Sinn-Volle Sprache

Sinn-Volle Sprache

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Sprache ist das, was uns in unserer Arbeit leitet, was Sinn stiftet und Verbindungen herstellt. Worte können Fenster sein oder Mauern, sagt Marshall Rosenberg in seiner Einführung zur Gewaltfreien Kommunikation. In der „Gewaltfreie Kommunikation“, die ein sehr spannendes Feld ist, geht es hauptsächlich um den Umgang mit Konflikten und deren Vermeidung.

Dieser Artikel setzt jedoch noch ein Stück weit vorher an. Es geht darum, wie Sie in allen Situationen Sprache nutzen können, um eine Verbindung aufzubauen. Um an der Idee, von Rosenberg anzuknüpfen, es geht darum Fenster zu öffnen. Um die Fenster Ihres Gegenübers zu öffnen und offen zu halten, sollten Sie die gleiche Sprache sprechen.

Nun ja, werden Sie vielleicht denken, wir sprechen doch deutsch und damit auch die gleiche Sprache. Das stimmt und gleichzeitig verwenden wir unterschiedliche Nuancen in unserer Sprache. Sie ist bei jedem ist er etwas anders. Gleichzeitig gibt es Anteile in der Sprache, die bei jedem Menschen gleich sind und die wir im Kontakt nutzen können.

Um in das Thema einzusteigen möchte ich Ihnen erst einmal gerne aufzeigen, warum es so wichtig ist, dass wir die gleiche Sprache sprechen. Damit Sie sich die Hintergründe, die Sie eigentlich schon kennen, nochmals vor Augen führen, geht es anschließend um das Thema Wahrnehmung. Nachdem ich aufgezeigt habe, wie die Sinne in unsere Sprache kommen gibt es einen kleinen Selbsttest für Sie. Anschließend werde ich mit Ihnen durch die einzelnen Sinne und ihre Verwendung in unserer Sprache gehen. Abschließend habe ich Ihnen ein paar Sätze aufgeschrieben, an denen Sie Ihr Wissen testen können.

Wieso wir die gleiche Sprache sprechen sollten

Menschen möchten gesehen, und was die Sprache angeht, verstanden werden. Letztendlich können wir aber nie genau sagen, was von unserm Gesagten beim Gegenüber ankommt. Das Kinderspiel „Stille Post“ zeigt, was durchaus bei jeder Kommunikation passiert. Inhalte gehen verloren, werden verändert oder ganz Neue kommen hinzu. Daran können wir erst einmal nichts ändern. Es gibt einige Techniken, die beispielsweise über Nachfragen, diese Wirkung von Kommunikation etwas abfedern. Darum soll es hier allerdings nicht gehen. Wir wollen noch etwas früher einsteigen. Wir wollen uns auf eine Sinn-Volle Sprache konzentrieren. Eine Sprache, welche die Sprache von Gesprächspartnern widerspiegelt.

Ich hatte bereits darauf hingewiesen, dass wir hierzulande meist Deutsch sprechen. Im Urlaub nutzen wir vielleicht Englisch oder Französisch. Irgendwie einigen wir uns darauf, welche Sprachform gerade geeignet ist. Es gibt jedoch noch mehr Gleichheiten zwischen uns. Die Gleichheit, die wir und hier anschauen wollen, ist das Auftauchen unserer Sinne in der Sprache. Doch bevor wir dazu übergehen wollen wir uns kurz mit unserer Wahrnehmung beschäftigen.

Wie kommt der Baum in unseren Kopf

Wie kommt der Baum in unseren Kopf

Alles, was wir aufnehmen, geschieht über unsere Sinne. Wenn wir also von einem Baum sprechen, so haben wir diesen erst einmal sinnlich wahrgenommen. Auf einem Bild erkennen wir einen Baum daran, wie er aussieht und indem wir ihn mit unserem inneren Bild von einem Baum vergleichen. Das geschieht so schnell, dass wir diesen Bildervergleich nicht wahrnehmen. In jedem Fall ist es eine visuelle Wahrnehmung.

Wir können den Baum jedoch auch auditiv wahrnehmen. Wenn der Wind durch die Baumkrone weht, nehmen wir das Rauschen der Blätter wahr. Dieses Geräusch speichern wir ebenfalls wieder ab und können es erkennen, wenn wir es hören. Auch wie sich Bäume anfühlen, wissen wir. Wir können ihre Rinde mit verbundenen Augen ertasten. Eine kinästhetische Wahrnehmung ist also auch da.

Manche Bäume, beispielsweise Linden oder Kastanien, können wir auch olfaktorische wahrnehmen. Wir erkennen ihren Geruch durchaus wieder. Die Linde können wir, über den Lindenblütentee, sogar gustatorisch wahrnehmen. Wir erkennen den Geschmack.

Alles was außerhalb unserer Sinne liegt, können wir nicht wahrnehmen. So brauchen wir beispielsweise spezielle Kameras, um die nicht sichtbare Infrarotstrahlung für uns sichtbar zu machen. Sehr tiefe Töne können wir nicht hören, zum Teil aber spüren. Wir brauchen das Vehikel „Sinne“ um unsere Umgebung wahrnehmen zu können. Auch sogenannte „Übersinnliche Wahrnehmungen“ werden, sobald man sie kommuniziert, sinnlich dargestellt. Doch was hat das mit unserer Sprache zu tun?

Hier kommen wir auf die „Sinne“ in unserer Sprache

Was für den einen glasklar ist, hört sich für den anderen gut an. Manchmal haben wir bei der Sache vielleicht ein ungutes Gefühl. Dem ein oder anderen stinkt es sogar oder es hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Grundsätzlich verwenden wir alle Sinne in unserer Sprache. Gleichzeitig haben wir eine Präferenz. Wir bedienen uns, in unseren Sprachbildern, hauptsächlich in einem Sinn. Dieser Hauptsinn, ist meist visuell, auditiv oder kinästhetisch. Olfaktorische und gustatorische Präferenzen sind eher selten, kommen aber beispielsweise bei Köchen durchaus vor.

Problematisch kann es dort werden, wo zwei Personen unterschiedliche Präferenzen haben. Wenn ein eher auditiv geprägter Mensch auf jemanden trifft, der eher visuell geprägt ist, kommt es schnell zu Missverständnissen. Man fühlt sich nicht verstanden, wen dem einen etwas fadenscheinig erscheint obwohl es für den anderen disharmonisch ist.

In unseren Gesprächen kann es sehr hilfreich sein, wenn wir die sinnliche Präferenz des anderen erkennen und diese auch selber nutzen. Bevor wir an dieser Stelle auf die verschiedenen Merkmale der sinnlichen Sprache eingehen, wollen wir erst einmal überprüfen, welche Präferenz wir selber haben.

Übung Sprache

Eine kurze Übung

Bei den Fragen, die jetzt gleich gestellt werden, sollten Sie sich ein wenig selbst beobachten. Was machen Sie gedanklich, um diese Frage beantworten zu können. Doch nun zur ersten Frage:

Wie viele Türen hat Ihre Wohnung/ Ihr Haus?

Wie haben Sie die Türen gezählt? Manche Menschen schweben durch das Haus und zählen die Türen so, oder sie nehmen die Türen anders visuell war. Dann gibt es Menschen, die den Klang des Schließens der Türen hören und sie so zählen. Es gibt auch einige, die die Berührungen der Türklinken für Ihre Erinnerung nutzen. Ich habe auch schon jemanden kennengelernt, der sich der Gerüche der verschiedenen Zimmer erinnert. Das ist aber eher die Ausnahme.

Stellen Sie sich vor, dass Sie schwimmen gehen. Was nehmen Sie wahr?

Haben Sie zuerst die Bilder parat? Haben Sie das Schwimmbad/ den See/ das Meer im Blick? Die Menschen um Sie herum? Können sie die Geräusche und Stimmen wahrnehmen? Spüren Sie das Wasser auf Ihrer Haut?

Spiel Sprache

Abschließend noch eine Idee für später. Legen sie sich auf einem Blatt Papier eine Tabelle an, in welche sie die einzelnen Bereiche visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch und gustatorisch eintragen. Dann suchen Sie sich jemanden, mit dem Sie über das „schönste Urlaubserlebnis“ sprechen, das jeder erlebt hat. Wenn Ihr Gegenüber von seinem Erlebnis erzählt mach Sie Striche in der entsprechenden Sinnesspalte. Die Aussage „Das Meer war so blau.“, ist ein Strich bei visuell. „Das Kreischen der Möwen war ohrenbetäubend“,  wären zwei Striche bei auditiv, und so weiter. Sie können das in der Familie „spielen“ oder auch mit Freunden am Telefon. Meistens macht es viel Spaß.

Damit Sie einen Überblick über die verschiedenen Bereiche erhalten kommen jetzt ein paar Beispiele:

Visuelle Sprache

Visuelle Sprache

Vokabeln wie:

Sehen, schauen, erhellen, durchsichtig, fadenscheinig, blicken, beobachten, glotzen, einsichtig, beäugen, gucken, leuchten, scheinen, sichtbar, überschaubar, scheinbar, hell, dunkel, weitsichtig, Scheinargument, verklärt, abgeklärt, vorsichtig, vorausschauend, strahlend, beleuchten, übersichtliche, dunkel, undurchsichtig, unübersehbar, nachsichtig, Ordnung, Bild, Perspektive, Farben, Durchblick, Klarheit, Überblick, Ausstrahlung, Einblicke, Beobachtung.

Visuell geprägte Aussagen:

  • Da habe ich den Durchblick.
  • Kannst du mir das noch einmal zeigen?
  • Mir scheint das in Ordnung zu sein.
  • Das ist mir klar. Das leuchtet mir ein.
  • Du strahlst heute so.
  • Das ist ein Hans-Guck-in-die-Luft!
  • Ich muss erst noch etwas Klarheit entwickeln.
  • Das übersteigt meinen Horizont.
  • Man muss die Sache aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Auditive Sprache

Auditive Sprache

Vokabeln wie:

Laut, leise, hören, taub, sagen, singen, trampeln, rufen, fragen, poltern, verständlich, klappern, musikalisch, unüberhörbar, sprachlos, tröpfeln, betonen, dumpf, hämmern, mitteilen, schrill, piepsig, winselnd, wimmernd, kreischen, heiser, röcheln, schnauben, hörig, Ton, Akzent, Rhythmus, Schall, Harmonie, Einklang, Ruhe, Ohren, Radau, Illusion, Stille.

Auditive geprägte Aussagen:

  • Das hört sich gut an!
  • Du hast wohl Bohnen in den Ohren.
  • Sie hört nicht mehr auf mich.
  • Der Hund gehorcht aufs Wort.
  • Es ist so leise, man könnte eine Stecknadel fallen hören.
  • Erzählen mir mehr.
  • Es war eine rauschende Ballnacht.
  • Da hat es bei mir klick gemacht.
  • Der ist Stumm wie ein Fisch.

Kinästhetische Sprache

Kinästhetische Sprache

Vokabeln wie:

Schweben, sanft, fallen, glatt, stehen, kratzen, stabil, geborgen, fühlen, schieben, kriechen, hochkommen, beschwingt, anfassen, eingeschlafen, stocken, zusammenziehen, schwindlig, kribbeln, ausbrechen, schlottern, begreifen, halten, Stress, Berührung, Gänsehaut, Kontakt, Körperteile, Einflüsse.

Kinästhetisch geprägte Aussagen:

  • Ich kann mir keinen Reim darauf machen.
  • Ich brauche deine Unterstützung
  • Er stürzt sich in die Arbeit.
  • Das klingt gut.
  • Da kommt mir die Galle hoch.
  • Ich will es lieber langsam angehen.
  • Vom Regen in die Traufe kommen.
  • Er steht mit beiden Füßen auf dem Boden.
  • Ich habe ein gutes Gefühl dabei.

Olfaktorische Sprache

Olfaktorische Sprache

Vokabeln wie:

Parfümiert, verschnupft, duften, anrüchig, geruchlos, müffeln, naseweise, schnuppern, verraucht, rauchig, schnüffeln, ätzend, betäubend, betörend, stinken, erdig, blumig, faulig, feucht, moosig, holzig, muffig, penetrant, verbrannt, näseln, Geruch, Nase, Parfüm, Blumen.

Olfaktorische geprägte Aussagen:

  • Den Duft der großen weiten Welt einatmen.
  • Die Nase rümpfen.
  • Sie hat einen guten Riecher.
  • Mir stinkt es!
  • Er kann dich nicht riechen.
  • Steck deine Nase nicht überall rein!

Gustatorische Sprache

Gustatorische Sprache

Vokabeln wie:

Sauer, süß, salzig, scharf, saftig, lutschen, schlemmen, tranig, fettig, schlecken, trocken, mild, köstlich, kosten, geschmackvoll, fad, probieren, schmecken, geschmacklos, verbrannt, ölig, Mund, Schnauze, Lippe, Biss, Fastfood, Essen.

Gustatorische Redewendungen:

  • Ich hab die Schnauze voll.
  • Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben.
  • Da kommt mir die Galle hoch.
  • Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.
  • Der hat eine dicke Lippe riskiert.
  • Ich hab dich zum Fressen gern.

Einfach mal ausprobieren

Versuchen Sie doch bitte die folgenden Aussagen selber mal zuzuordnen. Wenn möglich, überlegen sie sich eine Erwiderung darauf, bleiben dabei aber im gleichen Sinneskanal.

  • Ich sehe das halt aus einem anderen Blickwinkel.
  • Mir geht das alles zu nahe.
  • Das war ein Schlag unter die Gürtellinie.
  • Die Dinge müssen sich von selber einrenken.
  • Ich bin den Anforderungen nicht mehr gewachsen.
  • Ich bin völlig aus dem Takt.
  • Das bringt Licht in die Angelegenheit.
  • Lass uns die Möglichkeiten gegeneinander abwägen.
  • Vielleicht sollten wir die Sache mal aus einer anderen Perspektive betrachten.
  • Das Ganze hört sich schon viel besser an.
  • Nehmen wir die Sache doch mal von dieser Seite.
  • Das kann man unter den Teppich kehren.
  • Wir stimmen in vielen Bereichen überein.
  • Deine Aussichten sind ganz schön düster.
  • Das klingt nach viel Verantwortung.
  • Ich habe den Überblick verloren.
  • Dieses heiße Eisen sollten wir nicht anfassen.
  • Ich werde ihm unter die Arme greifen.
  • Da hat jemand ein ganz schönes Schauermärchen erzählt.
  • Mir wird richtig schwindelig, wenn ich nur daran denke.
  • Das ist ein anspruchsvolles Thema.
  • Das leuchtet mir ein.
  • Heute geht mir alles auf den Keks.
  • Das Bild hat sich mir unauslöschlich eingeprägt.
  • Mir wird eiskalt, wenn ich daran denke.
  • Ich kenne das nur vom Hörensagen.

Zusammenfassung

Wir nehmen die Welt mit unseren Sinnen wahr. Diese Wahrnehmung spiegelt sich dann in unserer Sprache wider. Wenn Sie die Sinneswahrnehmung Ihres Gesprächspartners aufgreifen wird es Ihnen leichter fallen, eine Verbindung zum Gegenüber aufzubauen. Sicherlich bedarf es hier ein wenig Übung. Aus meiner Erfahrung zahlt sich diese Investition deutlich aus.

Sollte Ihnen der Artikel gefallen haben, empfehlen Sie mich doch bitte weiter. Wenn Sie Fragen haben oder das Ganze hat Ihr Missfallen erregt, würde ich gerne von Ihnen hören.
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