Selbstführung, eine zentrale Aufgabe

Selbstführung, eine zentrale Aufgabe

Selbstführung ist eine Grundlage für ein gutes Miteinander. Sie ist die eine wesentliche Fähigkeit für Personen in Leitungs-Funktionen. Darüber hinaus ist es auch eine Aufgabe von Leitung, Mitarbeiter zur Selbstführung anzuregen. Da Selbstführung, aus meiner Sicht, wesentlich ist, wenn wir Verantwortung für andere Menschen (mit-)übernehmen, geht sie noch darüber hinaus.

Eine gute Selbstführung unterstützt alle, die im sozialen Umfeld unterwegs sind. In diesem Bereich übernehmen wir stets die (Mit-) Verantwortung für andere. Vor allem bei ambulanten Tätigkeiten ist Selbstführung unverzichtbar.

Da ich die Selbstführung für äußerst wichtig halte, werde ich das Thema immer mal wieder aufgreifen. Sie finden die dementsprechenden Artikel in der Methodenübersicht und unter dem Begriff „Selbstführung“.

Was ist Selbstführung?

Selbstführung bedeutet, sich selbst steuern zu können. Es geht darum zielgerichtet zu agieren, statt über eine Art „Autopilot“ zu reagieren. Sie setzt sich aus folgenden drei Punkten zusammen:

  • Der Bereitschaft die Verantwortung für sich zu Übernehmen.
  • Der Fähigkeit, sich selbst wahrzunehmen und
  • der Fähigkeit die eigenen Gefühle und Stimmungen durch einen inneren Dialog zu beeinflussen.

Lassen Sie uns zuerst einen kleinen Sprung in die Wirtschaftstheorien unternehmen.

Die Generation Y

Im Bereich der Wirtschaft wird in letzter Zeit viel über die Generation Y gesprochen und geschrieben. Mit der Generation Y werden die Menschen bezeichnet, die seit ein paar Jahren in das Arbeitsleben einsteigen. Sowie die, die in nächster Zukunft auf den Arbeitsmarkt zukommen.

Sie werden folgender Maßen beschrieben: Die Generation Y sieht Arbeit als Teil ihres Lebens an. Aus diesem Grund möchte sie etwas sinnvolles Leisten und ist dementsprechend werteorientiert. Die Persönlichkeitsentwicklung wird über die Karriereplanung gestellt.

Jeder darf aus ihrer Sicht alles wissen, was sich im Unternehmen abspielt und seine Meinung, wie abweichend sie auch ist, kundtun dürfen. Dementsprechend sollten Entscheidungen gemeinschaftlich getroffen werden. Die Genration Y fühlt sich eher einer Interessengemeinschaft, als einem Arbeitsplatz verbunden.

Ich stelle mal die kecke Behauptung auf, dass diese Einstellung in der sozialen Arbeit schon lange vorhanden ist. Ich zu mindestens erlebe eine solche Einstellung seit über 20 Jahren. Sie hat weitreichende Folgen für die Aufgaben einer Leitung. Dazu gleich mehr.

Übertragungsphänomene

Übertragungsphänomene

Gerade in helfenden Berufen kommen Übertragungsphänomene gegenüber den Klienten sehr häufig vor. Eigene Hoffnungen, Befürchtungen und Bedürfnisse werden auf den Klienten projiziert und in der Arbeit mit ihm angegangen. Ähnliche Übertragungen kommen zwischen Leitung und Mitarbeitern vor.

Das liegt zum Teil in der Natur der helfenden Berufe. Wir sorgen für andere. Manchmal mehr als für uns selber. Durch Selbstführung können wir lernen, unsere Bedürfnisse zu leben und so den Klienten offener begegnen. Hierdurch sind wir ebenfalls weniger abhängig von den Erfolgen oder Misserfolgen unserer Klienten. Sie wirken sich somit nicht auf unser Selbstwertgefühl aus.

Folgen für das Amt der Leitung

Wenn wir die, eben genannten Ausblicke auf die Leitungs-Funktion übertragen ergeben sich daraus drei wichtige Komponenten. Unter Generation Y habe ich Punkte aufgezählt, die das Denken über und das Handeln in den sozialen Arbeitsfeldern beeinflussen.

Um die unter dieser Überschrift aufgeführten Punkte ernst zu nehmen und gelichzeitig das Team, beziehungsweise die Organisation zu steuern, braucht es „neue“ Kompetenzen. Im Mangel eines anderen Begriffes nenne ich diese „Coaching-Kompetenzen“.  Um Sie dreht sich übrigens der gesamte Blog.

Als Zweites wird die Fähigkeit gebraucht, sowohl authentisch, wie auch empathisch auftreten zu können. Um das zu erreichen, sollte eine Leitung mit sich selbst „im Reinen sein“. Wenn sie den Schritt für sich selber gehen möchten, benötigen Sie ein gutes Selbstmitgefühl (Selbstempathie).

Im dritten Bereich liegt Ihre Vorbildfunktion für Ihre Mitarbeiter. Diese sollten Sie nicht unterschätzen. Hierdurch können Sie Ihre Mitarbeiter unterstützen, gut für sich selbst zu sorgen und gleichzeitig einen guten Job zu machen.

Selbstführung und Selbstmitgefühl

Selbstmitgefühl oder Selbstempathie

Kommen wir zuerst zum Selbstwertgefühl. Vieles von unserem Selbstwert basiert darauf, dass wir uns von anderen Menschen abheben. Damit ist es zu einem großen Teil „Außenabhängig“. Wenn unsere Bemühungen erfolgreich waren oder Anerkennung erhalten, fühlen wir uns wertvoll.

Scheitern wir, oder bleibt trotz vieler Arbeit die Anerkennung aus geht es mit unserem Selbstwertgefühl bergab. Unser Selbstwertgefühl schwankt. Es steht in der Abhängigkeit von sich ständig verändernden Umständen.

Selbstmitgefühl basiert auf dem, was im Moment ist. Wenn die Dinge gut laufen, können wir mit ihm die positive Welle für uns nutzen. Sobald es für uns nicht mehr rund läuft können wir mit Selbstmitgefühl schneller und unbeschadeter aus dem Tief herauskommen. Darüber hinaus fällt es und so leichter, aus „Niederlagen“ zu lernen.

In einem Satz gesagt bedeutet Selbstmittgefühl: „Sei dir selbst die beste Freundin.“, beziehungsweise, „Sei dir selbst der beste Freund.“ 

Das sogenannte MBSR (Mindfulnes Based Stress Reduction) setzt unter anderem auch am Selbstmitgefühl an. Aus der damit einhergehenden Forschung zeigen sich zwei für uns hier interessante Punkte.

Zum einen, dass Selbstmitgefühl nachhaltig wirkt und Krankheitsphasen sowie Burnout vorbeugt. Der andere Punkt ist, dass wir unser Selbstmitgefühl jederzeit ausbauen können. Für mich ist es gleichsam die Grundlage für das gute Ausfüllen der Leitungs-Funktion wie auch für eine positive Lebensgestaltung.

Umsetzung in der Praxis

Die Grundlage für Ihre Selbstführung, das Selbstmitgefühl, können Sie ganz einfach ausbauen. Hierzu greife ich auf die Idee der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg zurück. Dr. Rosenberg schlägt in seinem Buch folgendes vor:

  • Nehmen Sie zur Kenntnis, was Sie wahrgenommen haben. Bleiben Sie bei den Fakten und lassen Sie Interpretationen außen vor. Was genau haben Sie gesehen oder gehört? Was hätte eine Videokamera aufgezeichnet?
  • Gehen Sie dann zu Ihren Gedanken über. Welche Phantasien, Bewertungen, Vorwürfe … Urteile, stellen sich bei Ihnen ein?
  • Nehmen Sie war, was Sie fühlen. Achten Sie dabei darauf, nicht in sogenannte Pseudogefühle abzurutschen. Sie erkennen Pseudogefühle daran, dass sie Interpretationen des Gegenübers oder der Situation enthalten. Missverstanden, betrogen, unter Druck gesetzt oder ignoriert sind Beispiele für solche Pseudogefühle.
  • Klären Sie das Bedürfnis, welches hinter Ihren Gedanken und Gefühlen steht. Freiheit oder Autonomie sind beispielsweise Grundbedürfnisse jedes Menschen. Unsere Bedürfnisse sind ein Antrieb und Motivation für unser Leben, wie auch unsere Arbeit zu gleich. Diese zu übergehen wirkt sich in der Regel negativ aus.
  • Finden Sie einen geeigneten Weg, das erkannte Bedürfnis zu erfüllen. Suchen Sie nach einer konkreten Handlung oder Aktivität, die Ihnen hilft, das Bedürfnis ein Stück weit zu erfüllen.

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Weiterlesen

Gewaltfreie Kommunikation – M. Rosenberg

MBSR Die Kunst das ganze Leben zu umarmen – C. Löhmer, R. Standhardt

Selbstmitgefühl – K. Neff

Hier finden Sie die Methodenübersicht in diesem Blog.
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