Veränderung durch Intervention

Veränderung durch Intervention

Wie oft stehen wir an dem Punkt, an dem wir auf Andere Einfluss nehmen möchten? Wir möchten, dass ein Jugendlicher zur Schule geht oder ein Patient seine Medikamente nimmt.

Als Leitung möchten wir, dass sich Teammitglieder einbringen oder das Datenerfassungssystem wirklich vollständig genutzt wird. Unser Ziel ist es, Veränderungen zu unterstützen. Die Einflussnahme, die wir auf unser Gegenüber nehmen ist eine Intervention.

Welche Auswirkungen eine Intervention haben kann, möchte ich im Folgenden aufzeigen. Hierbei geht es auch darum, die Schwierigkeiten, welche bei einer Intervention auftreten können, aufzuzeigen.

Definition von Intervention

Eine Intervention ist die Absicht eines Akteurs (dies kann eine natürliche Person, wie auch ein soziales System sein), in ein anderes System (hier kann es sich ebenfalls um eine Person oder ein soziales System handeln) aktiv einzugreifen und Veränderungen zu bewirken.

Eltern, die erreichen wollen, dass ihr Kind „Danke“ sagt, wenn es ein Geschenk erhält. Die Führungskraft, die möchte, dass sich die Mitarbeiter aktiv an der Teambesprechung beteiligen. Eine Geschäftsführung, welche die Belegungszahlen für die Stationsteams vorgibt, seien hier als Beispiel genannt.

Wirkung der Intervention

Wirkung der Intervention

Eine Intervention führt zu drei möglichen Ergebnissen. Erstens gibt es den unmittelbaren Erfolg. Um bei dem Beispiel des Kindes zu bleiben, er erhält ein Geschenk und sagt „Danke“.

Zum Zweiten die Indifferenz, in der das System eine Intervention abblockt. Kinder sind ein gutes Beispiel. Sie können sich so intensiv mit vorhandenen Gegebenheiten beschäftigen, dass sie die Umwelt, und damit auch jedwede Intervention ihrer Eltern, nicht wahrnehmen.

Die dritte mögliche Wirkung einer Intervention ist, dass sich eine gegenteilige Wirkung ergibt. Abschließend nochmals auf das Beispiel des Kindes zurückzugreifen. Es könnte sich beispielsweise Entscheiden keine Geschenke mehr anzunehmen, damit es nicht „Danke“ sagen muss. In Extremfällen verfällt es, sogar in ein komplettes Schweigen.

Schwierigkeiten der Intervention

In dem oben genannten Beispiel des Kindes zeigt sich das Problem einer Intervention bereits deutlich. Die Intervention der Eltern in Richtung „Danke Sagen“ des Kindes kann zu allen drei Ausgängen führen. Diese Ausgänge sind nicht vorhersehbar. Selbst die gleiche Intervention mehrfach durchgeführt, kann unterschiedliche Ergebnisse hervorrufen.

So bedankt sich das Kind beim Onkel für das neue Auto. Ein unmittelbarer Erfolg stellt sich ein. Beim nächsten Besuch des Onkels, lehnt das Kind das bedanken ab. Es verschränkt die Hände auf dem Rücken, schüttelt mit dem Kopf oder läuft sogar davon. Hier hat sich eine gegenteilige Wirkung ergeben.

Der Ausgang der Intervention ist ungewiss, auch wenn die Hoffnung der Eltern wahrscheinlich in die entgegengesetzte Richtung zielt.

Die Eltern – Kind – Kommunikation läuft auf der Grundlage wechselseitiger Intransparenz ab. Die Eltern wissen nicht, wie sich die Gedanken des Kindes bilden, verknüpfen, verändern oder reproduzieren. Daher können sie selten vorausahnen, wie ihr Kind auf ihre Aufforderung „Danke“ zu sagen reagieren wird. Für das Kind gilt das gleiche, dieses darzustellen würde den Rahmen dieses Artikels jedoch übersteigen.

Innere Prozesse

Innere Prozesse

Beide Systeme sind komplex und operativ geschlossen. Das Kind in unserem Beispiel reagiert nicht direkt an die Intervention seiner Eltern „Danke zu sagen“ an. Vielmehr schließt es an den eigenen inneren Prozessen an.

Je nachdem welche Erfahrungen es mit den Interventionen seiner Eltern hat, reagiert es vielleicht sofort. Oder es wartet auf die „Steigerung“ der Intervention. Eventuell hat gar keine Ahnung, was die Eltern von ihm erwarten. Sollte das Kind sehr vertieft in seinem Spiel sein, ist es weiterhin möglich, dass es alle anderen Umwelteinflüsse und damit auch die Eltern ausblendet.

Das „System“ Kind arbeitet selbstreferenziell, das bedeutet, das die Gedanken und die daraus resultierenden Handlungen auf vorangegangene Gedanken und Erfahrungen zurückverweisen.

Intervention in soziale Systeme

Diese Selbstreferenzialität besteht ebenso bei sozialen Systemen wie etwa Teams. So kann beispielsweise die Intervention der Marketingabteilung für eine neue Marketingstrategie in einem Team der Altenpflege, welche vor Ort mit Klienten und Kunden arbeitet ähnliche Reaktionen zur Folge haben, wie die oben beschriebene Eltern-Kind-Kommunikation.

Das Team greift in seinen Operationen, welche zirkulär vernetzt und damit auf sich selbst zurückführen, auf ihre Erfahrungen mit der Marketingabteilung zum einen und ihrem Umgang mit den Klienten und Kunden zu. Vielleich greift es die Idee der Marketingabteilung direkt auf.

Unter Umständen kann das Team gar nicht verstehen, was für einen „Benefit“ die Marketingabteilung in dem neuen Programm sieht, da sie mit dem Begriff „Benefit“ nichts anfangen können. Oder Sie sind der Meinung, dass sie die Klienten und Kunden besser kennen als andere und schon wissen, bei wem sie die neue Strategie anwenden und bei wem nicht. Der Ausgang der Intervention ist auch hier ungewiss.

Gelingen der Intervention

„Interventionen sind möglich, aber ihre Erfolge sind ungewiss. Je nachdem, welcher Akteur in welcher Konstellation in welches System hineininterveniert, ist alles möglich: von direkter, linearer Wirkung über Indifferenz bis zum Bewirken des genauen Gegenteils der beabsichtigten Wirkung.“ (Prof. Dr. F. Simon)

Ob oder wie eine Intervention gelingen kann, hängt von dem zu intervenierenden System ab. Je komplexer ein System ist umso schwieriger ist es die Auswirkung einer Intervention vorherzusagen. Für das Gelingen einer Intervention kommet es darauf an, dass die Konstellation und das System in welches interveniert werden soll, möglichst genau bestimmt wird.

Um letztmalig auf die angeführten Beispiele zurückzugreifen wird eine elterliche Intervention ein in sein Spiel vertieftes Kind wahrscheinlich nicht erreichen. Hier ist es zielführender das Spiel behutsam zu unterbieten oder darauf zu warten, dass es beendet wird. Die Marketingabteilung wird mit ihren Interventionen mehr Erfolg haben, wenn sie in der Sprache der Altenpfleger spricht und sie in die möglichen Auswirkungen auf die Klienten und Kunden einbezieht.

Quellen und Weiterlesen

Systemtheorie III: Steuerungstheorie: Grundzüge einer Theorie der Steuerung komplexer Sozialsysteme – Prof. Dr. H. Willke

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