Vom Objekt zum System

Vom Objekt zum System

Der Weg vom Objekt zum System ist für uns nicht immer einfach nachzuvollziehen. Meist sind wir es gewohnt, einzelne Objekte zu beobachten und daraus Rückschlüsse zu ziehen.

Das liegt in erster Linie sicherlich daran, dass die Entwicklung unserer Beobachtung genau an einzelnen Objekten ansetzt. So ist die Idee der Schwerkraft durch die Beobachtung eines Apfels, der zu Boden fällt, entstanden.

In diesem Bereich liegt ebenfalls unser Ursache-Wirkungs-Denken. Wenn „eins“ passiert, ergibt sich „zwei“ daraus. Diese Beobachtungen werden verallgemeinert. Das hat in vielen Fällen sein Gutes. So lernen wir.

Wenn Sie beispielsweise Ihre Hand auf eine Herdplatte legen, so hat das die Wirkung, dass Sie sich verbrennen. Wahrscheinlich haben Sie schon als Kind gelernt, dass heiße Gegenstände sich negativ auf Ihr Wohlbefinden auswirken können.

In Systemen denken

Wenn wir nun vom Objekt zum System übergehen, wird die Sache sehr komplex. Systeme lassen sich nicht mehr so einfach durchschauen. Vielleicht kennen Sie das Beispiel vom Schmetterling, dessen Flügelschlag in Europa letztendlich einen Orkan in Amerika auslöst.

Dieses Beispiel aus der Chaostheorie ist, zu mindestens für mich, nicht mehr erfassbar. Es ist logisch, nachvollziehbar und gleichzeitig in meiner Welt nicht erfahrbar. Ich freue mich über den Schmetterling.

Dennoch macht der Wechsel vom Objekt zum System in unserem Denken Sinn. Gerade in einer immer komplexer werdenden Welt ist es gut, wenn wir uns darin üben in Systemen zu denken.

Ich möchte Ihnen dieses zuerst am Beispiel einer Waschstraße demonstrieren und am Ende des Artikels kurz auf das menschliche Zusammenleben eingehen.

Bürste einer Waschstraße

Bürste einer Waschstraße

Als Einstiegsbeispiel in die Thematik des isolierten Objektes versus Element eines Systems wähle ich die Bürste in einer Waschstraße. Diese Bürste lässt sich als getrenntes Objekt beschreiben.

Auch wenn es sich genau genommen um verschiedene zusammengesetzte Objekte handelt.  Da sind Stange, Gewebefäden, Aufhängung oder Motor. An dieser Stelle möchte ich es als ein Objekt herausgreifen. Dieses Objekt lässt sich relativ klar und eindeutig beschreiben.

Selbst unterschiedliche Menschen (Beobachter) dürften bei der Beschreibung annähernd auf ein identisches Bild kommen. Damit könnte sie durch ihre wesentlichen Eigenschaften charakterisiert werden.

Dieses kann durchaus Sinn machen, wenn es beispielsweise um die Materialien des Stabes geht. Hier stellt sich die Frage, welches Material messbar am besten geeignet wäre, Rotation, einwirkende Chemikalien und Befestigung der Gewebefäden um seine Aufgabe zu erfüllen.

Auch diese Messergebnisse sind sehr Objektiv und würden wahrscheinlich, selbst bei verschiedenen Beobachtern, ähnliche Ergebnisse liefern. Damit wäre das erkenntnisideal der Objektivität gegeben. Unterschiedliche Menschen, die dieselbe Bürste untersuchen, würden zu  den selben Ergebnissen kommen.

Der Fortschritt der Naturwissenschaften wäre in diesen Bereichen ohne reduktionistische Untersuchungsmethoden, wie eben am Beispiel dargestellt, nicht möglich gewesen. Gehen wir diesen Weg noch ein Stück weiter.

Der Lack kommt ins Spiel

Hier kommen wir bereits an den ersten Punkt, an dem die Bürste nicht mehr alleine als getrennt angesehen werden kann. Der erste Schritt vom Objekt zum System. Ihre Gewebefäden werden auf den Lack eines Autos treffen.

Dabei geht es um das Zusammenspiel zwischen Gewebe und verschiedenen Lacken. Die Gewebefäden sollen hierbei möglichst wenig Schäden an den unterschiedlichsten Lacken der Autos, welche durch Sie gereinigt werden anrichten.

Hier geht es um das Zusammenspiel zweier Materialien. Genau genommen könnte auch dieses auch labortechnisch recht Objektiv untersucht werden. Problematisch wird es allerdings schon.

Es fahren ja nicht nur neuwertige Autos durch die Waschanlage, sondern auch Autos, die vielleicht an irgendeiner Stelle bereits einen Lackschaden haben, der vielleicht durch einen Stein entstanden ist.

Die Zusammenwirkung von Bürste und Auto lässt sich kaum noch vorhersagen. Hinzu kommt noch, dass auch die Lackentwicklung an sich weitergeht und morgen bereits ein Auto auftauchen könnte, dessen Lack Art nicht im Labor getestet werden konnte, da er erst nach der Entwicklung der Bürste auf den Markt gekommen ist.

Komplex gesehen

Wenn wir jetzt noch einen Schritt weitergehen, und auf den Zweck der Bürste, dem Reinigen von Autos schauen, lässt sich die Bürste nicht mehr getrennt betrachten.

Vielmehr unterliegt sie einem Zusammenspiel der vor und nach ihr durchgeführten Reinigungsschritte um zum Ergebnis – sauberes Auto – zu führen. Wir kommen nicht mehr umhin, vom Objekt zum System zu wechseln.

Neue Waschstraßen gehen sogar so weit, dass Sensoren eine Rückmeldung geben, wie stark das Auto verschmutzt ist und mit welcher Geschwindigkeit sich die Bürste drehen muss.

Sie soll einerseits den Wagen reinigen und anderseits möglichst wenig Schäden am Lack zu verursachen. Es handelt sich bereits um ein sehr komplexes System, indem, auf das Ergebnis hin betrachtet, die Betrachtung einer einzelnen Bürste keinen Sinn mehr macht. Das Ganze, die Waschstraße, als mehr, als die Summe seiner Einzelteile.

Vom Ding zum Mensch

Vom Ding zum Mensch

Menschen sind in Systeme eingebunden und konstruieren sich erst durch die Kommunikation mit anderen Menschen, ihrem Gegenüber. Oder anders beschrieben, wir entwickeln unsere Identität in dem Kontakt zu unserer Umwelt.

In diesem Bereich haben Menschen, gerade in den ersten Jahren unseres Lebens einen sehr starken Einfluss auf uns. Aber auch als Erwachsene im Berufsleben orientieren wir uns an den Rückmeldungen von anderen.

Hier den zu dem auf sein Verhalten zu erforschenden Menschen zu isolieren wäre nur in einem Gedankenexperiment möglich. Aus meiner Sicht ist der gedankliche Sprung vom Objekt zum System unumgänglich.

Unterziehen wir hier das Beispiel des Begrüßens in verschiedenen Kontexten der Beobachtung. Wenn ich mich im Freundeskreis treffe, umarme ich meine Freunde beispielsweise.

In einem anderen Kontext, beispielsweise der Ar­beit, würde dieses Verhalten wahrscheinlich Irritationen auslösen. Im angloameri­kanischen Umfeld könnte es sogar als sexuell übergriffig eingestuft werden.

Auf der Arbeit begnüge ich mich daher meist mit einem Händeschütteln, was übrigens in einem asiatisch geprägten Kontext auch zu Missstimmungen führen würde.

Das (mein) Kontaktverhalten lässt sich also nicht eindeutig bestimmen und verschie­dene Beobachter würden in unterschiedlichen Kontexten, teilweise sogar im glei­chen Kontext, unterschiedliche Beschreibungen darlegen.

Die Regelung meines Kontaktverhaltens wird nur erklärbar, wenn Rückkopplungsprozesse, des Kontex­tes auf mich, unterstellt werden. An die Stelle geradliniger Ursache-Wirkungs-Erklärungen müssen, an dieser Stelle kreisförmige Ursache-Wir­kungs-Erklärung, also der Einbezug des Kontextes und seine Wirkung auf mein Verhalten, gesetzt werden.

Quellen und Weiterlesen

Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus – F. B. Simon

 

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