Gleich und gleich gesellt sich gerne

Spiegeln: Gleich und gleich gesellt sich gerne

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Das genannte Sprichwort kennen Sie wahrscheinlich. Klar, hier gibt es auch die Gegenbewegung: „Unterschiede ziehen sich an.“ In beiden Sprichwörtern steckt eine Wahrheit. Gleich und gleich gesellt sich gerne, weist uns darauf hin, dass wir uns von Ähnlichkeiten anziehen lassen. In diesem Artikel soll es darum gehen, wie Sie dies in Ihrer Arbeit nutzen können.

Um es an dieser Stelle vorwegzunehmen, Unterschiede erzeugen eine Spannung, die neugierig macht. Auch dieses kann Sie in Ihrem Handeln als Führungskraft und in Ihrem Umgang mit Klienten weiterhelfen. Doch das ist vielleicht einen anderen Artikel wert.

Kommunikation ist sowohl eine zentrale Aufgabe wie auch ein wichtiges Führungsinstrument. Kooperation herzustellen ist ihr Ziel. Um dieses zu erreichen, ist es wichtig, in einen guten Kontakt zu kommen. Das Spiegeln oder auch Pacing können Sie im Sinne von – Gleich und Gleich gesellt sich gerne – nutzen um in einen solchen Kontakt zu kommen.

Zuerst möchte ich Sie an einer meiner Beobachtungen teilhaben lassen. Anschließend werde ich kurz das Thema Spiegelneuronen aufgreifen. Dann geht es um das Spiegeln mit seinen Vor- und Nachteilen. In der weiteren Folge geht es um das Spiegeln in Ihrer Arbeit. Dieser Bereich enthält noch einen kurzen Exkurs zum Thema „Wut und Streit“. Doch lassen Sie uns nun beginnen.

Beobachtungen

Hin und wieder arbeite ich mit größeren Gruppen. Wenn diese, bevor sie sich besser kennen, in Paaren zusammenarbeiten sollen, geschieht etwas Erstaunliches. Viele dieser Paare weisen äußerliche Ähnlichkeiten auf. Die einen tragen beide eine Brille, die anderen ein blaues Oberteil.

Wenn die Paare gefragt werden, wie sie sich zusammengefunden haben, können sie das meist nicht benennen. Gleich und gleich gesellt sich gerne, wirkt auch hier. Bei den Paaren, die sich äußerlich auf den ersten Blick nicht ähneln, können meist sehr schnell Ähnlichkeiten gefunden werden. Es sind dann der gleiche Beruf oder ein gemeinsames Hobby.

Meist brauchen wir nicht tief zu graben, um Ähnlichkeiten zu finden. Die Trefferquote ist für mich zu hoch, als zufällig sein zu können. Aber schauen Sie doch mal in Ihren Bekannten- oder Freundeskreis. Sind diese Menschen Ihnen nicht in den meisten Zusammenhängen ähnlich?

Spiegeln

Eine Sache der Spiegelneuronen

Das Thema Spiegelneuronen ist seit dem Bestseller „Warum ich fühle, was du fühlst“ von Joachim Bauer ein vielzitiertes Thema. Spiegelneuronen sorgen dafür, dass wir uns in andere Menschen hineinversetzen können. Hierbei suchen wir oft nach „Gleichheiten“, da uns diese helfen uns besser in andere hineinzuversetzen. Gleich und gleich gesellt sich gerne, gilt auch für Spiegelneuronen.

Wenn es nun schon äußerliche Gleichheiten gibt, entsteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ich auch „innere“ Werte gleichen. Das bedeutet, dass wir den Anderen erst einmal nicht von uns und unserem Standpunkt überzeugen müssen.

Bei den oben genannten Beispielen gab es ja auch mal keine direkten Äußerlichkeiten, sondern andere Gemeinsamkeiten. Wie kommt es hierzu? Nun Berufsgruppen haben in der Regel ein sehr ähnliches Auftreten und einen ähnlichen Sprachgebrauch. Genau dieses können wir in unserer Arbeit nutzbar machen.

Spiegeln oder Pacing

Ich habe das sogenannte „Pacing“ in meiner NLP-Ausbildung kennengelernt. Hierbei ging es darum, den anderen in seiner Körpersprache zu spiegeln. Wenn der andere sich an die Nase, fasste ich mir auch an die Nase. Kreuzte mein Partner seine Beine, tat ich es auch. …

Leider, oder zum Glück, blieb das Ganze nicht ohne Folgen. Schließlich hatte ich ja was Großartiges und Neues gelernt. Das wollte jetzt angewandt werden. Ich glaube, dass meine Freunde mich damals echt hassten. Zum Glück hielt der Zustand nur eine kurze Zeit an.

Gleichzeitig verwende ich das Spiegeln heute in meiner Arbeit immer noch. Ich gehe jetzt jedoch etwas anders vor. Dazu gleich mehr.

Sich zu Spiegeln ist etwas Natürliches

Sich zu Spiegeln ist etwas Natürliches

Wenn Sie in einem Restaurant mal die Gelegenheit haben, ein frisch verliebtes Pärchen zu sehen, wird es Ihnen wahrscheinlich sofort auffallen. Die Bewegungen der Beiden laufen fast synchron ab. Sie beugen sich gleichzeitig vor oder Trinken sogar gelichzeitig für die gleiche Zeitdauer. Manchmal scheint es so, als gäbe es eine Choreografie, die einstudiert wurde.

Paare, die schon länger (mehr als 10 Jahre) zusammenleben gleichen sich oftmals auch äußerlich an. Diese Angleichung geht bis zu den Gesichtszügen. Da diese durch den „Einsatz“ der Gesichtsmuskulatur entstehen, ist das nicht verwunderlich. Aber auch „alte“ Freunde gleichen sich aneinander an. Gleich und gleich gesellt sich gerne und vermehrt sich sogar.

Sie können Ähnliches einfach auch bei sich beobachten. Wenn Sie sich mit Freunden, Bekannten oder auch Kollegen in einem anregenden Gespräch befinden, gibt es solche Spiegelungen auch. Es würde sogar störend wirken, wenn sich eine Person dieser Spiegelung entzieht. Doch kommen wir nun zum Arbeitstechnischen nutzen.

Gleich und gleich gesellt sich gerne, in der Arbeit

Oftmals ist es unsere Aufgabe, schnell einen guten Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen. Hierdurch entsteht ein Verstehen des Gegenübers. An dieser Stelle sei nochmal darauf hingewiesen, dass „Verstehen“ nicht bedeutet, dass Sie mit den Handlungen des anderen einverstanden sind. Dennoch ist „Verstehen“ ein guter Ausgangspunkt, um in Veränderungen einzusteigen.

Um schnell und gut mit den Gesprächspartnern in einen stabilen Kontakt zu gelangen, eignet sich das Spiegeln herausragend. Wichtig hierbei ist es, mit Bedacht vorzugehen. Am einfachsten wird es, wenn Sie im Gespräch Gemeinsamkeiten finden können. Hier findet das Spiegeln dann „automatisch“ statt.

Meist gelingt dieses über einen „Smalltalk“ Einstieg. Wie war die Anreise? Das Wetter? Wie ist die letzte Woche oder das Wochenende verlaufen? Sind gute Möglichkeiten zum Einstieg. Mit Einstiegsfragen werden wir uns in einem nächsten Artikel noch ausführlicher beschäftigen.

Körpersprache Spiegeln

Körpersprache Spiegeln

Manchmal ist es jedoch gar nicht so einfach, in ein tiefergehendes Gespräch zu kommen. Dann kann das Spiegeln der Körpersprache Sie in einem gelungenen Einstieg unterstützen. Damit sich Menschen nicht nachgeäfft fühlen, sollten Sie das Spiegeln vorsichtig und etwas zeitversetzt einsetzen.

Sie können recht einfach die Sitzposition von Gesprächspartnern Spiegeln. Fasst sich Ihr Gegenüber ins Gesicht, beispielsweise um die Brille hochzuschieben, können Sie an Ihr Ohrläppchen fassen. Bitte aber nicht direkt. Lassen Sie sich einen Moment Zeit.

Am einfachsten lassen sich Mimik und Gestik Spiegeln. Nutzt Ihr Gegenüber oft seine Hände, um seine Gesprächsinhalte zu unterstützen, machen Sie dieses bitte auch. Umgekehrt, wenn Ihr Gesprächspartner wenige bis keine Gesten im Gespräch einsetzt, sollten Sie dieses möglichst auch unterlassen.

Stimme Spiegeln

Auch die Stimme lässt sich gut spiegeln. Jede Stimme hat eine eigene Melodie. Diese können Sie sehr gut, aber in Maßen spiegeln. Passen Sie sich dem Sprechtempo Ihres Gesprächspartners an. Auch in der Lautstärke.

Aber auch hier geht es um das Maß. Als Frau können Sie sich einer tiefen Männerstimme nur annähern. Sie können etwas tiefer sprechen als „normal“. Einer sehr hohen, vielleicht schon pipsigen Stimme, sollten Sie sich auch nur ein wenig annähern.

Streit und Wut

Exkurs „Streit und Wut“

Natürlich kommt es auch schon mal vor, dass wir auf ein Gegenüber treffen, dass uns äußerst laut und vielleicht sogar aggressiv anspricht. Wie sieht es hier mit dem Spiegeln aus? Auch hier sollten Sie sich aus meiner Sicht angleichen.

Vielleicht kennen Sie das aus eigener Erfahrung: Sie sind aufgebracht, haben sich geärgert und machen diesem Ärger Luft. Ihr gegenüber bleibt ruhig und spricht auch ruhig auf Sie ein. Wie geht es Ihnen damit? Die meisten Menschen fühlen sich nicht ernstgenommen. Auch hier hilft es, etwas lauter zu sein, als normal. Vielleicht könnten Sie etwas lauter sagen: „Ich sehe, dass Sie aufgebracht sind, aber so können wir die Sache nicht klären.“

In „gefährlichen“ Situationen ist es sogar sehr wichtig, nicht zu leise zu reagieren. Das kann ansonsten vom Gegenüber als unterwürfig gesehen werden. Hierdurch wird ein körperlicher Übergriff wahrscheinlicher.

Aber auch hier gilt ein Spiegeln auf Maß. Sie brauchen nicht zurückzuschreien. Werden sie lauter, bleiben Sie aber unter der Lautstärke Ihres Gegenübers. Mit etwas Übung können Sie auch die Lautstärke Ihres Gegenübers damit nach und nach senken.

Spiegeln der Sprache

Das Spiegeln der Sprache ist für mich der Königsweg, das Spiegelns. Gleich und gleich gesellt sich gerne, bedeutet hier, Schlüsselwörter des Gesprächspartners aufzugreifen. Verendet Ihr Gesprächspartner öfters das Wort „Einigkeit“ greifen Sie dieses Wort auf, wenn Sie sprechen.

Hierzu gehört jedoch auch, dieses Wort zu hinterfragen, sonst können Sie es vielleicht anders verwenden, als Ihr Gegenüber dieses im Sinn hat. Auch dieses „Eingehen“ und „Verstehen wollen“ bring Sie in einen gemeinsamen körpersprachlichen Rhythmus. Hier wäre die Frage also: „Was verstehen Sie unter Einigkeit?“

Eine weitere Form des Spiegelns von Sprache hatte ich Ihnen bereits im Artikel über sinnvolle Sprache aufgezeigt.

Fazit

Spiegeln oder auch Pacing ist eine gute Möglichkeit, um Kontakt herzustellen. Sie können es in den Bereichen Körpersprache, Stimme und Sprache nutzen. Sicherlich braucht es auch ein wenig Übung. Übertreiben Sie aber bitte nicht. Kein Mensch mag es gefühlt nachgeäfft zu werden.

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Hier geht es zur Methodenübersicht in diesem Blog.

Weiterlesen und -sehen

Warum ich fühle was du fühlst – Joachim Bauer

Video: Joachim Bauer über Empathie

 

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