Teamentwicklung planen

Teamentwicklung planen

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Teamentwicklung bedeutet letztendlich nichts anderes, als aus einer Gruppe von Menschen ein funktionierendes Team zu gestalten, das an einem gemeinsamen Ziel arbeitet. An dieser Stelle ist der Begriff Teamentwicklung oder mittlerweile auch Teambuilding genannt, vielleicht ein etwas irreführender Begriff.

Tatsache ist, dass Teamentwicklung immer stattfindet. Zum Thema der gruppendynamischen Phasen, die Teams (und andere Gruppe) durchlaufen, existiert ja bereits ein Artikel. Über diesen fortwährenden Prozess hinaus kann es hilfreich sein, sich der Teamentwicklung gezielt zu widmen.

Geplante Teamentwicklung findet außerhalb des normalen Arbeitsalltages statt. Meist sind es Halbtags- oder Tagesveranstaltungen. Manchmal muss hierbei das Team auch aufgeteilt werden, beispielsweise wenn Stationen oder Gruppen nicht durch andere Teams abgedeckt werden können.

Teamentwicklungen sind auch immer Lernprozesse. Dazu später mehr. Aus diesem Grund sollten sie gut vorbereitet werden. Bevor die konkrete Vorbereitung aufgegriffen wird, sollen noch ein paar weitere Aspekte besprochen werden.

Zuerst möchte ich Ihnen ein paar Zielideen für die Teamentwicklung darstellen. Anschließend werden die Vorteile einer Teamentwicklung dargestellt. Beides können Sie nutzen, wenn Sie die Idee einer gezielten Teamentwicklung mit Ihren Vorgesetzten besprechen.

Ziele der Teamentwicklung

Letztendlich sollen die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt im Team verbessert werden. Um dieses zu erreichen, kann es hilfreich sein, das Ziel weiter herunterzubrechen und an Teilziele zu arbeiten:

  • Rollenklarheit im Team, Klärung der Aufgaben und Rollen der einzelnen Teammitglieder
  • Klärung der Ziele des Teams, auch innerhalb der Organisation; Zielkonflikte bearbeiten
  • Verbesserung der Kommunikation nach innen und außen
  • Förderung der sozialen Kompetenzen der Teammitglieder
  • Die Bearbeitung fachlicher Aufgaben und Problemstellungen

Der Nutzen von Teamentwicklung

Der Nutzen von Teamentwicklung

Wie bereits gesagt sollen der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit im Team gestärkt werden. Die Forschung (hauptsächlich im Bereich sogenannter Hochleistungsteams) hat gezeigt, dass ein gutlaufendes Team immens viele Vorteile, für das Team selber, aber auch die Organisation bringen. Dies sowohl im wirtschaftlichen wie auch zwischenmenschlichen Bereich:

  • Steigerung der Arbeitsmotivation
  • Weniger Ausfälle durch Krankheiten
  • Verbesserung der Arbeitszufriedenheit und hieraus folgend eine positive Wirkung nach innen und außen
  • Erhöhung der Flexibilität
  • Schnelleres Abarbeiten von Regelaufgaben
  • Beschleunigte Lösung von Problemen und Bewältigung von Konflikten

Die Teamentwicklung selber durchführen oder abgeben?

Auf beiden Seiten gibt es gute Gründe, die für ein solches Vorgehen sprechen. Wenn Sie, als Leitung, selber eine Teamentwicklung durchführen wollen hat das zum einen den Vorteil, dass dies ihre Führungsrolle stärken kann. Weiterhin werden Sie Ihre Mitarbeitenden besser kennen als jede außenstehende Person. Doch Vorsicht, genau hierin liegt eine Gefahr.

Die Gefahr besteht darin, dass Sie in der Komfortzone des Teams bleiben und nichts wagen. Manchmal ist das übrigens auch ganz gut. Wir dürfen uns auch einfach nur mal so auf die Schulter klopfen und überlegen, wie wir den bisher guten Weg gemeinsam weitergehen.

Wen Sie Ihr Team insgesamt weiterentwickeln möchten, sollten Sie sich und Ihr Team durchaus herausfordern. So können Sie gegebenenfalls neue Potentiale bei sich und Ihren Mitarbeitenden entdecken. Sollte es noch wenig Vertrauen oder gar schwelende Konflikte im Team geben würde ich Ihnen in jedem Fall empfehlen, die Teamentwicklung abzugeben.

Wenn Sie den Auftrag abgeben, hat das den Vorteil, dass Sie sich ebenfalls voll einbringen können. Sie brauchen nicht auf den Prozess zu achten. Gleichzeitig kommt von vorneherein an anderes Denken in den Prozess, was für Ihr Team bereichernd sein kann.

Hier sollten Sie genaue Absprachen und Erwartungen äußern. Je klarer Sie den Auftrag formulieren umso wahrscheinlicher wird sich ein erhofftes Ergebnis einstellen. Um eine gute Vorbereitung zu gewährleisten, unabhängig davon, für welche Richtung sie sich entscheiden, möchte ich Ihnen einen Fragenkatalog an die Hand geben.

Fragen zur Vorbereitung Teambuilding

Fragen zur Vorbereitung

Viele Menschen sind es nicht gewohnt, Situationen genau zu analysieren, bevor sie in die Umsetzung gehen. Je genauer Sie die Analyse jedoch durchführen umso wahrscheinlicher werden Sie das erreichen, was Sie sich von der Teamentwicklung erhoffen.

Ausgangssituation

Hier geht es darum, zu klären, was der Hintergrund für eine Teamentwicklung ist. Welches Ziel steckt dahinter? Was soll nach der Teamentwicklung anders sein? Gibt es vielleicht sogar ein Problem, das durch die Teamentwicklung gelöst werden kann/sollte? Hilfreiche Fragen können hier sein:

  • Von wem ging die Idee aus?
  • Was ist der konkrete Anlass?
  • Aus welchem Grund ist es gerade jetzt aktuell?
  • Gibt es ein Problem, wenn ja, welches?
  • Sollen sich Verhaltensweisen konkret ändern, wenn ja, welche?
  • Woran (konkret) würden Sie erkennen, dass die Teamentwicklung etwas verändert hat?
  • Welche Auswirkungen sind für die Zukunft zu erwarten, wenn keine Teamentwicklung stattfindet? Welche Auswirkung sind zu erwarten (erhoffen), wenn eine Teamentwicklung stattfindet?

Bedenken Sie vor allem bei den letzten Fragen bitte die positiven und auch die negativen Effekte. Die Bereiche, die hier eine Rolle spielen, sind die Auswirkungen auf das Team insgesamt, auf jeden Einzelnen der Mitarbeitenden, die Organisation, die Klienten und die Kunden.

Zielgruppe

Klar, die Zielgruppe ist durch eine Teamentwicklung schon ziemlich genau definiert. Jedoch gibt es hier auch noch ein paar Fragen, die ich Ihnen empfehlen würde:

  • Wer genau gehört zum Team? Ist es beispielsweise auch die Putzhilfe?
  • Wie groß wird die Gruppe sein? Hiervon hängen ja auch die Räumlichkeiten ab.
  • Welche Vorkenntnisse bringen die einzelnen Personen mit?
  • Welche Maßnahmen, beispielsweise Supervision oder frühere Teamentwicklungen, wurden schon durchgeführt? Mit welchem Erfolg?

Teambuilding Lernziele

Lernziele

„Lernen“ ist manchmal ein schwieriges Thema. Viele verbinden es mit Schule und Studium. Je nachdem, welche Erfahrungen hier gemacht wurden, kann „Lernen“ einen sehr unangenehmen Beigeschmack haben.

Es wird schnell vergessen, dass „Lernen“ tagtäglich stattfindet. Wenn wir beispielsweise in ein neues Team kommen, lernen wir, wie hier miteinander umgegangen wird. Wir lernen die Abläufe kennen und auch, welches Formular, wofür gebraucht wird.

Auch in einer Teamentwicklung geht es darum, etwas zu lernen. Beispielsweise wie Kommunikation einfacher vonstattengehen kann oder wer in welchem Bereich ein fundiertes Wissen hat. Manchmal lernt sich das Team einfach „nur“ besser kennen.

Ob Lernziele in die Teamentwicklung aufgenommen werden, hängt in aller erster Linie vom Anlass ab. Dann aber auch vom eigenen Geschmack. Um diesen Bereich etwas näher zu beleuchten, greife ich wieder die Ideen von Anna Langheiter auf.

Frau Langheiter unterteilt die Lernziele in Kopf, Herz und Hand.

  • Kopf: „Was soll das Team nach der Teamentwicklung wissen?“ Hier könnte es beispielsweise darum gehen, wer in welchen Bereichen ein Experte ist. Es könnte aber auch um eine Zukunftsvision, wohin geht die Entwicklung der Organisation und welche Auswirkungen hat dies auf das Team, gehen.
  • Herz: „Was sollen die Teammitglieder verstanden haben?“ Um die Beispiele von oben nochmals aufzugreifen kann es hier darum gehen, dass sich die Teammitglieder aufeinander verlassen können. Im Bereich der Zukunftsvision könnte klar werden, welche Position si zukünftig im Team haben und wie das Team insgesamt in der Organisation aufgestellt ist.
  • Hand: „Was sollen die Teammitglieder nachher anwenden können?“ Hierbei könnte es beispielsweise um eine Gesprächskultur und damit einhergehend die Anwendung von Gesprächsregeln gehen.

Inhalte

Dieser Bereich steht im Zusammenhang mit den Lernzielen. Hinzu kommen auch die ersten Fragen zu den Methoden. Es darf dabei allerdings nicht vergessen werden, dass die Methoden zum Ziel der Teamentwicklung passen sollten und nicht das Ziel zu den Methoden. Fangen wir auch damit an.

  • Welche Art des miteinander Umgehens ist vertraut?
  • Wie kreativ anders darf beziehungsweise soll gearbeitet werden?
  • Sind Rollenspiele, Planspiele oder Outdoor-Aktionen möglich?
  • Wie stark darf ein körperlicher Kontakt sein?
  • Wenn es auch um Lernziele, beispielsweise die Gesprächsregeln oder die Zukunftsvision der Organisation geht, stehen weitere Fragen an:
  • Gibt es hierzu Material? – Sind die Gruppenregeln verschriftlicht und können ausgeteilt werden. Gibt es ein Papier zur Zukunftsidee der Organisation.
  • Wie aktuell ist das Material? Muss es gegebenenfalls nochmals überarbeitet werden?
  • Gibt es weiteres Material, beispielsweise aus dem Qualitätsmanagement, was für die Teamentwicklung hilfreich wäre?
  • Wer kann bei der Zusammenstellung des Materials unterstützen?

Transfer

Eine Teamentwicklung kann und soll Freude bereiten. Gleichzeitig soll sie ja auch etwas bewirken, was in der zukünftigen gemeinsamen Teamarbeit weiterlebt. Daher sollten Sie sich auch Gedanken über den Transfer der Teamentwicklung in die alltägliche Arbeit machen.

  • Was könnte einen Transfer verhindern?
  • Was ist notwendig, um den Transfer zu unterstützen?
  • Wer kann den Transfer unterstützen?
  • Wie werden etwaige Ergebnisse festgehalten?
  • Welche Möglichkeit gibt es, das gemeinsam Erlebte aufrecht zu erhalten?

Teambuilding Organisation

Organisation

Die Rahmenbedingungen für eine Teamentwicklung sollten klar sein. Deswegen auch hierzu ein paar Fragen:

  • Wie lange soll die Teamentwicklung gehen? Einen Tag, zwei halbe Tage, einen halben Tag?
  • Wer könnte wichtige Aufgaben in der Abwesenheit des Teams übernehmen?
  • Was sind mögliche Termine?
  • Wo soll die Teamentwicklung stattfinden? In einen Seminarraum oder Outdoor?
  • Welche Raumgröße wird gebraucht?
  • Gibt es Einschränkungen? Entfernung, behindertengerecht, …
  • Welche Ausstattung wird benötigt? Flipchart, Beamer, Metaplanwand, Karten, Stifte …
  • Wird die Teamentwicklung dokumentiert? Wenn ja, wie?
  • Was ist sonst noch nötig?

Evaluation

Auch eine Teamentwicklung sollte evaluiert werden. Diese Evaluation sollte drei bis sechs Monate nach der Teamentwicklung stattfinden. Hierfür sollten Feedbackbögen vorbereitet werden, die von den Teammitgliedern ausgefüllt werden.

  • Was soll evaluiert werden? (Ort, Inhalt, Nachhaltigkeit, …)
  • Wer führt die Evaluation durch?
  • Was geschieht mit den Ergebnissen?
  • Wer wird davon in Kenntnis gesetzt?

Methoden

Methoden zur Teamentwicklung gibt es viele. Hier gibt es zum einen unzählige Bücher mit gruppendynamischen Übungen. Viele davon können Sie sich in größeren Bibliotheken ansehen. Auch im Internet lassen sich allerhand Übungen finden. Hier ein paar Beispiele:

 

Sollten Sie Fragen oder Anregungen haben stehe ich Ihnen genauso gerne zur Verfügung wie auch für den Fall, dass Sie jemanden suchen, der eine moderierte Teamentwicklung bei Ihnen durchführt.

Quellen und Weiterlesen

Anna Langheiter – Trainingsdesign

 

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