Zwischen Reden und Zuhören

Zwischen Reden und Zuhören

„Schön, dass wir drüber gesprochen haben!“ fällt als Aussage in unserem Team, wenn wir mal wieder ausufernd diskutieren. Dem gesagten folgt dann meist ein Lachen und wir konzentrieren uns wieder. Ich habe mich mitreißen lassen und den Spagat zwischen Reden und Zuhören nicht hinbekommen.

Das passierte mir früher des Öfteren. Vor allem, wenn ich mich wenig auf die Teamsitzungen vorbereitet hatte. Vor ein paar Jahren bin ich auf das Buch „Wie man führt, ohne zu dominieren“, von Prof. Dr. Arnold gestoßen. Auf seine Anregungen werde ich gleich eingehen.

Seit dieser Zeit achte ich vermehrt drauf, mich für die Teamsitzungen nochmals stärker vorzubereiten. Für mich ist die Balance zwischen Reden und Zuhören eine hohe Kunst. Wie sie oben gelesen haben, gelingt sie mir nicht immer.

Letztendlich ist es uns in Team gemeinsam gelungen, so offen und achtsam miteinander umzugehen, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Einem Teammitglied fällt es immer auf, wenn Reden und Zuhören nicht im Gleichgewicht sind. Denn in solchen Momenten geht der Fokus, für das, was gesagt werden sollte und dass was wichtig ist verloren.

Kommen wir nun zu dem, was Prof. Arnold als „Kompetenz eines vielsagenden Schweigens“ beschreibt. Für mich ist die Bezeichnung dieser Kompetenz leicht irreführend. Schließlich geht es ja um Reden und Zuhören.

Mir persönlich fällt auf, dass gerade in „heißen“ Diskussionen das Zuhören schwieriger ist, als das Reden. Vielleich hat Prof. Arnold, bei seiner Bezeichnung, den Schwerpunkt genau auf diese Fähigkeit gelegt. Doch nun zum Inhaltlichen.

Den Redeanteil dosieren

Den Redeanteil dosieren

Achten Sie darauf, dass das, was Sie sagen wollen, kurz und prägnant ist. Bringen Sie die Sachlage auf den Punkt. Das bedeutet, dass Ihre Aussagen maximal drei Kernpunkte beinhalten sollte. Vor allem, wenn es um Veränderungen im Team oder der Organisation geht, ist das besonders wichtig.

Gleichzeitig schärft es Ihre Darstellung und gibt ihr mehr Gewicht. Wenn Ihr Thema mehr als drei Kernaussagen beinhaltet, laufen Sie Gefahr, dass Ihnen wichtige Punkte überhört werden.

Bereiten Sie Ihre Inhalte vor. Machen Sie sich am Anfang Notizen, in denen Sie ihre drei Kernaussagen festhalten. Auch innerhalb einer Sitzung, wenn sich neue Themen ergeben, sollten Sie versuchen, in Ihren Rückmeldungen maximal drei Schwerpunkte zu setzen.

Wiederholen Sie ihre Aussagen nicht mehrfach. Wiederholungen führen eher dazu, dass man Ihnen weniger aufmerksam zuhört. Schließlich erklären sie es ja nochmal. Melden Sie sich stattdessen nur zu Wort, um neue Gedanken und Aspekte hinzuzufügen.

Schaffen Sie Bilder. Wann immer möglich setzen Sie bildhafte Aussagen, wie etwa „unser weiteres Vorgehen beruht auf drei Säulen“, ein. Bilder prägen sich deutlich besser ein und bleiben länger im Gedächtnis.

Zuhören können

Zuhören können

Seien Sie Präsent. Gerade in wichtigen Diskussionen neigen wir dazu, uns Aussagen oder Antworten zu überlegen, während der Andere noch spricht. Dadurch ist unsere Aufmerksamkeit mehr bei uns als bei der Aussage unseres Gegenübers.

Dadurch können sie wichtige Inhalte übersehen oder dass, was zwischen den Zeilen gesagt wird, überhören. Wiederstehen Sie dieser, allzu menschlichen, Versuchungen und hören bis zum Ende zu. Sie haben genug Zeit zu antworten. Damit bekommt Ihre Antwort auch mehr Gewicht.

Sammeln Sie gezielt die Aussagen, Beurteilungen und Einschätzung Anderer. Das wird Sie darin unterstützen, sich ein deutlicheres und umfangreicheres Bild von der Situation zu machen. Gerade in Konfliktgesprächen hilft es Ihnen auch, die Position Ihres Gegenübers zu verstehen. Es wird Ihnen leichter fallen, darauf einzugehen.

Machen Sie sich Notizen. Am Tag treffen Sie viele Entscheidungen. Große Mengen von Informationen strömen auf Sie ein. Dinge, die Sie sich notiert haben, brauchen Sie einerseits nicht im Kopf zu behalten, anderseits gehen die Informationen nicht verloren.

Notizen unterstützen Sie ebenfalls darin, sich ein möglichst genaues Bild von Positionen und Aspekten zu machen. Ich greife gerne auf Mindmaps zurück, da sie leichte Erweiterungen erlauben. Manchmal können Sie sich vielleicht nicht direkt Notizen machen. Nehmen Sie sich bitte die Zeit, dieses nachzuholen.

Nachfragen können

Nachfragen können

Konzentrieren Sie sich darauf, Ihr Gegenüber zu verstehen. Hierbei geht es nicht um Ihren Standpunkt. Wie bereits erwähnt, sollten Sie, während Ihr Gegenüber spricht, nicht schon gedanklich an Ihrer Entgegnung arbeiten. Wenn Sie beim Anderen bleiben, werden Fragen auftauchen, die Sie stellen können, um Ihren Gesprächspartner noch besser zu verstehen.

Achten Sie hierbei auch darauf, wie Sie heraushören, was Sie schon wussten und wie Sie auf „Neues“ reagieren. Oft folgen wir einem Gespräch so lange, bis wir den Eindruck haben, dass gesagte verstanden oder Informationen bereits gewusst zu haben.

Wenn wir solche Elemente entdecken, steigen wir oftmals aus dem Gespräch aus. Schließlich haben wir das, was unser Gegenüber erzählte schon gewusst. Für uns neue und erweiternde Informationen gehen dabei verloren.

Vermeiden Sie Bewertungen. Gerade in sozialen Bereichen fällt uns das meist sehr leicht. Kompliziert wird es dann, wenn Andere sich kritisch über unsere Ideen äußern. Wenn der Gesprächspartner Sie hinterfragt oder zu anderen Ergebnissen kommt, als Sie, wird es auch komplexer.

Hier ist es, aus meiner Sicht anfangs leichter, sich erst einmal der eigenen Bewertungen bewusst zu werden. Überlegen Sie auch, wie Ihre „normale“ Reaktion ausfallen würde, und treten Sie innerlich einen Schritt zurück. Tappen Sie nicht in die Rechtfertigungsfalle. Der andere hat ein Recht auf seine Meinung, genau wie Sie auf die Ihre.

Ihr Ziel sollte es sein, die Beiträge und Aussagen Anderer so zu verstehen, wie diese sie gemeint haben. Hierfür ist es wichtig, dass Sie aktiv nachfragen. Dazu gehört auch, dass Sie das, was Sie verstanden haben, deutlich in Ihren Worten zusammenzufassen und es der Diskussion zur Verfügung zu stellen. Hierdurch kann ihr Gegenüber erkennen, ob Sie Inhalte so wiedergeben, wie er sie gemeint hat.

Übung Reden und Zuhören

Übung Reden und Zuhören

Auch dieser Bereich braucht Übung. Das Gute ist, dass Sie sich nicht extra Übungszeiten einplanen müssen. Schließlich gehören Gespräche und Sitzungen zum Geschäft. Wichtig ist einzig und alleine, dass Sie sich die Zeit nehmen diese zu reflektieren. Das wird Sie in Ihrer Leitungsrolle unterstützen und sich langfristig positiv auswirken.

Herr Prof. Arnold hat dafür eine Tabelle angelegt. Er unterscheidet in vier Kategorien. Die Aussagen treffen entweder nie, selten, oft oder immer zu. Ich persönlich nutze lieber eine Skala von 0 bis 10. Die „0“ steht bei mir für nie und die „10“ für immer.

Ich finde den Umgang mit einer Skala einfacher, da ich für mich leichter überprüfen kann, wie ich beispielsweise von einer „7“ auf eine „8“ oder von einer „4“ auf eine „5“ komme. Sie können für sich entweder die Skala oder die Kategorien von Prof. Arnold nutzen. Schauen Sie, was Ihnen einfacher fällt. Hier nochmals die Aussagen in den drei Bereichen:

Den Redeanteil dosieren

  • Achten Sie darauf, dass das, was Sie sagen wollen, kurz und prägnant ist.
  • Wiederholen Sie ihre Aussagen nicht mehrfach.
  • Schaffen Sie Bilder.

Zuhören können

  • Seien Sie Präsent.
  • Sammeln Sie gezielt die Aussagen, Beurteilungen und Einschätzung Anderer.
  • Machen Sie sich Notizen.

Nachfragen können

  • Konzentrieren Sie sich darauf, Ihr Gegenüber zu verstehen.
  • Vermeiden Sie Bewertungen.
  • Ihr Ziel sollte es sein, die Beiträge und Aussagen Anderer so zu verstehen, wie diese sie gemeint haben.

Quellen und Weiterlesen

Wie man führt ohne zu dominieren – R. Arnold

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