aus seinem Amt heraus.

Soziale Arbeit – sicheres Auftreten

Sicheres Auftreten bei Konflikten

Viele Konflikte oder Anfeindungen haben nichts mit Ihnen persönlich zu tun. Sie entstehen aus dem Amt, das Sie bekleiden. Sobald Sie sich dessen bewusst sind, wird es für Sie einfacher, mit solchen Dingen umzugehen. Ihre soziale Arbeit wird davon profitieren, wenn Sie einen gewissen Abstand zwischen sich und Ihre Kunden bringen können.

Sie können sich ein sicheres Auftreten bewahren und haben einen besseren Selbstschutz. Es wird ihnen leichter fallen zu agieren, anstatt zu reagieren.

Sobald Sie Sachen zu persönlich nehmen, bringen Sie sich in einen niedrigen Status. Das Selbstwertgefühl sinkt. Die soziale Arbeit und Sie persönlich leiden darunter.

Ein Beispiel aus meiner Arbeit

Eine Kollegin betreute junge Frauen, die alleine in einer Wohnung leben. Die Absprache war, dass es nach 22 Uhr keine Männerbesuche mehr in der Wohnung gibt. Das sollte die jungen Frauen, welche meist Gewalterfahrungen hatten, schützen.

Zu einer dieser jungen Frauen hatte die Kollegin nach eigenen Absprachen ein sehr gutes Verhältnis aufgebaut. Eines Abends, als die Kollegin ihren Abschlusstermin bei der Frau hatte, hörte sie ein Niesen aus dem Kleiderschrank.

Sie fühlte sich, verständlicherweise, hintergangen. Dennoch war sie, aus meiner Sicht, persönlich zu involviert. Soziale Arbeit bedeutet für mich auch immer Beziehungsarbeit. Da die Kollegin mit der Frau weiterarbeiten „musste“ und wollte, habe ich in diesem Moment die Funktion des Amtes eingeführt.

Es wurde deutlich, dass der „Vertrauensbruch“ mehr mit ihrem Amt als mit ihrer Person zusammenhing. Jedem anderen, der dasselbe Amt eingenommen hätte, wäre es genauso ergangen.

Danach besprachen wir, welche Reaktionen aus dem Amt heraus erfolgen konnten. Um in der Beziehungsarbeit bleiben zu können, suchten wir hier auch nach Reaktionsmöglichkeiten.  So konnte die Arbeit letztendlich gewinnbringend weitergeführt werden. 

Soziale Arbeit – Einfluss

Soziale Arbeit und Einfluss

Aus meiner Erfahrung heraus denken und tun die Menschen, was sie wollen. Das bedeutet, dass Sie keinen direkten Einfluss darauf haben, was jemand von ihnen denkt. Dennoch reagieren wir schnell auf das, was andere über uns äußern. Teilweise sogar auf das, was wir glauben, was sie denken.

Gerade wenn Sie die Aussage oder Handlung negativ empfinden. Sie fühlen sich angegriffen. Ihre soziale Arbeit leidet und Sie müssen wieder etwas abstand gewinnen, um agieren zu können. Entweder rechtfertigen Sie sich, ziehen sich zurück oder gehen in den Gegenangriff. In allen Fällen sind Sie, aus meiner Sicht, in einer schwachen Position. Sie reagieren, anstatt zu agieren.

Kevin Dutton sagt, in seinem Buch „Der Psychopath in dir“ zu dem Thema: „Unser Territorialinstinkt kommt zum Vorschein, wenn wir glauben, etwas dringe in unsere psychologischen Hoheitsgewässer ein.“ Sobald dieser Instinkt die überhand gewinnt, schalten wir auf Flucht, Todstellen oder Kampf.“ Für mich liegt, einmal mehr, die Betonung auf „glauben“. Wenn Sie in Ihrem Amt sich, haben Sie einen Abstand.

Soziale Arbeit und Leitung

Michael Herzka schreibt in seinem Buch „Führung und Widerspruch“: „Bezüglich der MitarbeiterInnen kann von einer kritischen Haltung gegenüber Führung ausgegangen werden. (Herr Herzka ersetzt Leitung durch Führung.) Dieses mit guten professionellen Gründen: Aus der eigenen, reflektierenden Erfahrung im Umgang mit KlientInnen und weiteren Anspruchsgruppen sind sie besonders sensibilisiert für Fragen von Macht, Manipulation und Abhängigkeit. Die fundamentale Skepsis gegenüber der Steuerbarkeit von Organisationen […] zeichnet alle helfenden, unterstützenden und fördernden Professionen aus.“

In diesem Absatz wird das Spannungsfeld „soziale Arbeit“ und Leitung sehr deutlich dargestellt. Auch die Übertragungen in Richtung der Gesamtorganisation sind zu beachten. Die Leitung wird als verlängerter Arm der Organisation wahrgenommen. Schwierigkeiten, die aus der Einrichtung heraus auftreten, werden an der Leitung „ausgelassen.

Hinzu kommt noch, dass es zwischen Menschen, gerade in Teams, immer wieder zu Phänomenen der „Übertragung und Gegenübertragung“ kommt.

Um hier gelassener und freier zu agieren, ist es wichtig, nicht alles zu persönlich zu nehmen. Vieles was auf Sie einströmt hat mehr mit Ihrem Amt zu tun, als mit Ihrer Person. Soziale Arbeit ist nicht immer leicht, aber sehr gewinnbringend.

Wenn Sie Ihr Amt gezielt einnehmen, werden Sie auf vieles gelassener reagieren können.

Soziale Arbeit – Amt als mentales Rollenspiel

Ihr Amt einnehmen

Ihr Amt einzunehmen ist ein mentaler Prozess. Machen Sie sich immer wieder, auch zwischendurch bewusst, dass Sie ein Amt bekleiden. Prüfen Sie Reaktionen Ihnen gegenüber, ob sie sich auf dieses Amt beziehen.

Schaffen Sie sich Rituale. Wenn Sie kein Richter sind, haben Sie wahrscheinlich auch keine Robe. Allerdings haben Sie andere Möglichkeiten.

Ich habe zum Beispiel, nach dem Aussteigen aus meinem Auto, sehr bewusst die Schlüsselbünde getauscht. Mit diesem Tausch bin ich in mein Amt eingetreten. Ich habe auch, wenn möglich, so geparkt, dass ich fünf Minuten bis zu meinem Arbeitsplatz gehen musste. Das war die Zeit in der ich bewusst mein Amt einnahm, beziehungsweise es wieder abgegeben habe. 

Finden Sie solche Rituale für sich!

Abschließend

Soziale Arbeit braucht einen gewissen Freiraum. Ich bin jedoch nicht dafür, alles zu akzeptieren. Manchmal geht es darum, dass Sie Ihre Grenzen sehr klar abstecken und auf Grenzüberschreitungen reagieren. Die soziale Arbeit gewinnt, wenn Sie nicht alles zulassen. Ich glaube dennoch, dass es wichtig ist, aus einer inneren Ruhe zu reagieren. Möglichst sogar zu agieren.

Wenn Sie das nächste Mal das Gefühl haben, persönlich angegriffen zu werden, treten Sie mental einen Schritt zurück. Wie ich immer gerne sage, erst mal atmen. Überprüfen Sie, ob die Reaktion mit Ihrem Amt zusammenhängt. Dann überlege Sie sich, wie und ob Sie reagieren würden, wenn Sie die Dinge nicht persönlich nehmen. Die Pause und die Frage verhindern eine automatische Reaktion. Nun können Sie wirklich entscheiden, was zu tun ist. Die klare Einnahme Ihres Amtes wird Sie darin unterstützen.

 

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