Ressourcenorientierte Fragetechniken

Ressourcenorientierte Fragetechniken

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Ressourcenorientierte Fragetechniken unterstützen Gesprächspartner darin ihre Selbstwirksamkeit zu erhöhen. Dies vor allem, da durch sie bereits erfolgreiche Strategien wieder ins Bewusstsein des Gegenübers geholt und somit ausgebaut werden können.

Ressourcenorientierte Fragetechniken ist ein Faktor des Gelingens. Hierbei geht es darum vorhandene Stärken zu erkennen, diese wertzuschätzen und sie dann bewusst einzubauen.

Weiterhin schaffen ressourcenorientierte Fragetechniken meist eine positive Grundstimmung, die dazu führt, dass Gesprächspartner sich öffnen und dadurch Veränderungen positiver gegenüberstehen.

In mancher Literatur findet sich auch der Begriff „Kompetenzorientierte Fragetechniken“. Da Kompetenzen auch als Ressourcen angesehen werden können, werde diese in die Ressourcenorientierte Fragetechniken einfließen.

Vieles von dem, was Sie hier lesen werden geht auf die Ideen der „Lösungsorientierten Kurzzeittherapie“ zurück. Diese wurde von Insoo Kim Berg und Steve de Shazer entwickelt und mit großem Erfolg umgesetzt. Somit setzt dieser Artikel die Reihe vom „Lösungsorientierten Denken und Handeln“ sowie der „Lösungsorientierten Kommunikation“ fort.

Klienten, Kunden und Mitarbeitende

Auch diesmal lassen sich die Methoden in allen Bereichen einsetzen. Gerade bei neuen Mitarbeitenden in Ihrem Team sind ressourcenorientierte Fragetechniken eine gute Möglichkeit, die Mitarbeitenden mehr in die Selbstverantwortung zu holen.

Sicherlich wirkt es manchmal so, als sei der Aufwand, der hier betrieben wird, sehr hoch. Das mag auch zu Beginn einer Zusammenarbeit stimmen. Da wäre es manchmal einfacher direkt zu erklären, wie etwas funktioniert, anstatt die Mitarbeitenden darin zu unterstützen, es selber herauszufinden. Auf Dauer zahlt es sich nach meiner Erfahrung allerdings aus.

Um was es geht

Egal, ob es sich um ressourcenorientierte Fragetechniken handelt oder um andere Zugänge und Techniken ist Ihre Haltung Ihr wichtigstes Instrument. Sie wird zum Ausgangspunkt für Kooperation, wie auch für Konkurrenz. Aus diesem Grund soll es zuerst um die Haltung gehen, die ressourcenorientierte Fragetechniken unterstützt.

Auch wenn ressourcenorientierte Fragetechniken eine Form der „offenen“ Fragen ist, sollen die „geschlossenen“ Fragen hier auch kurz dargestellt werden. Auch sie sind in einem Gespräch hilfreich.

Anschließend wird es darum gehen, was eigentlich Ressourcen sind, um dann die ressourcenorientierte Fragetechniken mit Ihren Möglichkeiten und Unterbereichen genau zu beleuchten.

Haltung und Ressourcenorientierte Fragetechniken

Eine Frage der Haltung

Ob es um ressourcenorientierte Fragetechniken oder um andere Formen der Kooperation geht, Ihre eigene Haltung wird entscheiden, inwieweit andere sich auf Sie einlassen. Hier gibt es ein paar Ideen, die eine kooperative Gesprächsführung unterstützen.

  • Wertschätzen Sie die Anwesenheit des Gesprächspartners – zeigen Sie Ihre Freude, dass Ihr gegenüber sich die Zeit für ein Gespräch nimmt auch körpersprachlich.
  • Bleiben Sie neugierig. Verzichten Sie soweit als möglich auf (Be-)Wertungen, fragen Sie stattdessen nach.
  • Suchen Sie immer wieder den Blickkontakt.
  • Achten Sie mehr auf das, was da ist, oder was funktioniert. Vermeiden Sie, nach Dingen zu suchen, die fehlen.
  • Betonen Sie das Positive. Das was geleistet wurde oder, dass was angestrebt wird.
  • Achten Sie auch auf die Kleinigkeiten und folgen Sie ihnen. Gerade hier können Veränderungen ihren Beginn haben.
  • Nehmen Sie Ihr Gegenüber ernst. Respektieren Sie auch Dinge, die nicht benannt werden. Bedrängen Sie Ihren Gesprächspartner bitte nicht.

Offene und geschlossene Fragen

Bevor wir an das eigentliche Thema – Ressourcenorientierte Fragetechniken – herangehen, soll folgt eine kleine Wiederholung zu „offenen“ und „geschlossenen“ Fragen. Beide sind auf Ihre Weise hilfreich. Da die ressourcenorientierte Fragetechniken zu dem Typus der „offenen“ Fragen gehören, fangen wir mit den „geschlossenen“ Fragen an.

Geschlossene Fragen lassen in der Regel nur eine Antwortmöglichkeit zu.  „Ja“ oder „Nein“; „Rechts“ oder „Links“. Somit zwingen sie den Gesprächspartner dazu, Stellung zu beziehen. Hierdurch und durch ihre stark zusammenfassende Art, können sie schnell als autoritär wahrgenommen werden.

Gleichzeitig, wie bereits geschrieben, können geschlossene Fragen in vielen Bereichen auch hilfreich sein. Wenn Sie schnell Informationen benötigen, redselige Menschen im Redefluss ausbremsen oder Ergebnisse zusammenfassen möchten, sollten Sie geschlossene Fragen einsetzen. Gegen Ende eines Gespräches helfen geschlossene Fragen, das Gespräch zu begrenzen. Beispiele:

  • Um wieviel Uhr hast du Sabine das letzte Mal gesehen?
  • Ist das Projekt abgeschlossen?
  • Kann ich diesen Beschluss so festhalten?
  • Möchte noch jemand etwas sagen?

Offene Fragen schaffen einen Freiraum für deren Beantwortung. In Ihnen steckt kaum eine Einschränkung, die den Gesprächspartner einschränkt. Sie bekommen hier deutlich mehr Informationen, an denen Sie anknüpfen können.

Besonders bei eher schüchternen oder zurückhaltenden Menschen ist diese Frageform sehr geeignet. Die meisten offenen Fragen sind sogenannte W-Fragen: Wie, Wo, Was. Bitte seien Sie mit der „Warum“ Frage vorsichtig. Ein „Warum“ führt meist sehr schnell in die Rechtfertigung und lässt den Gesprächsfluss dadurch abebben. Beispiele:

  • Was ist beim letzten Treffen mit Sabine passiert?
  • Wie läuft das Projekt?
  • Welchen Beschluss soll ich nun festhalten?
  • Was gibt es noch zu sagen bevor wir die Sitzung beenden?

Ressourcen, eine Frage des Beobachters

Ressourcen, eine Frage des Beobachters

Das Wort „ressource“ kommt aus dem Französischen und kann mit Kraftquelle, Hilfsmittel, Reichtum und Möglichkeit übersetzt werden. In seinem lateinischen Ursprung steckt das Wort „Hervorquellen“. Der Duden letztendlich definiert „Ressource“ als ein „Hilfsmittel zur Bewältigung einer Aufgabe“. Hieran lässt sich wahrscheinlich schon erkennen, weshalb der Bezug auf Ressourcen gerade in der psychosozialen Arbeit so wichtig geworden ist.

Egal, wie es genannt wird, Fähigkeiten, Kompetenz, Wissen, Kontakte, persönliche Stärken oder was auch immer. Zu einer Ressource wird etwas erst, wenn es auch als solche erkannt wird. Ressourcenorientierte Fragetechniken können das Erkennen einer Ressource unterstützen und damit dafür sorgen, dass diese auch genutzt wird.

Mögliche Ressourcen sind neben den oben genannten beispielsweise noch: Werte, Kräfte, Einstellungen, Erfahrungen, Dinge, Personen, Orte…, die von einer Person in einer entsprechenden Situation als hilfreich erlebt werden.

Den meisten Menschen sind ihre Ressourcen nicht bewusst. Sie nehmen sie zwar wahr, machen sich aber ihre hilfreiche Wirkung nicht klar. Umso wichtiger und wirkungsvoller kann es sein, sie durch ressourcenorientierte Fragetechniken in das Bewusstsein zu holen.

Ressourcenorientierte Fragetechniken

An erster Stelle stehen hier die allgemeinen ressourcenorientierten Fragen. Hierbei sollten Sie den Fokus auf hilfreiche Situationen, Umstände, Menschen oder Dinge richten. Letztendlich sollen die Kompetenzen Ihres Gegenübers zum eigenständigen Analysieren und Lösen von Problemen gestärkt werden.

Hierbei soll noch kurz auf Steve de Shazer verwiesen werden. Er sagte: „Ressourcenorientierung ist einfach, aber nicht leicht.“ Hier ein paar Beispiele:

  • Was möchten Sie in ihrer Familie so belassen, wie es ist?
  • Was bringen Sie für Ihre Aufgabe (als Angestellter, Mutter, …) schon alles mit?
  • Welche Gedanken über die Lösung des Problems (das Erreichen Ihres Zieles) haben Sie sich schon gemacht?
  • Worauf sind Sie stolz?
  • Wer oder was könnte Ihnen bei der Angelegenheit behilflich sein?
  • Wie haben Sie bisher dafür gesorgt, dass das Problem nicht noch größer geworden ist?

An dieser Stelle gehen wir nochmal auf die „geschlossenen“ und „offenen“ Fragen zurück. Leider lässt sich das hier nicht gut in einer Tabelle einbinden. Aus diesem Grund stehen die Fragen in folgender Reihenfolge untereinander: Geschlossene-, Offene-, Ressourcenorientierte Frage.

  • Kommen Sie mit der neuen Kollegin zu­recht?
  • Wie kommen Sie mit der neuen Kolle­gin zurecht?
  • Was funktioniert in der Zusammenarbeit mit der neuen Kollegin schon gut?

 

  • Ist die Eingewöhnung schwer für Sie?
  • Wie schätzen Sie die Eingewöhnungs­phase ein?
  • Was gelingt Ihnen bereits in der Einge­wöhnungsphase?

 

  • Wie erleben Sie die Atmosphäre im Team?
  • Verstehen Sie sich gut im Team?
  • Was war in dem letzten Teammeeting, das gut lief, anders als sonst?

 

  • Wollen Sie an diesem Thema mit mir zusammenarbeiten?
  • Wie soll unsere Zusammenarbeit zu dem Thema aussehen?
  • Was macht Sie zuversichtlich, dass un­sere Zusammenarbeit zu diesem Thema hilfreich ist?

 

  • Finden Sie die Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe schwierig?
  • Wie kommen Sie mit der Arbeitsgruppe zurecht?
  • An welchen Punkten schaffen Sie es in der Arbeitsgruppe gut zusammenzuar­beiten?

Skalierungsfragen

Skalierungsfragen

Skalierungsfragen eigen sich zum einen gut, um Ideen von Verbesserungen zu erzeugen. Zum anderen sind sie auch sehr gut geeignet, um aus einer sehr eingeengten Problemsicht herauszukommen.

  • Wie finden Sie, auf einer Skala von „0“ bis „10“, das Leben in Ihrer Familie? Hierbei steht die „0“ für ganz schlecht und die „10“, für besser geht es nicht.
  • Was macht den Unterschied, dass Sie jetzt schon bei 4 und nicht (mehr) bei 1 sind?
  • Wie haben Sie es geschafft, von 1 auf 4 zu kommen?
  • Können Sie ein Ziel angeben, wohin Sie auf der Skala als nächstes gelangen möchten?
  • Was wäre anders, wenn Sie z.B. von 4 nach 5 gelangen würden?
  • Wie hätten Sie es geschafft von 4 auf 5 zu kommen?
  • Wie könnten Sie diesen Erfolg sichern?
  • Könnten überwiegend Sie etwas dafür tun, oder bestimmt sich dies durch andere?
  • Woran würden andere merken, dass Sie von 4 nach 5 gelangt sind, woran Sie selbst?
  • Was wäre der Unterschied, wenn Sie sogar bei 6 wären, was wäre anders als bei 5?
  • Wie haben Sie es geschafft, nicht von 5 auf 4 zurückzufallen?
  • Was müsste passieren, dass Sie wieder bei 2 oder 3 landen, wie könnten Sie es verhindern?

Fragen nach Ausnahmen

Fragen nach Ausnahmen eigen sich besonders dann, wenn das Problem sehr stark im Fokus liegt. Manchmal wird nur noch das „übermächtige“ Problem wahrgenommen und unsere Gesprächspartner begeben sich in eine Opferrolle. Durch die Frage nach den Ausnahmen machen Sie die schon vorhandenen Ressourcen sichtbar und identifizieren zugleich Ansatzpunkte für eine Veränderung.

  • Wann war die Situation zuhause etwas weniger belastend?
  • Gibt es Situationen, in denen die Schwierigkeiten weniger oder gar nicht auftreten?
  • War die Hausaufgabensituation immer anstrengend oder gab es auch andere Zeiten?
  • Wenn es andere Zeiten gab. – Was können Sie tun, damit die lockeren Zeiten mehr werden?

Die Wunderfrage

Die Wunderfrage ist „eine höchst effiziente Methode…, um den Klienten bei der Definition ihrer Ziele zu helfen und sie damit in die Lage zu versetzen zu beschreiben, wie sie wissen, wann das Problem gelöst ist.“

  • Wenn das Problem durch ein Wunder über Nacht plötzlich verschwunden wäre… Welche Veränderung würden Sie am nächsten Morgen bemerken, die Ihnen anzeigen, dass ein Wunder geschehen ist?”
  • Was würden Sie am Morgen als Erstes anders machen? Als Zweites?
  • Wer würde es als Erstes erkennen und woran?
  • Was würden die Menschen um Sie herum danach anders machen?…

Quellen und Weiterlesen

Wege der erfolgreichen Kurztherapie – de Shazer, S.

Systemisch-ressourcen-orientiertes Arbeiten in der Jugendhilfe – Winkelmann, I.

Liebesaffären zwischen Problem und Lösung – Schmidt, G.

Ressourcen. Ein Hand- und Lesebuch zur therapeutischen Arbeit – Schemmel, H./Schaller, J.

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