Reflecting Team

Reflecting Team

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Das Reflecting Team stammt aus der systemischen Therapie und wurde dort vor allem durch den Sozialpsychiater Tom Andersen entwickelt. Die Art des Reflecting Team zeigt sich der typische kreative Umgang mit Grenzen und Rollen der systemischen Beratung und Therapie.

Da das Reflecting Team erfahrungsgemäß oftmals zu kreativen, produktiven, ja sogar innovativen Ergebnissen führt, wurde es sehr schnell in andere Bereiche übertragen. Heute ist es aus den Bereichen der Supervision, des Coachings aber vor allem der „Kollegialen Beratung“ nicht mehr wegzudenken.

Bevor ich Ihnen den Aufbau und den Ablauf eines Reflecting Teams darstelle, möchte ich kurz auf dessen Entstehungsgeschichte eingehen. Ich finde sie zeigt sehr schön auf, wie aus einem vermeidlichen Fehler eine große Idee geboren wird.

Sollte Ihnen der Artikel gefallen, würde ich mich über eine Bewertung unten auf der Seite freuen.

Wie alles begann

Zum Beginn der systemischen Familientherapie fand diese quasi in zwei Räumen statt. In einem Raum saß die Familie mit einem Therapeuten und in einem Nebenraum eine Gruppe von weiteren Therapeuten. Die Therapeuten im Gruppenraum konnten die Geschehnisse im raum mit der Familie durch einen Einwegspiegel verfolgen. Auch der Ton wurde über ein Mikrofon vom Therapieraum in den Gruppenraum übertragen.

Die Therapie lief dann folgendermaßen ab: Im Therapieraum begrüßte der Therapeut die Familie und besprach mit Ihnen das anstehende Thema. Er stelle verschiedene Fragen, um das Thema von möglichst vielen Gesichtspunkten zu beleuchten. Anschließend gab es eine Pause.

In der Pause ging der Therapeut in den Gruppenraum, um mit seinen Kollegen mögliche Interventionen zu entwickeln. Nach dieser Pause kam der Therapeut zurück zur Familie und stellte dieser die entwickelte Intervention vor.

Die Tücken der Technik

Manchmal hatten die Therapeuten im Gruppenraum etwas erkannt, das für den Therapieverlauf wichtig sein könnte. Auf die Pause zu warten könnte bedeuten, eine Chance zu verpassen. So wurde zuerst ein Telefon und später eine Freisprechanlage im Therapieraum installiert, um den Therapeuten jederzeit in den Gruppenraum rufen zu können.

Hier kam es dann auch zu den „Tücken der Technik“. Während einer Sitzung wurde der Therapeut über die Freisprechanlage in den Gruppenraum gerufen. Hierbei wurde vergessen, die Freisprechanlage wieder auszuschalten. Somit bekam die Familie mit, wie die Therapeuten über sie sprachen.

In den Therapieraum zurückgekommen war die Situation dem Therapeuten sichtlich peinlich. Die Familie war jedoch darüber, wie viele Menschen sich über ihr wohlergehen unterhielten, sichtlich begeistert.

Es ging sogar darüber hinaus. Die Familie bannte sehr klar, was ihre nächsten Schritte sein werden und wo sie hierbei Schwierigkeiten sehen. Nach diesem immensen Erfolg entschieden sich die Therapeuten dazu, sich auch in anderen Fällen, im Beisein der Familien über diese zu unterhalten.

So wurde ein Fehler zu einer sehr effektiven Methode der Therapie und später auch der Beratung in Gruppensituationen. Das Reflecting Team war geboren.

Reflecting Team – Die Ziele

Reflecting Team – Die Ziele

Das Ziel des Reflecting Team ist es mit möglichst vielfältigen Perspektiven auf eine Situation zu schauen und damit einhergehend Ideen und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Hierbei lässt es den Ratsuchenden seine Eigenständigkeit.

Bildlich gesprochen bekommen sie ein Buffet an Ideen und dürfen sich von diesen die aussuchen, die am schmackhaftesten sind. Hier liegt die Entscheidung bei den Ratsuchenden, denn sie kennen sowohl die Situation wie auch ihre Möglichkeiten, am besten.

Aufbau des Reflecting Team

Aufbau des Reflecting Team

Im Prinzip gibt es zwei Teams, die erst einmal nichts miteinander zu tun haben und räumlich auch etwas getrennt sitzen. Hierbei ist es natürlich wichtig, dass beide Teams einander gut zuhören können.

Das Berater Team besteht aus mindestens zwei Personen. Eine Person, die Ihr Anliegen vorbringt und eine zweite Person, welche die Beratungsrolle übernimmt. Es können auch mehrere ratsuchende sein, die ein gemeinsames Thema vorbringen. Nach Erfahrungswerten sollten es auf der Beratungsseite maximal zwei Personen sein.

Das Reflekting Team sollte aus mindestens drei Personen bestehen. Mehr als sechs Personen führen dazu, dass die Ratsuchenden eher den Überblick verlieren. Sollten doch mehre Personen beteiligt sein, empfiehlt es sich eher, zwischendurch zu wechseln.

Der Ablauf des Reflecting Team

Je nach Ausrichtung des Reflecting Team gibt es drei oder fünf Schritte, dennoch bleibt der Ablauf ziemlich gleich. Die folgenden Schritte zwei und drei können auch (vor allem zum Anfang) weggelassen werden.

1. Das Interview

Die Ratsuchenden werden von einem Berater zu Ihrem Anliegen interviewt. Wenn möglich sollte es am Ende des Interviews eine Frage geben, zu der das Reflecting Team sich austauschen kann.

Das Reflecting Team hört hierbei nur zu. Die einzelnen Teammitglieder machen sich jeweils ihre eigenen Gedanken und bestenfalls auch Notizen.

Das Interview sollte ungefähr 10 bis 15 Minuten dauern.

2. Erste Reflexionen

Vor allem, wenn die Ratsuchenden nicht zu einer Frage für das Refelcting Team kommen, können hier erste Reflektionen durchgeführt werden. Hierbei diskutiert das Reflecting Team nur mit sich. Das Beratungsteam hört nur zu und bleibt ansonsten außen vor.

Um was geht es den Ratsuchenden?

  • Welche Frage könnte für die Ratsuchenden hilfreich sein?
  • Was könnte die Ratsuchenden in die Irre führen?

In diesem Punkt könnte es aber auch um die Reflektion des Interviews gehen.

Was wurde noch nicht gefragt?

  • Welche Punkte wurden übersehen, welche überbetont?
  • Was sollte besser nicht gefragt werden?

Diese Runde sollte nicht länger als fünf Minuten dauern.

3. Erste Rückmeldung

Der Berater fragt die Ratsuchenden, ob sie etwas gehört haben, was sie in ihrem Fall oder bei Ihrer Frage weiterbringt. Bei der Frage ist es wichtig, dass diese durch die Ratsuchenden nochmals genau benannt wird.

Sollten in der Reflexion noch weitere Fragen bezüglich des Falles aufgetaucht sein, fragt der Berater die Ratsuchenden, ob sie diese noch beantworten wollen.

Auch dieser Bereich sollte nicht mehr als fünf Minuten in Anspruch nehmen.

4. Das Reflecting Team

Die Teammitglieder des Reflecting Team tauchen sich nun über ihre Wahrnehmungen und Beobachtungen aus. Auch diesmal nehmen Sie keinen Kontakt zum Interview Team auf. Da Menschen dazu neigen auf Mimik und Gestik zu reagieren, wird bestenfalls auch der Blickkontakt vermieden.

Anschließend werden Lösungsmöglichkeiten zur gestellten Frage diskutiert. Je umfänglicher (und ungewöhnlicher) diese Lösungsmöglichkeiten sind, um so wertvoller ist dieses positive „Sammelsurium“ für die Ratsuchenden.

Maximal 20 Minuten sollten für diesen Punkt ausreichend sein. Manchmal dauert es aber auch etwas länger. Hier ist es dann die Aufgabe des Beraters das Reflecting Team darum zu bitten, zu. Schluss zu kommen.

5 Die Auswertung

Der Berater fragt die Ratsuchenden, ob es etwas gibt, was besser nicht gesagt worden wäre, ob noch etwas fehlt und welche Punkte hilfreich waren.

Anschließend bittet der Berater um eine Rückmeldung, wie die ratsuchenden mit dem Thema weiter umgehen möchten. Hierbei ist es auch möglich, dass die Ratsuchenden sagen, dass sie erst noch einmal über das Gehörte nachdenken möchten.

Bei Letzterem sollte besprochen werden, wann und wie die Ratsuchenden eine Rückmeldung geben.

Metakommunikation

Die Metakommunikation

Wie am Ende jeder Kollegialen Beratung sollte auch zum Abschluss des Reflecting Team eine Metakommunikation stattfinden. Zu einen hilft diese allen Beteiligten, wieder aus ihren Rollen herauszukommen. Zum anderen kann sie wertvolle Hinweise für die nächste Beratung hervorbringen.

Zuerst werden die Ratsuchenden befragt, wie es ihnen mit der Beratung ergangen ist. Anschließend werden die Teammitglieder des Reflecting Teams nach ihrem Befinden und ihren Eindrücken befragt. Abschließend benennen die Berater ihre Wahrnehmungen und Befindlichkeiten im und zum Prozess der Beratung.

Quellen und Weiterlesen

Das Reflektierende Team – Tom, A.

Das Spiel der Ideen. Reflektierendes Team und systemische Praxis. – Hargens, J.; Schlippe, A. von

 

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